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    Abstimmung per WhatsApp

    Elena Artioli

    Elena Artioli nimmt die Schwangerschaft ihrer Kolleginnen Magdalena Amhof und Chiara Avanzo zum Anlass, Vorschläge für eine mutterfreundliche Reform des Landtags zu machen. Die Details.

    Von Matthias Kofler

    Mit Magdalena Amhof und Chiara Avanzo sind derzeit gleich zwei Abgeordnete in freudiger Erwartung. Der Regionalrat und der Landtag stehen damit vor großen Herausforderungen. In der SVP-Fraktion wurde bereits eine lebhafte Diskussion darüber angestoßen, wie man das Landesparlament den neuen Gegebenheiten anpassen kann.

    Auch Elena Artioli prescht mit einem Reformprojekt vor. Aus der Sicht der A-Team-Politikerin ist das Hohe Haus in der gegenwärtigen Verfassung nämlich „nicht kinder- und mutterfreundlich“. „Leider ist im Südtiroler Landtag die Abwesenheit wegen Mutterschaft nicht vorgesehen“, bedauert Elena Artioli, „die Abwesenheit einer Abgeordneten aus Schwangerschaftsgründen wird mit der krankheitsbedingten Abwesenheit gleichgestellt, was eine gravierende Ungerechtigkeit darstellt.“

    Für die SVP-Fraktion könnte das Fernbleiben der Fraktionskollegin Magdalena Amhof problematisch werden. Grund sind die knaappen Mehrheitsverhältnisse im Hohen Haus. Elena Artioli teilt diese Sorgen: Schwangere Kolleginnen und junge Mütter hätten großes Interesse daran, an den Abstimmungen in der Aula teilzunehmen, meint die Abgeordnete. „Doch das Baby, das sie im Mutterleib tragen, kann von einem Moment auf den anderen entscheiden, zur Welt zu kommen“, bringt es Elena Artioli auf den Punkt.

    Die Abgeordnete stellt klar: „Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Die Abwesenheit wegen Mutterschaft muss auch für die Abgeordneten garantiert werden, ohne die Verhältnisse zwischen Opposition und Mehrheit durcheinander zu bringen.“ Elena Artioli schlägt deshalb vor, für die Neo-Mamas die Möglichkeit einer Abstimmung von Zuhause aus einzuführen – etwa per WhatsApp oder anderen technischen Hilfsmitteln der modernen Zeit.

    Als Mutter von drei Kindern spreche sie aus eigener Erfahrung, sagt die A-Team-Politikerin und spricht den beiden Kolleginnen Magdalena Amhof und Chiara Avanzo ihre volle Solidarität aus. Als Zeichen ihres Entgegenkommens kündigt Elena Artioli als Oppositionsvertreterin an, sich bei allen Abstimmungen, die die beiden schwangeren Abgeordneten und Mitglieder der Mehrheit aufgrund ihrer Mutterschaft verpassen werden, der Stimme zu enthalten. „So garantiere ich das Gleichgewicht im Landesparlament und halte den beiden Kolleginnen im übertragenen Sinne die Hand im Kreißsaal“, unterstreicht Elena Artioli.

    Der Politik wird gemeinhin vorgeworfen, vor allem die eigenen Privilegien im Auge zu haben. Schwangere Abgeordnete seien aber keineswegs privilegiert, meint die Oppositionelle. „Im Gegenteil: Man muss diesen Frauen die Hand reichen und ihnen und den Frauen, die außerhalb des Landtags stehen, wieder Hoffnung geben.“ Viele Frauen würden auch heute noch diskriminiert und seien jeden Tag Opfer von Mobbingattacken.

    Im Zuge der Reform der Geschäftsordnung des Landtags unterbreitet Elena Artioli einen weiteren Vorschlag: So soll das Hohe Haus erstmals auch die Möglichkeit vorsehen, dass Abgeordnete ihre Kinder in den Sitzungssaal mitbringen können. „Wir müssen sofort wie alle entwickelten Parlamente werden, wo das Stillen kein Problem mehr darstellt“, sagt die A-Team-Politikerin. Auch die Einrichtung eines eigenen Ausweich- und Stillraumes soll umgehend in Angriff genommen werden.

    „Tatsache ist, dass auch viele Frauen außerhalb des Landtags diese Möglichkeiten noch nicht haben und diskriminiert werden. Nicht nur bei den Abgeordneten gibt es Handlungsbedarf, sondern bei allen Frauen des Landes“, fordert Elena Artioli.

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    Kommentare (5)

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    • andreas

      „die Abwesenheit einer Abgeordneten aus Schwangerschaftsgründen wird mit der krankheitsbedingten Abwesenheit gleichgestellt, was eine gravierende Ungerechtigkeit darstellt.“

      Ich bin dafür im Landhaus einen Kreisaal einzurichten, damit wir in Zukunft von solchen Aussagen verschont bleiben.

      Zusätzlich fordere ich die Naturgesetze außer Kraft zu setzen, damit auch Männer Kinder kriegen können und wir auch diese gravierende Ungerechtigkeit endlich beenden.

      Eine schwangere Abgeordnete der SVP sollte sowieso doppeltes Stimmrecht haben, da sie ja zu zweit sind, um im Sinne von Frau Artioli die Mehrheit nicht zu gefährden.
      Also liebe SVPlerinnen, wenn es mit der Mehrheit knapp wird, wisst ihr was zu tun ist. 🙂

    • meintag

      Da eine Legislaturperiode fünf Jahre dauert muss allen Frauen die ins südtiroler Parlament wollen klar dass man nach heurigem Wissenstand verhüten muss. Auch in der Privatwirtschaft wird der Kinderwunsch der Karriere und Arbeitsverpflichtng vielfach hinten angestellt. Wieso sollen Politikerinnen hier ausgenommen sein.

    • yannis

      typisch bei diesen Weibsbildern, wenn die Biologische Grenze naht oder beinahe schon überschritten ist, müssen sie dann doch noch schnell Nachwuchs bestellen.
      Andere mit echten Muttersinn haben in diesen Alter ihre Kinder bereits ins Erwachsen-Leben entlassen.
      Wenn sie dann z.B. bei irgend welchen Schulveranstaltungen mit ihren Kind erscheinen, wird dieses dann von dem Mitschülern gefragt: „Hatte deine Mama keine Zeit oder weswegen bist du mir der Oma hier“

      • zusagen

        da sind die Frauen aber nicht alleine daran schuld. Auch die Männer wollen ja nicht zu früh Vater werden. Jungen Eltern sollte deshalb diesbezüglich von der Gesellschaft unterstützt werden, schließlich sind oder waren wir ja alle einmal jung

        • yannis

          da hast auch wieder recht !
          und genau, junge Eltern werden in der Gesellschaft sei es von Staats wegen aber auch von den Mitbürgern vernachlässig.
          Solange man als junger Mensch mehr Ansehen erringt wenn man ein PS starkes Auto fährt, das aktuellste I Phone usw, herzeigt, als wenn man einen Kinderwagen vor sich her schiebt und einen gebrauchten Golf fährt, wundert es nicht dass Kinder kriegen unwichtig ist.

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