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Der Gegenschlag

01-arzt_ohne_kopf1Der nächste Paukenschlag im Hausärzte-Streit: Nachdem das Land den Wipptaler Ärzten zeitweise Patienten zuschieben wollte, haben sich diese nun autolimitiert. Wer zu einer Visite kommt, muss zahlen.

von Heinrich Schwarz

Der Hausärzte-Gewerkschafter Domenico Bossio ist außer sich: „Was das Land hier getan hat, ist arrogant und unverschämt. Man kann nicht von oben herab einen geltenden Vertrag missachten.“

Stein des Anstoßes ist die Hausarzt-Problematik im Wipptal. Ein Fall, der wegen des Ärztemangels bald auch in anderen Landesteilen eintreffen wird. Mit Jahresende ist der Hausarzt Wilhelm Seppi in Rente gegangen. Seine rund 1.200 Patienten können aber von keinem anderen Wipptaler Arzt aufgenommen werden, da diese die seit wenigen Jahren gültige Patientenobergrenze von 1.575 bereits überschreiten.

Es musste eine Lösung gesucht werden, damit die Patienten nicht ohne Arzt bleiben. Das Land hat sich für eine Aussetzung der Obergrenze für die Wipptaler Ärzte ausgesprochen. Doch die Gewerkschaften wehrten sich dagegen und verwiesen auf eine große Ungleichbehandlung. Im Nachbarsprengel Brixen sind nämlich alle Hausarzt-Stellen besetzt, weshalb die alteingesessenen Ärzte nur noch für 1.575 Patienten bezahlt werden, obwohl sie zum Teil über 2.000 betreuen. Zu wenige Patienten wechseln in Brixen freiwillig.

Also haben die Gewerkschaften den Gegenvorschlag lanciert, wonach Wilhelm Seppis Patienten bei Bedarf zu einem Arzt ihrer Wahl gehen können und die Leistungen dann dem Sanitätsbetrieb in Rechnung gestellt werden.

Trotzdem hat das Gesundheitsassessorat am 30. Dezember eine Sondergenehmigung erteilt, die für maximal sechs Monate eine Abweichung der Obergrenze ermöglicht. Die Patienten von Wilhelm Seppi werden in gesonderte Listen eingetragen, können für sechs Monate einen der anderen Hausärzte wählen und müssen von Amts wegen einem neuen Arzt übertragen werden, sobald dieser seine Tätigkeit im Sprengel aufnimmt.

„Das Land will also ohne unseren Willen Patienten bei uns parken, um sie dann wieder wegzunehmen. Für das Land mag das kamott sein, aber unsere Rechte werden wieder einmal missachtet. Das lassen wir nicht durchgehen“, so Domenico Bossio.

Der Gegenschlag wurde bereits ausgeführt: In einem Brief an die zuständigen Stellen haben die Gewerkschaften mitgeteilt, dass sich die zur Wahl stehenden Hausärzte auf 1.575 Patienten autolimitiert haben. Falls sich Patienten neu einschreiben, wird dies als freiberufliche Tätigkeit betrachtet. Visiten werden in Rechnung gestellt und sind vom Patienten zu bezahlen. Dieser Vorgang sei laut Kollektivvertrag möglich.

MEHR DAZU LESEN SIE AM DIENSTAG IN DER TAGESZEITUNG.

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Kommentare (5)

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  • carlotta

    Eine absolute Schweinerei, wie die Menschen herumgeschoben werden. Daran merkt man wieviel sie Wert haben.. nämlich NULL, ausser, bei den Wahlen. Da braucht man jede einzelne Stimme! Schweinerei! Ich hoffe für die SVP , dass sie sich schon bewusst ist, dass sie im Wipptal alles verschissen hat!

  • andreas

    @carlotta
    Wie würdest du das Problem lösen?

    • carlotta

      Ich würde mal sagen, dass weder dieser Arzt, noch die anstehenden Pensionierungen vieler Hausärzte von heute auf morgen geschehen. D.h. Man hätte mit dem Wissen Ärzte suchen können, eine gewissenhafte Patientenübergabe machen und das Problem würde es so gar nicht geben!

      • yannis

        Du hast recht, man ließ den Zug durchfahren, obwohl der Fahrplan allen längst bekannt war.
        Noch besser wäre ein Gesundheitssystem wie z.B. in DE. Jeder Bürger ist in einer Gesundheitskasse (früher wurden sie Krankenkasse genannt) versichert und er kann beliebig zu dem Arzt seiner Wahl gehen. Somit könnte z.B. ein Wipptaler der nach Bozen zur Arbeit pendelt problemlos die Ärztliche Dienstleistung in Bozen in Anspruch nehmen. Zudem fördert ein solches System die Ärztliche Qualität, die bei einen Arzt mit 1.575 „Garantie-Patienten“ nicht unbedingt gegeben ist.
        Eines wird hierbei wieder deutlich, staatlich gemanagte Systeme leiden mehr oder weniger immer an denselben kranken Fuß.

    • meintag

      Ein junger Arzt der kürzlich sein Studium in Innsbruck abgeschlossen hat, hat sich Informationen über die Beschäftigung als Basisarzt eingeholt. Das Ergebnis war erstens dass die Bezahlung schlecht sei und Alles Mafia ähnlich aufgebaut scheint. Er arbeitet seit Monaten und im Ausland und will auch dort bleiben weil das System Südtirol ein freies Arbeiten nicht zulässt.

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