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    Forum der Südsterne

    imageBeim Südstern Health and Science Forum Südtirol in der Eurac ging es um Patientensicherheit und Notfallmedizin.

    Wenn sich das Südstern Health and Science Forum Südtirol in den vergangenen Jahren ein Markenzeichen erarbeitet hat, dann ist es nicht nur das Vernetzen von Südtiroler Medizinern und Naturwissenschaftlern im Ausland und den in der Heimat tätigen Kollegen. Das Forum zeichnet seit jeher eine extrem große Themenvielfalt aus. So auch am Freitagnachmittag bei der vierten Ausgabe des Kongresses, wo ein Vortrag über die moderne Notaufnahme die rund 100 anwesenden Zuhörer genauso fesselte, wie ein Ausflug in die Welt der Teilchenphysik. Aber nicht nur.
    Das Südstern Health and Science Forum wurde von Gastgeber Roland Psenner, Präsident der EURAC, eröffnet. „Unser Institut ist sicherlich der richtige Ort um über diese Themen zu sprechen. Wir befinden uns vor einem Paradigmenwechsel, die gesamte Medizin geht in eine neue Richtung: Von der Behandlung entwickelt sich vieles hin zur Prävention. Ich bin deshalb schon jetzt gespannt auf die vielen interessanten Vorträge“, erklärte Psenner in seiner kurzen Eröffnungsrede.

    Und in der Tat: Nach den Grußworten von Armin Hilpold, Präsident des Netzwerkes Südstern, folgte das erste Referat von Florian Demetz. Der Direktor der Notfallklinik und des Rettungszentrums am Klinikum Ingolstadt in Bayern sprach darüber, wie die moderne Notaufnahme funktioniert. Er referierte darüber, wie man den Patientenzustrom reduzieren kann. In Ingolstadt unterhalten neben der Notaufnahme ein Hausarzt und ein Kinderarzt eine Praxis, die die Patienten nur in notwendigen Notfällen an die Notaufnahme weiterleiten. Ein Modell, das durchaus auch in Südtirol funktionieren könnte.

    Gute Mitarbeiter sind das A und O

    Als Leiter der Notfallklinik hat Demetz nach einer Erhebung des Patientenaufkommens die Dienstpläne in seiner Abteilung so angepasst, dass sie mit dem Aufkommen der ambulanten Fälle möglichst deckungsgleich waren. Außerdem berichtete Demetz, dass er mit dem Werksleiter von Audi ein EDV-System ausgearbeitet hat, damit in der Notaufnahme ständig alle Informationen der einzelnen Patienten verfügbar und die bisher erfolgten Schritte in der Behandlung verfügbar sind. Dies alles habe zu einer Optimierung der Prozesse beigetragen. „Großen Wert lege ich auf gute Mitarbeiter. Und darauf, dass sie respektvoll behandelt werden, dass klar mit ihnen kommuniziert wird“, so Demetz.

    Sehr aktuell war auch das Thema, zu dem Andrea Piccin im Rahmen des Forums referierte. Der Arzt an der Abteilung Hämatologie und Knochenmarktransplantation am Krankenhaus Bozen sprach über die Sichelzellanämie. Piccin klärte die Kongressteilnehmer darüber auf, dass es sich bei der Sichelzellenanämie um eine erbliche Erkrankung der roten Blutkörperchen handelt. Sie gehört zur Gruppe der Hämoglobinopathien (Störungen des Hämoglobins) und führt zu einer korpuskulären hämolytischen Anämie. Auffallend ist, dass in Gebieten der Malaria diese Pathologie relativ häufig ist, weshalb die Krankheit sehr oft bei Menschen die in der Gegend des Äquators leben, vorkommt.

    Die nachhaltigste Form des Schonens von Ressourcen: Patientensicherheit

    Dass es nicht unmöglich ist, Patientensicherheit und Patientenkomfort mit der Vorgabe Ressourcen zu schonen auf einen Nenner zu bringen, war das Fazit des Vortrags von Matthias Bock, geschäftsführender Primar, Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Meran. So berichtete er von Studien in Österreich, die eine Einsparung von 24 Millionen Euro pro Jahr zur Folge hatten, weil präoperative Tests nach gewissen Leitlinien durchgeführt wurden. Außerdem berichtete er von einer Studie in Bozen, in dessen Rahmen nachgewiesen wurde, dass die 90-Tage-Mortalität nach chirurgischen Eingriffen um 27 Prozent gesenkt werden konnte, seit Operations-Checklisten eingeführt wurden. Sein Appell an die Kollegen im Publikum: „Wir müssen interdisziplinär arbeiten, Brücken bauen und an die klinischen Prozesse denken. Patientensicherheit ist die nachhaltigste Form des Schonens von Ressourcen.“

    Besonders viel Applaus erhielt Teilchenphysiker Günther Dissertori vom ETH Zürich, der die Forums-Teilnehmer mitnahm auf eine Reise in die Welt der Moleküle und Atome. In seinen Ausführungen erklärte Dissertori worum sich seine Arbeit am Forschungsinstitut CERN in Genf drehe, wo er mit vielen anderen weltweiten Experten forscht und versucht „Das Unsichtbare sichtbar, das Unmögliche möglich zu machen. Unsere Mission ist die Grenzen des Wissens zu verschieben, neue Technologien zu entwickeln, Menschen aus verschiedensten Ländern zusammenzubringen, die sonst wahrscheinlich nicht zusammenarbeiten würden. Ein sehr relevanter Beitrag ist aber, dass wir Wissenschaftler und Ingenieure ausbilden. Wissen schaffen ist ein fundamentaler Beitrag für unsere Kultur“, so Dissertori.

    Der Mensch besteht aus Sternenstaub

    Außerdem erklärte Dissertori das Zusammenspiel, zwischen der Teilchenphysik und der Medizin. Als Beispiel nannte er eine Positron-Emissions-Tomographie, oder Röntgenstrahlen, die nichts anderes als ein Teilchenphysik-Experiment seien. Interessant waren Fakten wie jene, dass der kleine Finger eines Menschen aus mehr Atomen zusammengesetzt ist, wie es im Universum Sterne gibt. Oder darüber, dass der Mensch aus 13 Millionen alten Bausteinen und im Grunde zum Teil aus Sternenstaub besteht.

    Oswald Mayr, scheidender Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, zeichnete in seinen Ausführungen das Bild der aktuellen Situation der Ärzte nach, die sich vielfach nicht in ihrer traditionellen Rolle wiederfinden würden. Er appellierte an die anwesenden Kollegen, dass sie sich vom eindimensionalen heilen und helfen verabschieden sollen.

    Ihnen fiele eine noch größere Rolle, nämlich jene einer Führungsfigur im Gesundheitswesen in allen Bereichen, zu. „Neues Management ist partizipative Kommunikation, ist eine intelligente, kreative und innovative Entwicklung. Und wir Ärzte müssen uns daran beteiligen, netzwerken. Der Arzt geht voraus – und trottet nicht hinterher“, so Mayr.

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