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    Jeder stirbt für sich allein

    Hinter dem Titel „Lettere da Berlino“ versteckt sich die vierte Verfilmung von Hans Falladas Erfolgsroman aus dem Jahr 1947.

    von Renate Mumelter

    Unter dem Pseudonym Hans Fallada hat Rudolf Ditzen (1893-1947) eine ganze Reihe von  Bestsellern veröffentlicht, darunter auch seinen letzten Roman, den er in nur einem Monat kurz vor seinem plötzlichen Tod schrieb. Er erzählt die Geschichte von Anna und Otto Quangel. Sie verlieren ihren einzigen Sohn im Krieg und beschließen, mit Texten auf Ansichtskarten gegen das Naziregime zu opponieren. Als Vorlage für die Quangels hatte Fallada das Berliner Ehepaar Otto und Elise Hampel gedient.

    Primo Levi bezeichnete Falladas Roman als das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand geschrieben wurde. Verfilmt wurde der Stoff nun zum vierten Mal. Vorläufer hatte es 1962, 1970 und 1976 gegeben, damals unter der Regier von Alfred Vohrer (Edgar-Wallace, Traumschiff) mit Hildegard Knef in der Hauptrolle. Jetzt spielen die Kinos die britisch-französisch-deutsche Version des Schweizers Vincent Pérez. Emma Thompson und Brendan Gleeson machen ihre Sache als Quangels sehr gut, Daniel Brühl wirkt als Kiminalbeamter wie ein schnauzbärtiger Jungspund, was allerdings beabsichtigt ist.

    Der Succus aus dem 600-Seiten-Roman ist linear erzählt, die Geschichte ist trotz des vorhersehbaren Endes spannend, Kulissen, Kostüm, Schauspiel stimmen, das Erzählte ruft die erwartete Entrüstung hervor. Trotzdem würde ich statt des Films das Buch empfehlen. Denn das, was Primo Levi am Buch so gut gefiel, kommt im Film notgedrungen zu kurz – das Miese, das in der Kriegsgesellschaft damals überwog und noch immer zu finden ist, die Habgier, die Angst aber auch die Not, die zu Vielem zwingt, wenn man überleben will. „Alone in Berlin“ ist ein Film,  der nichts Neues bringt sondern nur das alte Elend zum wiederholten Mal neu erzählt.

    Alone in Berlin (GB/FR/DE, 2016), 100 Min., Regie: Vincent Pérez, Bewertung: Hans Falladas Buch im Schnelldurchlauf

    Was es sonst noch gibt: Daniele Ciprí mit „La Buca“ (MO 20.30 h BZ), Andrej Tarkovskijs Sohn kommt nach Südtirol und stellt am DO 27. „Stalker“ in Bozen und am FR 28. „Solaris“ in Meran vor. Zwei Highlights der Filmgeschichte.

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