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Abfall auf der Wiese

Die Biogasanlage in Kematen

Die Biogasanlage in Kematen

Um rentabel zu sein, vergären Biogasanlagen nicht nur Gülle, Jauche und Mist, sondern zusätzlich organische Abfälle – auch von außerhalb der Provinz. Aber das dürfen sie nicht, wie sich jetzt in Kematen gezeigt hat.

von Silke Hinterwaldner

„Es läuft alles einwandfrei“, sagt Paul Prenn, „wir haben keinerlei Probleme in letzter Zeit.“ Er ist der Präsident der Bauerngenossenschaft Biowatt Taufers, die in Kematen vor rund 14 Jahren eine Biogasanlage errichtet hat. Die Grundidee war: Gülle, Jauche und Mist veredeln, auch um die Geruchsbelästigung einzudämmen und gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen.

Aber von Anfang an lief einiges nicht nach Plan. Rund um die Anlage stank es stärker als je zuvor, sehr zum Ärger der Bewohner in Mühlen und Kematen. Außerdem schien die gesamte Anlage weniger rentabel als gedacht.

Vor einigen Jahren schließlich entschieden die Bauern, den Betrieb an eine Gesellschaft weiterzuverpachten, um sich nicht länger mit derlei Problemen herumschlagen zu müssen. Jetzt wird die Biogasanlage in Kematen von einer Gesellschaft geführt, die den einfachen Namen Biowatt Srl. trägt.

Weil die Biogasanlage in Kematen wie viele andere Anlagen dieser Art auch nicht ausgelastet ist, wenn sie ausschließlich den Mist der Rinder aus der Umgebung vergärt, wird weitere Biomasse herbeigeschafft. Das macht die Anlagen erst rentabel. Hinzu kommen sekundäre Rohstoffe wie etwa Apfel- und Traubenreste, die bei der Herstellung von Saft und Wein anfallen oder Silomais, Getreide, Molkereiabfälle und Futtermittel. Manche dieser Stoffe können kostengünstig erworben werden – und erhöhen vor allem den Heizwert. Das wiederum bedeutet mehr Rendite, auch wenn es nichts mehr damit zu tun hat, was Biogasanlagen ursprünglich erreichen wollten.

Das Gesetz macht in diesem Fall klare Vorschriften: Die Biomasse muss aus der Provinz stammen, sie darf nicht von außerhalb importiert werden. Trotzdem, so scheint es, werden in vielen Anlagen etwa Apfelreste aus dem Trentino vergoren, die über Dritte importiert werden.

Die Aufgabe von Ernesto Scarperi und seinen Mitarbeitern im Amt für Gewässerschutz ist es, auf derlei Missstände aufmerksam zu machen. „Bei der Biowatt in Kematen“, sagt der Amtsdirektor, „hat es mehrere Beanstandungen gegeben, es wurde auch eine Strafe ausgestellt.“ Das war heuer zu Jahresbeginn. Nachdem bei einer weiteren Kontrolle wieder Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, überlegt man jetzt ein strengeres Vorgehen: anstatt eine weitere Mahnung zu schicken den Staatsanwalt einschalten.

„Wir möchten nicht“, sagt Scarperi, „dass diese Biogasanlagen zu Abfallentsorgungsanlagen werden.“ Die Gefahr dabei: Wird unkontrolliert allerhand organischer Müll in den Biogasanlagen vergoren, dann kann sich der Nitratgehalt im Grundwasser erhöhen. Schließlich bringen die Bauern das Material aus den Biogasanlagen wieder auf den Feldern aus.

Juridisch umstritten ist allerdings, ob die territoriale Beschränkung dem Prinzip des freien Marktes widerspricht – darauf pochen etwa die Betreiber in Kematen, die sich gegen die Strafbescheide aus der Umweltagentur wehren.

Aber jetzt hat das Verwaltungsgericht ein Urteil gesprochen, das dem Land Recht gibt. Die Umweltagentur hatte schon 2013 beanstandet, dass in Kematen „organische Abfälle von außerhalb der Provinz Bozen“ vergärt werden. Dagegen haben die Betreiber in Kematen rekurriert, das Verwaltungsgericht jedoch hat jetzt diesen Rekurs für unzulässig erklärt. Die Begründung: Die Lizenz für die Anlage sei gekoppelt an die Vorgabe, ausschließlich Abfälle aus Südtirol zu verwenden. Dies vor allem deshalb, weil die Gewässer geschützt werden müssen und man nicht das Risiko eingehen wolle, dass unbekannte, vielleicht gefährliche Stoffe in das Grundwasser geraten.

Das Problem der Betreiber von Biogasanlagen: Oft reicht die in Südtirol vorhandene Menge an Biomasse nicht aus, um alle Anlagen zu füllen und rentabel zu führen. Und manchmal ist der Weg etwa zum benachbarten Osttirol nicht besonders weit. „Wir machen sporadisch Kontrollen“, sagt Scarperi, „weil wir vermuten, dass auf diesem Weg Abfälle entsorgt werden, die von auswärts kommen. Aber die Kontrollen gestalten sich sehr schwierig. Trotzdem möchten wir nun ein wenig Ordnung in diesem Bereich schaffen.“

Der Umwelt zuliebe.

 

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