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    „Mama Rai schaut auf uns“

    Die RAI-GehälterDie Rai hat sich bislang strikt geweigert, die Gehälter der Redakteure des Senders Bozen offenzulegen. TAGESZEITUNG Online listet auf, wer wie viel verdient.

    von Artur Oberhofer

    Die Anfragen waren sprichwörtlich für die Katz.

    Bereits mehrmals hatte der Landtagsabgeordnete der Freiheitlichen, Roland Tinkhauser, mittels Anfrage im Südtiroler Landtag versucht, Auskunft über die Höhe der Gehälter der lokalen Rai-Journalisten zu erhalten.

    Der Landeshauptmann reichte die Bitte stets an die Rai weiter. Aber der öffentlich-rechtliche Medienbetrieb, der künftighin mit 20 Millionen Euro an Landesgeldern finanziert wird, teilte mit: Man könne die Informationen aus Privacy-Gründen nicht herausgeben

    Die Rai sei eine AG. Daher seien die Redakteure von Rai Südtirol nicht als öffentlich Bedienstete anzusehen.

    Auf römischer Ebene hat die Mama Rai nur die Gehälter ihrer Top-Verdiener veröffentlicht (siehe dazu den eigenen Kasten).

    tab gehälterAuf politischer Ebene hat die Haltung der Rai für eine gewisse Irritation gesorgt. Ein Mitglied der Landesregierung sagt: „Uns rechnen die Medien immer unsere Gehälter vor, indem sie sogar die zwei Stellen nach dem Komma nennen, aber wenn es um die eigenen Bezüge geht, schieben sie plötzlich die Privacy vor.“

    Die Geheimniskrämerei der Bozner Rai-Verantwortlichen ist nicht nachvollziehbar. Zwar entlohnt der „Staatsfunk“ seine journalistischen Mitarbeiter nach wie vor fürstlich. Doch die Gehälter der RedakteurInnen von Rai Südtirol – auch jene der leitenden Mitarbeiter – liegen weit unter den unlängst bekanntgewordenen, unverschämten Bezügen von „Top“-Journalisten, über die sich die Nation so fürchterlich aufregt.

    TAGESZEITUNG Online liegt jetzt die Gehälter-Tabelle der Südtiroler Rai-Journalisten vor.

    Top-Verdiener in der deutschsprachigen Redaktion von Rai Südtirol ist Chefredakteur Wolfgang Mayr mit einem Nettogehalt von etwas weniger als 5.000 Euro.

    Wolfgang Mayr

    Wolfgang Mayr

    In diesem Betrag sind allerdings verschiedenen Zulagen mit inbegriffen: Früh- bzw. Nachtdienste, Sonntagsdienste, Moderations- bzw. Mikrofonzulage, Überstunden-Forfait usw. Auch kassiert der Chefredakteur eine Erreichbarkeitszulage („indennità di reperibilitá“). Mayr muss als Redaktionsleiter immer erreichbar sein.

    Ohne diese Zulagen (und mit einem Dienstalter von fast 28 Jahren) kommt Wolfgang Mayr auf ein monatliches Netto-Gehalt von rund 4.500 Euro.

    Damit verdient er zwar eine schönes Geld, aber deutlich weniger als ein einfacher Landtagsabgeordneter.

    Noch immer gibt es bei Rai Südtirol ein Gehalts-Gefälle zwischen „alten“ und „neuen“ Redakteuren. Früher war es so, dass beispielsweise die an Dienstjahren alte Rom-Korrespondentin Oktavia Brugger und langgediente Redakteure wie Norbert Grones oder Erwin Hofer stets mehr verdient haben als der amtierende Chefredakteur.

    Vor diesem Dienstalters-Hintergrund verdient beispielsweise die stellvertretende Chefredakteurin Godele von der Decken (Fernsehen) mit rund 4.500 Euro netto mehr als ihre Kollegin Heidy Kessler, die ebenfalls Vize-Chefredakteurin ist.

    Der Grund: Heidy Kessler ist später zur Rai gestoßen. Die Hörfunk-Chefin dürfte rund 4.000 Euro netto im Monat verdienen.

    „Die alten Verträge waren viel vorteilhafter“, so erklärt ein Redaktionsmitglied.

    Hatten Rai-Jungredakteure früher ein Anfangsgehalt von rund 3.000 Euro netto im Monat, so liegt das Einstiegsgehalt jetzt bei rund 2.300 Euro.

    Ein/e Redakteur/in mit zehn Dienstjahren kommt derzeit auf rund 3.000 Euro netto im Monat.

    Ein/e Redakteur/in mit über 20 Dienstjahren kommt auf knapp 4.000 Euro netto im Monat. Immer die Zulagen inbegriffen.

    Der Karrieresprung vom „normalen“ Redakteur zum Chef vom Dienst ist mit einem Gehaltsplus von rund 600 Euro im Monat verbunden. Chefs vom Dienst sind derzeit

    Marlis Steinkasserer, Günther Telser, Zeno Braitenberg, Roman Drescher und Otwin Notdurfter.

    Die Tagesschau-ModeratorInnen erhalten ebenfalls eine Zulage von mehreren 100 Euro pro Monat.

    Die Rai-Redakteure beziehen 14 Monatsgehälter.

    Außerdem beziehen die Journalisten alljährlich zu Weihnachten eine Produktionsprämie. Diese liegt bei rund 2.000 Euro pro Kopf.

    Im Vergleich dazu sind die MitarbeiterInnen in der Programmabteilung arm wie Kirchenmäuse. Die derzeitigen Bereichsleiterinnen, Renate Gamper und Brigitte Margesin, verdienen nur halb so viel als die leitenden MitarbeiterInnen in der Redaktion. Gamper und Margesin dürften um die 2.300 Euro netto im Monat beziehen.

    Oktavia Brugger

    Oktavia Brugger

    Rai-Koordinator Markus Perwanger verdient 4.500 Euro netto im Monat. Rai-Direktor Vittorio Longati verdient rund 5.000 Euro netto im Monat.

    Der frühere Rai-Koordinator Franz von Walther, der im Rang eines „Vicedirettore di Testata“ gestanden hat, verdiente viel mehr – auf heutige Verhältnisse umgelegt über 6.000 Euro.

    Eine Parallele zur Landespolitik: Die Pensionen der „Alten“ sind sehr hoch. Es gibt zahlreiche Ex-Redakteure des Senders Bozen, die Netto-Pensionen von über 5.000 Euro im Monat beziehen.

    Die Zeiten, als einfache Rai-Redakteure mehr verdienten als Mitglieder der Landesregierung sind also vorbei. Und es hat sich der politische Wille der Harmonisierung der Gehälter durchgesetzt. Nach Informationen von  TAGESZEITUNG Online sollen die MitarbeiterInnen in der Programmabteilung bessergestellt werden – dies sieht zumindest die neue Konvention zwischen Rai und Land vor. So sollen die fixen MitarbeiterInnen in der Programmabteilung alljährlich ein Una Tantum in der Höhe von zwei Montagsgehältern brutto bekommen.

    Ein großes Privileg genießen die Bediensteten von Rai Südtirol nach wie vor: Sie können praktisch gratis zu Mittag essen. Entweder einen Tagesteller in zwei konventionierten Bars oder ein Zwei-Gänge-Menü im Restaurant, wobei zwei Gastlokale zur Auswahl stehen.

    „Das ist Luxus pur“, sagt ein Nutznießer.

    Und einer anderer Redakteur ergänzt: „Man muss es offen und ehrlich sagen: Die Mama Rai schaut schon auf uns.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (8)

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    • prof

      Bei einem Nettogehalt von 2300 Euro arm wie die Kirchenmäuse??
      Was sind dann Angestellte die z.B. nur 1500 Euro verdienen?? Höchstwarscheinlich „Hungerleider“.

    • tiroler

      Dafür gibt es Pleiten, Pech und Pannen beim RAI Bozen. Falsch eingespielte Kommentare, Tonausfälle, falsche Kameraeinstellungen usw.
      Von dem katastrophalen Musikprogramm beim Hörfunk ganz zu schweigen.
      Dafür gibt es Gratisurlaub für die 2 Rai-Lehrlinge in Rio.
      Bezahlt wird alles von unseren RAI Gebühren. Etwas mehr Professionalität wäre nicht zuviel verlangt.
      ZZ läuft ständig die Berichterstattung aus dem Erdbebengebiet. Warum um Gottes Willen müssen Journalisten einer Provinzanstalt wie die van den Driesch sofort vor Ort sein um Geschichten zu erzählen?
      Und dafür fürstlich entlohnt werden? Solche Wichtigmacher stehen den Helfern nur im Weg und müssen außerdem auch beherbergt und verköstigt werden. Man erfährt genug von den großen Medienanstalten.
      Das ist ein Hohn für die ganzen freiwlligen(auch Südtiroler) Helfer vor Ort, die alle unentgeltlich helfen und dafür sogar ihren Urlaub beanspruchen!

    • prof

      Daß die Berichterstattung aus den Erdbeben-Gebiet Live gesendet wird finde ich sicherlich gut,daß es öfters Pannen gibt,finde ich auch nicht so schlimm,aber die Gehälter samt Privilegien auch die der untersten Stufe befinden sich absolut im oberen!! Bereich.

    • meintag

      Was mich an der RAI stört ist wie sie mit mit der Weitergabe von alten Beiträge festhält. Habe vor Jahren mehrere Anfragen gestellt ob ich eine Kopie eines von der RAI mitfinanzierten Beitrages bekommen könnte. Auf die erwähnten Anfragen müsste erst der richtige Angestellte gefunden werden welcher sich dafür zuständig füllen würde. Dann müsste erst das Archiv gefunden werden wo mein erwähnter Teil abgelegt wurde. Könnte in Mailand sein aber auch Anders wo. Nach Wochen des hin her wurde es mir doch zu bund weil dieser Staatsapparatt anscheinend nur nach Innen und für sich selbst funktioniert. Ich wollte ja nichts gratis bekommen sondern nur mir nur einen Bericht ansehen bei welchem ich vor fast vierzig Jahren als Junge gefilmt wurde.

    • morgenstern

      Als Steuerzahler erlaube ich mir dieser Einrichtung meine persönliche Benotung zu geben: 00 (Doppelnull)

    • franz

      Wenn die etwas einseitige Berichterstattung zu wünschen übrig lässt, dann liegt das nicht einmal an Journalisten.
      Schon eher, dass die von Renzi kontrollierte Rai nicht unabhängig ist.
      Dafür dürfen die Bürger die TVC Steuer bezahlen und so gesehen erwartet sich der Bürger mit Recht auf einer unabhängigen Berichterstattung, umsonst.
      Wer gegen die Partei ( PD- von Renzi ) berichtet bzw. Sendungen die zu Renzi kritisch sind werden abgesetzt. Besispiel “ Rai 3“ eine durchaus allerseits beliebte Rai 3 Direktorin Bianca Berlinguer wurde abgesetzt ebenso die Sendung Ballaro„von Gianni Floris ( unter anderem mit Crozza ) Wohl zu regierungskritisch.
      http://www.ilfattoquotidiano.it/2016/08/09/rai-dopo-la-fornaro-via-anche-luca-mercalli-trattavamo-argomenti-scomodi-per-il-governo-renzi/2964871/
      Die Gehälter vom Chefredakteur finde ich nicht einmal so schlimm.
      Die Wirklichen Schweinereien finden weiter oben statt.
      http://www.ilfattoquotidiano.it/premium/articoli/ecco-i-ricchi-stipendi-dellera-renziana-in-rai/

    • marting.

      für das was RAI Bozen leistet sind 1000 Netto schon zuviel!

    • wanderer

      Ich bin ein fleißiger Rai Südtirol Radiohörer und bin mit den meisten Sendungen sehr zufrieden, einige begeistern mich. Z.B. das Mittagsmagazin, Ansichtssache, Alpin, Radio Wohnzimmer, Zeitgeschichte, Treffpunkt usw. sind meistens sehr informativ und interessant.
      Auf jeden Fall besser als die seichte Berieselung mit Allerweltsmusik der meisten „Privaten“.
      Die Gehälter scheinen mir besonders im Vergleich zu vielen Schreibtischschläfern in der Landesverwaltung mit weit höheren Löhnen, moderat.
      .

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