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    Moro-Abend in St. Ulrich

    Foto Francesca Witzmann (von links): Florian Kronbichler, Abgeordneter und Sekretär der Moro-Kommission, Giuseppe Fioroni (Präsident), Gero Grassi (Mitglied der Kommission), Tobia Moroder, Bürgermeister von St. Ulrich

    Foto Francesca Witzmann (von links): Florian Kronbichler, Abgeordneter und Sekretär der Moro-Kommission, Giuseppe Fioroni (Präsident), Gero Grassi (Mitglied der Kommission), Tobia Moroder, Bürgermeister von St. Ulrich

    Im Kulturhaus von St. Ulrich wurde kontrovers über die Ermordung von Ex-Ministerpräsident Aldo Moro debattiert.

    Was für Italien sollte verhindert werden durch die Ermordung seines großen Politikers Aldo Moro? Und wer kann ein Interesse daran haben, dass das Verbrechen auch nach 38 Jahren immer noch nicht aufgeklärt ist? Es war eine wahre Lectio magistralis über das dunkelste und umstrittenste Kapitel in der Geschichte der Republik Italiens, vorgetragen von zwei Meistern des Faches.

    Die Bühne: der große Saal im Kulturhaus von St. Ulrich in Gröden; die Darsteller: die beiden PD-Abgeordneten Giuseppe Fioroni und Gero Grassi, der eine Präsident des parlamentarischen Untersuchungsausschusses über die Entführung und Ermordung von Aldo Moro, der andere so etwas wie der Großinquisitor dieses Ausschusses.

    Der Kammerabgeordnete Florian Kronbichler, Mitglied des U-Ausschusses, fasst den Abend zusammen:

    Beide, Fioroni und Grassi, haben über die Arbeiten des Untersuchungsausschusses berichtet, aber nicht nur. Sie erzählen aus 50 Jahren Geschichte verdrängter „Wahrheiten“, von der famosen „strategia della tensione“, von polizeilichen Ablenkungen, vereitelten Verhaftungen, von den Verbindungen zwischen Rotbrigatisten, Baader-Meinhof-Bande, der kalabresischen Ndrangheta, der Geheimloge P2 und den allseits infiltrierten Geheimdiensten.

    Gero Grassi, der die Aufklärung des „Mordfalls Moro“ zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat und auf Einladung des Ausschuss-Sekretärs Florian Kronbichler bereits vergangenen Winter einmal in Bozen aufgetreten ist, hat in St. Ulrich abermals das Verhältnis zwischen Terrorismus und Staatsräson ausgeleuchtet. Grassi gilt als „der“ Moro-Experte. Sein einschlägiges Internet-Archiv umfasst über zwei Millionen Seiten und ist bereits Mythos.

    In St. Ulrich schlug Grassi einen Bogen von dem mysteriösen Flugzeug-Absturz des Energie-Strategen und Eni-Chefs Enrico Mattei im Jahr 1962 bis zur Entführung und Ermordung von Aldo Moro im Jahr 1978. Dabei streifte er auch den Südtirol-Terrorismus der späten 60er, Anfang 70er Jahre und der dubiosen Rolle der Carabinieri darin. Auf dieses Detail dürfte noch zurückzukommen sein.

    Nach den Verlautbarungen von Ausschuss-Präsident Fioroni dürfte auch dieser mittlerweile dritte Moro-Untersuchungsausschuss zu keiner sicheren „Wahrheit“ finden. Für sicher kündigte Fioroni jedoch Untersuchungsergebnisse an, die „beweisen, dass manches, was bisher für wahr ausgegeben worden ist, nicht wahr sein kann“.

    Der PD-Politiker sprach in seinem Vortrag ausführlich darüber, was den Politiker Aldo Moro so „gefährlich“ und „gefährdet“ erscheinen ließ und was bestimmten Mächten daran nicht gefallen konnte. Er deutete, wie Amerika und noch mehr die Sowjetunion das Projekt des „historischen Kompromisses zwischen der DC Moros und der KPI von Enrico Berlinguer zu torpedieren bemüht waren. Es sollte kein „unabhängiges Italien“ geben.

    Die Vorträge von Giuseppe Fioroni und Aldo Moro wurden vom Grödner Publikum, Einheimischen wie Touristen, mit großem Applaus quittiert.

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