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„… es beginnt das Sterben“

Florian Kronbichler

Florian Kronbichler

Der SEL-Parlamentarier Florian Kronbichler richtet im Vorfeld der Protestkundgebung am Donnerstagabend eine Solidaritätsadresse an die Sterzinger.

Er selbst kann nicht kommen. Aber er wäre gern dabei gewesen.

Der SEL-Parlamentarier Florian Kronbichler richtet im Vorfeld der Protestkundgebung am Donnerstagabend eine Solidaritätsadresse an die Sterzinger.

Kronbichler schreibt:

„Heute wäre ich lieber in Sterzing als in Rom. Wir behandeln in der Kammer den Gesetzesentwurf zur staatsweiten Einführung eines Lebensminimums (was wir in Südtirol schon haben), und meine Fraktion und ich engagieren uns dafür ganz besonders.

Ich kann somit nicht in Sterzing an der Kundgebung für den Erhalt der dortigen Geburtenabteilung teilnehmen. Das tut mir leid, und ich schäme mich auch ein bisschen dafür. Doch wir wählen hier, und ich halte Wählen für meine erste Amtspflicht.

Drum, liebe WipptalerInnen, entschuldigt bitte mein Fehlen heut Abend!

Dass ich für euch bin, das muss ich doch nicht wiederholen. Ich habe mich für den Erhalt der kleinen Krankenhäuser engagiert und engagiere mich weiterhin, wann, wie und wo immer mir das als kleiner und dazu noch oppositioneller Parlamentarier möglich ist. Ich bin für sie, so wie sie sind und wie die Menschen ihres Einzugsgebiets sie haben wollen. Die Spitäler sind die Herzkammern ihrer Gebiete. Mit ihnen leben und sterben die Gebiete um sie herum.

Geburtenabteilungen sind nicht irgendwelche Abteilungen. Wenn in Sterzing – und, Achtung! dann in Schlanders – nicht mehr geboren werden kann, dann werden das Wipptal und der Vinschgau nicht mehr bleiben, was sie sind. Wo nicht mehr geboren wird, beginnt das Sterben.

Was die Landesregierung hier entschlossen ist zu kappen, ist der Lebensnerv des (bisher erfolgreichen) Modells Südtirol. Südtirols Besonderheit und Reichtum waren die unvergleichlich gleichwertige Entwicklung von Zentrum und Peripherie. Nirgendwo anders sind die Bauern so viel auf ihren Höfen geblieben, die Seitentäler so entwickelt worden, das Leben „auf dem Land“ so wertig gemacht worden. Das widersprach der herrschenden Lehre von Fortschritt und kostete Geld. Wir können sagen, das Ergebnis war es wert. Es waren „soldi spesi bene“.

Mit seiner Gesundheitspolitik zeigt das Land neuerdings, dass es vom Südtiroler Sonderweg abgeht und gewillt ist, auf die zivilisatorische Normalität einzuschwenken. Auf Markt statt Pflege, Sparen statt Fördern, Stadt statt Land, Eintopf statt Vielfalt, Zentrale statt Peripherie, Organigramm statt Menschlichkeit, Fertilitätsmanagement statt Auf-die-Welt-Kommen.

Südtirol hat für so viel Unmögliches eine Sonder-, heißt autonome Lösung erstritten. An der Frage Erhalt der peripheren Geburtenabteilungen übt das Land kolossalen Autonomieverzicht.

Die Landesregierung scheint entschlossen, Südtirol zu normal-administrieren. Die Schließung der peripheren Geburtenabteilungen sind ein Meilenstein auf dem Weg von Südtirol zu einer Provinz Bozen. Gestern wurde Innichen geräumt, heute ist Sterzing dran, und morgen … Ich spreche es nicht aus.

Demonstriert bitte erst einmal für die Unterschutzstellung von Sterzing. Alles Gute!“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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