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    König Gottlieb

    taschler neuIm April beginnt der Doping-Prozess gegen Gottlieb Taschler. Wenige Wochen später muss die Bewerbung für die Biathlon-WM 2021 stehen – mit Taschler an der Spitze des OK. Ob das gutgeht?

    von Silke Hinterwaldner

    In zwei Tagen wird die italienische Biathlon-Nationalmannschaft im Antholzertal ihr Trainingslager aufstellen. Begleitet werden die Sportler von Alberto Piccin, das ist einer jener Männer, die beim Wintersportverband Fisi an vorderster Front stehen und wohl etwas besorgt der Bewerbung für die WM 2021 entgegensehen.

    Der Hintergrund ist schnell erklärt:

    Der Antholzer Biathlon-Mann Gottlieb Taschler tritt als Präsident des Organisationskomitees auf, das sich für die WM bewerben will. Er ist aber gleichzeitig in ein Dopingverfahren verwickelt, das noch nicht abgeschlossen ist und gerade deshalb ein schlechtes Licht auf den Bewerber Italien wirft. Genauer gesagt: Das Hauptverfahren gegen Taschler soll am 20. April vor dem Landesgericht beginnen, schon wenige Wochen später muss die Kandidatur für die WM stehen. Kostenpunkt: rund 35.000 Euro. Im Herbst wird der Austragungsort für die Weltmeisterschaft 2021 bekanntgegeben. Man hofft zwar, dass das Verfahren bis dahin zugunsten von Gottlieb Taschler abgeschlossen werden kann. Aber es bestehen Zweifel.

    Kann die Fisi in so einem Moment mit einem OK-Präsidenten Taschler ins Rennen gehen? Kann man das Bewerbungsverfahren auf internationaler Ebene für sich entscheiden, solange nicht klar ist, ob sich der Doping-Verdacht gegen Taschler bestätigt?

    „Ach“, sagt Hermann Ambach, Präsident des Südtiroler Wintersportverbandes Fisi, „ich sehe darin überhaupt kein Problem. Noch ist niemand schuldig gesprochen worden.“ Für den Verband, erklärt er, stehe der Sport im Vordergrund und nicht Gerichtsverfahren, die noch nicht abgeschlossen sind. Abwarten und Tee trinken, so seine Devise.

    Gottlieb Taschler selbst war  für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

    Während man auf offizieller Seite den Abschluss des Doping-Verfahrens abwartet, sucht man andernorts nach einfachen Lösungen. Aber bisher sind alle Versuche fehlgeschlagen. So sollte etwa Bürgermeister Thomas Schuster zwischenzeitlich die Präsidentschaft des Bewerbungs-Komitees übernehmen. Aber ein Gutachten hat ergeben, dass der Bürgermeister nicht gleichzeitig OK-Chef sein darf. So bleibt Gottlieb Taschler an der Spitze des Komitees – und der Stichtag rückt immer näher.

    Die Bewerbung für eine Weltmeisterschaft ist eine komplizierte und delikate Angelegenheit. Bereits fünf Mal wurde eine Biathlon-WM im Antholzertal ausgetragen. Antholz hat Erfahrung mit derlei Großveranstaltungen und wird allseits als vorbildlicher Veranstaltungsort gelobt. Aber lässt man sich jetzt eine WM durch die Lappen gehen?

    Die Konkurrenz schläft nicht und wird alles daran setzen, um Italien als Bewerber, der ohnehin nicht mit großem Budget ausgestattet ist, auszustechen.

    Bei den jährlichen Weltcupveranstaltungen in Antholz ist das anders. Der Austragungsort hat sich bewährt – und offiziell wird ein Weltcup nicht an das Komitee von Gottlieb Taschler vergeben, sondern an den Sportverein Antholzertal mit seinem Präsidenten Lorenz Leitgeb.

     

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