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    „Potenzial Europas erkennen“

    (v. l.) Die Präsidenten Schretter, Pan und Bonazzi

    (v. l.) Die Präsidenten Schretter, Pan und Bonazzi

    Am Mittwoch haben sich in Bozen die Präsidenten der Industriellenvereinigungen der Euregio getroffen – und dabei eine gemeinsame Stellungnahme zur möglichen Schließung der Brennergrenze und die Auswirkungen auf die Zukunft Europas unterzeichnet.

    Die drei Präsidenten der Industriellenvereinigungen der Euregio – Giulio Bonazzi (Confindustria Trento), Stefan Pan (Unternehmerverband Südtirol) und Reinhard Schretter (IV Tirol) – kamen am Mittwoch in Bozen zusammen, um über die mögliche Schließung der Brennergrenze zu sprechen.

    Dabei haben sie folgende Stellungnahme unterzeichnet:

    „Europa steht für Frieden und Wohlstand. Vor diesem Hintergrund ist die Euregio ein Vorzeigemodell – die grenzübergreifende Zusammenarbeit ist beispielgebend.

    In der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino leben 1,8 Mio. Menschen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf erreicht einen Spitzenwert von 38.000 Euro und liegt weit über dem EU-Durchschnitt. Auch die Beschäftigungsrate zählt zu den höchsten Europas. Die internationale Vernetzung ist mit jährlichen Exporten im Wert von rund 18 Milliarden Euro und 18 Mio. touristischen Ankünften von zentraler Bedeutung.

    Die Wirtschaftskraft der Region garantiert ihren Bewohnern eine hohe Lebensqualität, zugleich ist sie Anziehungspunkt für Menschen aus anderen Ländern. Insbesondere Flüchtlinge, die gezwungen sind, ihr Land zu verlassen, suchen nach Ländern und Regionen, in denen Wohlstand und gute Beschäftigungsmöglichkeiten gegeben sind. Es handelt sich dabei naturgemäß um wirtschaftlich starke Gebiete, die industriell geprägt sind, wie Norditalien, Österreich, Deutschland oder die skandinavischen Länder.

    Die Interessensverbände der Industrie der Euregio – Industriellenvereinigung Tirol, Unternehmerverband Südtirol, Confindustria Trient – sind überzeugt davon, dass es eine gemeinsame europäische Lösung braucht, welche die Außengrenzen der EU stärkt, die Solidarität unter allen Mitgliedsländern fördert und durch Ursachenbekämpfung in Form von direkter Unterstützung der Krisenregionen die Flüchtlingsströme reduziert.

    Gleichermaßen sind wir davon überzeugt, dass es innerhalb der EU keine neuen Grenzen braucht. Dank nunmehr über 70 Jahre Frieden hat sich Europa zum weltweit fortschrittlichsten Lebensraum entwickelt und stellt weltweit die besten Sozialleistungen bereit. Diese Errungenschaften dürfen nicht aufgrund von Eigeninteressen einzelner Staaten aufgegeben werden. Die EU hat dazu beigetragen, den Wirtschaftsaustausch zwischen unseren Ländern zu stärken, uns zu einer offenen Gesellschaft werden zu lassen, den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt zu fördern, der unsere Lebensqualität nachhaltig verbessert.

    All dies war möglich, weil Europa unzerstörbar erscheinende Mauern niedergerissen hat – Europa braucht keine neuen Zäune!

    Europa gründet auf gemeinsamen Werten und Regeln. Diese anzuerkennen ist unabdingbare Voraussetzung des Integrationsprozesses der neuen Bürger. Die Euregio kann dabei als mehrsprachige Region und als Plattform des Zusammentreffens unterschiedlicher Kulturen in dieser Entwicklung Vorreiter sein.

    Wir brauchen ein neues Europa mit konkreten Lösungen. Es ist notwendig, menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen, Bildung und Sprachkenntnisse der Migranten zu verbessern, uns dem Potenzial der neuen Bürger zu öffnen, indem deren Kompetenzen genau erfasst und gestärkt werden. Dafür braucht es sozialen Einsatz, aber auch öffentliche Investitionen. Um die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, ist es unerlässlich, höhere Effizienz auf allen Ebenen anzustreben und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region weiter zu verbessern.

    Wir stehen vor einer globalen Herausforderung. Europa hat die Chance, jene Vorreiterrolle in der Welt zu übernehmen, die es in der Vergangenheit ausgezeichnet hat. Unsere Europaregion kann einen konkreten Beitrag leisten, um diesen europäischen Geist weiter zu stärken.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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