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    Die Münchner Maschine

    Die Münchner Maschine

    Marco und Dario Zenker, als Zenker Brothers eines der bekanntesten Brüderpaare des Techno, treten am Freitag, den 4. September in einer besonderen Location auf: Auf Schloss Prösels bei Völs.

    Von Thomas Vikoler

    Im Frühjahr, wenn es nicht mehr schneit und die Cabrio-Dächer automatisch aufklappen, wird München, so sagt man, zur nördlichsten Stadt Italiens. Latte Macchiato, Veneziano, Gardasee, die ganzen Italo-Klischees. Vielleicht hat Techno auch deshalb in München nie richtig Fuß gefasst. Der Sound of Munich war stets verspielter, internationaler und undeutscher als popkulturelle Klangerzeugnisse aus nördlicheren Gefilden der Bundesrepublik.

    Das beginnt in den 1970iger Jahren mit dem europäischen Import von Disco, den nicht zufällig ein Mann vollzieht, der von der Südseite der Alpen kommt: Der Grödner Giorgio Moroder, bis heute als Plattenproduzent aktiv. Später, ab den 1990iger Jahren, setzt man in München nicht wie überall auf Brachial- oder Minimal-Techno im Berliner Stil, sondern auf Eigenes: Stilsicheren Electro, der über DJ Hell´s International Gigolo Records die Diskotheken und Laufstege dieser Welt beschallt. Die „Munich Machine“ arbeitet weniger puristisch als hedonistisch. Das ist auch beim Gomma-Label so, eine weitere Entfaltung des Disco-Urgedankens in den Nullerjahren.

    Und dann, ab 2008, folgt Ilian Tape. Techno kommt definitiv in der bayrischen Metropole an, allerdings in einer neuen Ausprägung. Kein stumpfes Bumbumbum, keine vorsätzliche Schrägheit, kein aggressives Geprotze, sondern Gegründet wird das Label von einem jungen DJ und Produzenten mit italienischem Vornamen: Dario Zenker. Später stößt sein jüngerer Bruder Marco Zenker dazu.

    Am besten lässt sich der neue Sound of Munich im Techno-Gewand anhand von „Immersion“ beschreiben, der im Februar erschienen LP der Zenker Brothers, dem gemeinsamen Projekt von Dario und Mario. Hier bündeln sich die Stile in seltener Verdichtung, Raum-Musik im besten Sinne: Die Platte beginnt mit einem Ambient-Intro („Mintro“), geht über in Dub-Hallfelder („Aisel“) und steigert sich in Richtung Techno, Electro und House. Der deutsche Star-DJ Marcel Dettmann attestiert den Zenker Brothers, eine freie und unvoreingenommene Musik produziert und dabei eine der gängigsten Techno-Sünden vermieden zu haben. Nämlich: Sich ganz auf vorgefertigte Rhythmus- und Soundpatterns zu verlassen.

    Spätestens seit „Immersion“ sind die Zenker Brothers ein weltweit gefragter Act, der in St. Petersburg, Buenos Aires oder im Berliner Berghain auftritt.

    Und am Freitag, den 4. September im Vorhof von Schloss Prösels bei Völs. Das dortige Kuratorium organisiert allsommerlich Konzerte, vornehmlich von der gediegenen Sorte. Für die Zenker Brothers macht man eine Ausnahme, es ist der erste Elektronik-Act, der hinter den Schlossmauern auftritt. „Wir wollten einmal sehen, wie das funktioniert“, sagt Rainer Delago, Konzert-Organisator des Kuratoriums Schloss Prösels. Schließlich gehe es auch darum, das Schloss-Tor für jüngere Publikumsschichten zu öffnen.

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