Du befindest dich hier: Home » Chronik » Der eifrige Koch

    Der eifrige Koch

    Der eifrige Koch

    Der Bozner Rechnungshof verurteilt einen ehemaligen Koch des Bozner Krankenhauses, der im Krankenstand in Hotels kochte, zur Zahlung von 20.559 Euro. Mit beschränktem Imageschaden für den Sanitätsbetrieb.

    Von Thomas Vikoler

    Der Hinweis kam vom Arbeitgeber selbst, dem Sanitätsbetrieb Bozen. Es bestand der Verdacht, dass ein Koch der Küche des Bozner Krankenhauses unerlaubten Nebentätigkeiten nachging. Auch während des Krankenstandes.

    Die Aktion der Finanzwache war jedenfalls gut vorbereitet. Sie traf Manfred Gebhard im Mai 2012 in einem Hotel in Dorf Tirol an, als er gerade das Abendessen zubereitete. Der Koch wurde, der sich in der Spitals-Küche krankgemeldet hatte, wurde auf frischer Tat und unter dem Verdacht des erschwerten Betrugs verhaftet.

    Nach wenigen Tagen war der knapp 30-Jährige wieder auf freiem Fuß. Er hatte ein Teilgeständnis abgelegt und seinen Arbeitseifer (außerhalb der offiziellen Arbeit) mit finanziellen Schwierigkeiten begründet.

    Die hat Gebhard nun auch mit der Rechtssprechenden Sektion am Bozner Rechnungshof. Diese verurteilte ihn laut einem am Dienstag veröffentlichten Urteil zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 20.559 Euro plus Zinsen.

    Der Koch hatte nämlich im Jahre 2013 (Urteil Nr. 278) einen gerichtlichen Vergleich wegen Betrugs gegen die öffentliche Verwaltung über eine mehrmonatige Haftstrafe abgeschlossen. Weil Gebhard nicht vorbestraft war, wurde die Strafe auf Bewährung ausgesetzt.

    Bereits im Juni 2012 hatte der Sanitätsbetrieb das unbefristete Arbeitsverhältnis mit dem Koch gekündigt. Die Beweislage war zu eindeutig.

    Die Staatsanwaltschaft am Rechnungshof forderte in einer Verhandlung am 22. Jänner dieses Jahres von Gebhard Schadenersatz in der Höhe von 22.559,69 Euro: 15.081,57 Euro wegen unerlaubter Nebentätigkeiten zu seinem Hauptberuf in den Jahren 2009 bis 2012, 4.478,12 Euro für Nebentätigkeiten, die der Koch während des Krankenstandes ausgeübt hatte.

    Dazu: 3.000 Euro wegen des Imageschadens, das dem Sanitätsbetrieb durch das Bekanntwerden der Geschichte entstanden sei.

    Das erschien den Rechnungshofrichtern dann doch etwas zu hoch, sie taxierten den verursachten Imageschaden auf 1.000 Euro. Begründung: Der Koch habe eine „ausschließlich praktische Tätigkeit“ ausgeübt, wodurch das Image des Sanitätsbetriebs weniger geschädigt worden sei als etwa bei einer bürokratischen-verwaltungstechnischen Tätigkeit. Die Küche als Refugium.

    Den Rest der Forderungen der Staatsanwaltschaft erachtete die Rechtssprechende Sektion für angemessen. Der Schaden wurde folglich auf 20.559 Euro plus Zinsen ab 2012 festgelegt.

    Der entlassene Krankenhaus-Koch ersparte sich immerhin die Kosten für seine Verteidigung. Er verzichtete auf eine Einlassung in das Verfahren vor dem Rechnungshof.

    Clip to Evernote

    Kommentare (22)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • unglaublich

      Regeln sind einzuhalten, kein Thema. Dass die kleinen Fische aber stets die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen und die großen meist mit einem blauen Auge davon kommen, stört mich gewaltig.

    • Steuerzahler

      warum muss man so jemanden verhaften? es besteht doch keine fluchtgefahr und wiederholungsgefahr wohl auch nicht!??!

    • hausfrau

      @unglaublich: sehe ich genauso! ….und die TZ hält es noch für nötig den vollen Namen zu veröffentlichen – jeder Kinderschänder wird da diskreter behandelt! Immerhin hat der Mann für sein Einkommen „nur“ gearbeitet, nicht gestohlen oder Schlimmeres!

    • Klaus

      Darf man wissen wieviel Rainer, Stocker, Laimer & Co. für den Imageschaden für ganz Südtirol über die Landesgrenzen weit hinaus, bezahlen mussten. Denn das was die Herren aufgeführt haben ist schon ein starkes Stück….. Imageschaden ohne Grenzen für die Svp und für das ganze Land. Haben sie eine gerechte Strafe bekommen……….????? Beurteilen sie selbst….. Meine Meinung…. Absolut nicht……. Möchte den Satz, welcher am Gericht Bozen so hoch gepriesen ist anführen ‚ la legge e‘ uguale per tutti ….. Mehr gibst dazu nicht zu sagen, außer den Kopf zu schütteln.

    • Techno Guy

      Möchte nicht wissen wieviele Landesbeamte sich krank schreiben lassen und dann noch schwarz arbeiten!

    • komment

      @Klaus
      Du hast ganz ehrlich gesagt -DAS GESETZ IST NICHT FÜR ALLE GLEICH – Ja wenn das mit den Sozialstundenleistungen z.B. stimmt dann ist das auch noch lächerlich. Manche Leute die nur eine Kleinigkeit angestellt haben, die müssen ganz schön viel Stunden an Arbeit verrichten und das am Wochenende für ein Jahr, also unter der Woche trotzdem noch der üblichen Arbeit nachgehen . – Im Jahre 2008 hatte ich schon mal einem Staatsanwalt darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Waage an der Wand eigentlich entfernen müssten, aber sie ist auch noch immer dort oben.! Leute merkt euch NAMEN muss man haben, weil wenn der passt, dann passt SO VIEL ( sei es was auch immer ) . Es ist nur schade, dass man nicht mal mehr an der Gerechtigkeit Glauben schenken darf .

    • komment

      @Techno Gui
      Ich bin selbst Landesangestellte und zugegeben seit nach mitte Oktober in Krankenstand und ich schäme mich zwar, aber nicht viel . Alle nur möglichen Krankheiten haben mich befallen, aber weißt du was Schmerzen sind? Das Schlimmste ist wenn ich sitze und dann aufstehen will, aber nicht mehr gehen kann . Mein Gehalt ist logischerweise gekürzt worden, aber pro Woche habe ich einen Kostenaufwand von 160-170€(medizinische Versorgung ) . Ich weiß, dass es viele Schmarotzer im Land gibt, aber ich wäre so glücklich endlich wieder gesund sein zu können, aber da geht momentan nichts.

    • vinschgau

      den kleinen häng man, was ist mit den Politikern die Domänenabschüsse im Wert vom 200.000,00 € jährlich verschenkt haben werden die auch endlich zur Verantwortung gezogen ?????

    • tja

      und was muß der Arbeitgeber zahlen?
      es ist leider normal das mit Arbeitsvertrag von seitens der verschiedenen Arbeitsgebern getrickst wird:
      – kein Arbeitsvertrag vorab
      – nur als Vorlage ohne Unterschrift
      – zwar unterschrieben aber nicht angemeldet (Schwarzarbeit)
      – Versprechungen verschiedener Spesenvergütungen während der Arbeit (z.b. für Benzin für Botenfahrten)
      – als ungelernte Angestellte angemeldet und bezahlt aber als
      Doktoratin entlassen (weil Wissen und Erfahrung fehlt)…
      aber solange es genug Arbeitslose in den Bereich gibt, wird getrickst wo es nur geht

    • Anton

      Es ist schlichtweg bestürzend, wie die meisten der Kommentare den Koch, der nichts Schlechtes dabei fand, im Krankenstand schwarz was dazuzuverdienen, in Schutz nehmen und dies damit begründen, daß die Politiker, die sogenannten „Großen Fische“ viel mehr „stehlen“. Ja welches Rechtsempfinden herrscht hier vor?
      Ist es nicht vielmehr so, dass ein Bürger, der dieses Verhalten des Koches gutheißt, sich nicht wundern darf, wenn auch die Politiker sich alles zuschanzen, was sie ergattern können?
      Ob der Namen hätte veröffentlicht werden sollen steht auf einem anderen Blatt, aber ist es eigentlich allen bewußt, dass der Koch von den selben Steuerzahlern die sonst bei jeder Gelegenheit bemüht werden bezahlt wird und, auch wenn er krank ist, während dieser bezahlten Zeit noch einer weiteren, vermutlich am Steueramt vorbei bezahlten Tätigkeit nachgeht?

      • Mark P.

        Niemand hier hat die Tat des Koches gutgeheissen (bitte genauer lesen!!!). Es geht aber darum, daß der kleine Mann, der so schon jeden Cent zusammenhalten muß, hart bestraft wird diese Strafe nicht mehr im Verhältnis dazu steht, wie z.B. Politikern (die sich einen besseren Anwalt leisten können, sich leisten können Gerichtssitzungen auszusitzen) oder auf der andern Seite Schlägern und Dealern steht, welche mal kurz in U-Haft sind und am nächsten Tag wieder rauskönnen und mit ihrer Methode weitermachen.

    • komment

      @ ANTON
      Also ich wäre viel lieber endlich wieder halbwegs gesund um wieder meiner Arbeit nachgehen . Wie oder was könnte ich auch noch an Schwararbeit machen ?

    • komment

      Tut mir leid ich habe mehrere Schreibfehler jetzt erst gesehen, aber ich musste mich von den Tränen befreien

    • hausfrau

      @Anton
      Sie müssen nicht bestürzt sein, niemand hier hat das Vergehen des Kochs gutgeheißen oder gar verteidigt! Natürlich geht das so nicht! Wir sind lediglich unsererseits bestürzt über die Unangemessenheit der Maßnahmen (Verhaftung an Ort und Stelle, U-Haft, Höhe der Strafe, etc.) im Vergleich mit anderen Straftaten, die täglich in der Zeitung stehen! Das wirft beim Normalbürger schon Fragen auf….

    • hausfrau

      ….. und „Imageschaden“, dass ich nicht lache!!

    • dana

      Es wird mit unterschiedlichen Maßen gemessen.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Kontakt

    Nach oben scrollen