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„Entmündigung im Gang“

Beim zweiten Alpengipfel auf der Rodenecker Alm gab es viel Kritik von Seiten hochrangiger Bauernvertreter und Politiker.

Der 2. Alpengipfel fand im Rahmen der Europawanderung statt, die der Südtiroler Bauernbund seit vielen Jahren jeweils Anfang August organisiert und bei der sich Vertreter aus Politik und Landwirtschaft aus dem gesamten deutschen Sprachraum zum Austausch treffen.

Das heurige Motto und Thema der Podiumsdiskussion: „Nachhaltige Almwirtschaft und Freizeitgestaltung – kein Widerspruch!“

Daniel Gasser, Landesobmann-Stellvertreter des Südtiroler Bauernbundes, stellte klar, dass es auf den Almen Tourismus und Landwirtschaft gleichermaßen brauche: „Wenn sich alle an die Regeln halten, voreinander Respekt zeigen und auch alle etwas von der Almwirtschaft haben, dann steckt hier noch viel Potenzial“, betonte Gasser.

Deutliche Worte in Richtung EU fand Josef Geisler, Bauernbund-Landesobmann und Landeshauptmann-Stellvertreter in Tirol: „Es ist eine Entmündigung der Nationalstaaten und Regionen im Gang. Wir sind bald nicht mehr in der Lage, als ländliche Bevölkerung gegen die urbane Bevölkerung zu bestehen. Das ist ein Problem für die Landwirtschaft, aber auch für den Tourismus.“

Damit war auch schon die Brücke zur zweiten Diskussionsrunde geschlagen. Joachim Rukwied, der dem Deutschen Bauernverband als Präsident vorsteht, kritisierte die Haltung der EU-Kommission in Sachen Wolf: „Wir haben in Deutschland 4.000 Wölfe und 4.000 Risse pro Jahr. Das ist nicht mehr hinnehmbar, der Wolf ist längst nicht mehr gefährdet und gehört reguliert!“

Georg Strasser, Präsident des Österreichischen Bauernbundes, forderte die EU-Politik auf, wieder mehr auf die Stimme der Betroffenen zu hören: „Bezogen auf die Almwirtschaft heißt das, dass die EU-Politik sich entscheiden muss: Wollen wir auf den Almen Büsche und Wölfe oder wollen wir Kühe und Touristen?“

Nach diesen Forderungen der Bauernvertreter ergriffen die politisch Verantwortlichen das Wort. Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler verwies auf die Schwierigkeit, gegenüber der Regierung in Rom ein aktives Wolfsmanagement durchzusetzen: „Wir hoffen, dass wir mit unserem neuen Wolfsgesetz jetzt einen guten Schritt weiterkommen. Ziel wäre eine Regelung, wie wir sie etwa für die Kormorane schon haben – mit klaren Zielen für den Bestand und die Regulierung.“

Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger brachte zum Ausdruck, was er von der aktuellen EU-Politik hält: „Wir sehen eine dauernde Abwehrschlacht der Vernünftigen gegen die Ideologen. Wir müssen als Politik endlich aktiv zeigen, dass wir zur Landwirtschaft stehen, sonst verlieren wir die Akzeptanz der Bevölkerung!“ Auch brauche es eine EU-Politik, die nicht in jeden Kuhstall hineinregiert. Klar sprach sich Aiwanger gegen Flächenstilllegungen aus, die in Brüssel immer wieder diskutiert werden.

EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann schloss sich den Forderungen nach einem Umdenken auf EU-Ebene an: „Auch unsere Fraktion im EU-Parlament hat lange versucht, Kompromisse zu schließen. Diese Zeit ist jetzt vorbei, wir müssen wieder öfter deutlich sagen, was geht und was nicht geht. Beim Thema Wolf sehe ich ein langsames Umdenken, bei der Renaturierung haben wir einen Teilerfolg erzielt.“ Auch die Nachhaltigkeit und der Klimaschutz kamen zur Sprache.

Am Ende unterzeichneten Vertreter aller anwesenden Organisationen aus der Land-, Forst- und Almwirtschaft ein gemeinsames Positionspapier, das auf alle angesprochenen Themen eingeht.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (18)

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  • tiroler

    Dorfmann und Schuler reden viel aber sagen nichts. Aiwanger redet tacheles

  • perikles

    Wer zahlt, schafft eben auch an, liebe Bauern. Ihr bekommt so viele Förderungen von der EU bzw. der öffentlichen Hand wie kein anderer Berufsstand. Also nicht meckern, wenn die EU dann auch mitreden will.

    • cosifantutte

      @ Perikles, stimmt. Die wenigsten Bauern begreifen diese Zusammenhänge und sehen sich als Opfer, unterstützt durch die Politik. Pauschal wird die urbane Bevölkerung angegeklagt. Auch verstehen die wenigsten, dass die Zeiten, in dem sie mit ihrem Grundbesitz tun und lassen konnte was sie wollte, vorbei sind, da jede Aktivität, inklusive das Bauen, weitere Kreise zieht, und sowohl die urbane als auch die nahe Landbevölkerung trifft. Dies umso, mehr je grösser der Druck auf die Umwelt steigt. Beispiel: ein Bauer der x Großvieheinheiten hat und entsprechend Gülle in der Gegend versprüht, belastet Wasserkörper und damit das Trinkwasser von tausenden. Genauso mit den Pestiziden. Es ist darum unvermeidbar dass er sich Regeln unterwerfen muss (laut ihm „in den Stall hineinregiert wird“) , da ansonsten die Wasserbelastung nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, mit enormen Mehrkosten für die Aufbereitung. Sonst drohen eben Flächenstilllegungen. Die Wasserrahmenrichtlinie gibt ja vor, dass für die Kosten zur Gewässerreinhaltung nach dem Verursacherprinzip aufzukommen ist.

      • ultnerbaer

        @cosifantutte da gebe ich dir Recht aber dann soll der Endkonsument auch bereit sein, mehr für Lebensmittel zu bezahlen. Denn wenn ich weniger Pestizide und Düngemittel einsetzen darf bzw. weniger Vieh halten darf, dann sinkt mein Ertrag pro Hektar bzw. die Milchleistung pro Betrieb. Und damit der Gesamtertrag (Menge x Preis) gleich bleibt und wir nachhaltig (das heisst auch in Zunkunft noch) die Bauern leben lassen, muss der Preis steigen. Also: wer Umweltschutz fordert muss auch bereit sein, die Mehrkosten zu tragen und darf dann bitte nicht über steigende Preise jammern.

        • frechdachs

          Lieber Ultnerbaer, was der Konsument zu zahlen bereit ist, entscheidet nicht die Politik oder wer auch immer mit Ihrem Hinweis gemeint sein könnte.
          Und wenn der Ertrag des landwirtschaftlichen Betriebs samt Förderungen hinten und vorn nicht reicht, dann macht der Bauer was falsch (leicht möglich, dass er von den Lobbies entsprechend beraten wird, es täte ihm aber gut, sich von „Experten“ und Verbandsfunktionären freizudenken.

  • opa1950

    Dorfmann und Schuler. Hoffe nur das die Bauern langsam aufwachen.Den außer leere Versprechungen bringen diese beiden Herren gar nichts.

  • andreas

    Aiwanger, die bayrische Antwort auf Salvini und Grillo, sollte mal mit seinem Kumpel Söder wenigstens die Planung der BBT Strecken in Auftrag geben.
    Diese Bierzeltpolitiker, welche aus Wahlkampfgründen weder ein Windrad, noch eine Stromtrasse durchsetzen, sind aber wenigstens amüsanter und selbstbewußter als dieser Schuler oder noch mehr Dorfmann, bei welchem egal ist, was er sagt, interessiert eh keinen.

    Den Vogel hat Schuler bei der Kennzeichnung der Lebensmittel in der Gastronomie abgeschossen.
    Man muss schon lange suchen, um eine noch dümmere Regelung wie die ausgehandelte zu finden.

    Beim Thema Wolf sollten die betroffenen Gebiete einfach handeln und es auf eine Konfrontation mit Staat und EU ankommen lassen oder sich halt nicht erwischen lassen.
    Es ist keinem Bauer zuzumuten, dass er wegen ein paar Politikern seine halbe Schafherde verliert und tatenlos zuschauen muss.
    Das Leben eines Wolfes steht nicht über dem eines Schafes und da ein Wolf sich nicht auf ein Schaf beschränkt, um es zu fressen, sondern nur so viele wie möglich töten will, würde ich im Sinne der Vorfahren handeln.

    • gorgo

      Im Sinne der Vorfahren wäre auf die Viecher endlich besser aufzupassen. Da sind noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Selbst wenn der Wolfsbestand halbiert würde, wird weiterhin ab und zu eine halbe Herde fehlen. Wo liegt der Reiz sich hinterher auf die Lauer zu legen?
      Teppet.

      • sellwoll

        Lieber jammern, als was tun. Bei unseren Bauern habe ich wenig Hoffnung.

        • brutus

          @sellwoll
          …hast du die Wärmepumpe schon eingebaut, Photovoltaik am Dach, E- Auto gekauft?

          • heracleummantegazziani

            Da haben Sie aber eifrig geblättert im Handbuch „Sinnlose Slogans für geistige Nichtschwimmer“

          • kongo

            Heracleum, ich glaube du blätterst dauernd im Handbuch herum, bist einer der wenigen geistigen Nichtschwimmer in diesem Forum.Wer immer glaubt alles besser zu wissen, weiß bis zuletzt eigentlich garnichts.

          • heracleummantegazziani

            @kongo – Sinnerfassendes Lesen ist ganz offenbar nicht Ihre Stärke. Aber Sie haben sowieso keine kulturellen Kompetenzen, daher ist das auch kein Wunder.
            Versuchen Sie den Kommentar einfach nochmal ganz langsam zu lesen, vielleicht auch mit Unterstützung eines Kindergärtlers. Der kann Ihnen sicher helfen.
            Und vorallem vergessen Sie nicht das Profil zu wechseln, wenn Sie antworten. So fällt es einfach auf, dass Sie zwei haben.

          • kongo

            Lieber Heracleum, sinnerfassend kann ich sagen, sie liegen in allen 3 Punkten falsch.Was die kulturellen Kompetenzen anbelangt, würde ich ihnen noch einiges belehren.Der Satz lesen sie den Kommentar nochmal langsam durch ist wircklich ein alter Kindergartenspruch wenn mann nicht mehr weiterweiss.Was den letzten Absatz betrifft, kann ich nur sagen, ich habe es nicht nötig meinen eigenen Kommentar mit anderen Namen schönzureden wie ihr.Übrigens schätze ich sogar einige Kommentare von dir, aber eben nicht alle.

  • robby

    Vorschlag: alle EU Hilfen für Bauern so lange aussetzen bis sie wieder brav sind und nicht mehr aufpampern.

    • ultnerbaer

      …und die Lebensmittelpreise auf ein Niveau setzen, damit die Bauern ohne Beihilfen überleben können und auch Steuern bezahlen. Das wäre Gerechtigkeit für alle und Transparenz.

  • cosifantutte

    Wenn ich mir so den Gewässergütebericht des Landes ansehe, so sieht es mit den Zuständen nicht gut aus, zumindest nicht für ein Land, das mit Hochglanzbildern der Natur für den Tourismus wirbt.

    Verursacher scheint die Landwirtschaft und die Tourismushochburgen mit den fluktuierenden Einwohnerzahlen zu sein. Der Zustand in den Obstanbaugebieten ist miserabel. Das Grundwasser wird dabei noch nicht einmal unter die Lupe genommen.
    Warum werden die Rodung neuer Flächen subventioniert und für den intensiven Obstanbau freigegeben?

    Im Bericht steht auch dass eine Güteverbesserung zu hohe finanzielle Anforderungen stellt. Was für eine Aussage für ein Gebiet, das zu den reichsten in Europa gehört.

    Den Bericht kann man sich hier downloaden: https://ambiente.provincia.bz.it/downloads/04_Delibera-Beschluss_147_08.03.2022.pdf

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