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Cascade vor dem Aus

Das Hallenbad Cascade in Sand in Taufers wird mit Ende des Jahres schließen – sollte nicht durch ein Wunder irgendwoher sehr viel Geld fließen. 

von Silke Hinterwaldner 

Die Entwicklung war vorhersehbar – ganz besonders mit Blick auf die Explosion der Energiekosten in den vergangenen zwölf Monaten. Die Nachricht kommt aber trotzdem wie ein Schlag in die Magengrube: Das Hallenbad Cascade wird mit Ende des Jahres seine Tore schließen. Wenn nicht noch ein Wunder passiert. 

Aber der Reihe nach: Mit der Teuerung von Gas, Strom und Wärme sind sehr viele Sportanlagen, die Hallenbäder ganz besonders, in die Situation geraten, Dienste kürzen zu müssen, um Kosten einsparen zu können: Manche beschneiden die Öffnungszeiten, andere heben die Eintrittspreise an oder sperren die Duschen zu, wieder andere sparen beim Personal, setzen auf Photovoltaikanlagen oder öffnen nur einen Teil der Anlage und senken die Wassertemperatur. Es gibt zahlreiche Maßnahmen, die man ergreifen kann, um Energie und damit Kosten zu sparen. Aber den meisten ist heute schon klar: Das wird nicht reichen. Es braucht finanzielle Unterstützung, um den Betrieb in den Hallenbädern aufrecht erhalten zu können. 

Ganz große Hoffnungen setzte man in den vergangenen Monaten deshalb auf die Gespräche mit der Landesregierung: Nicht nur die Cascade in Sand in Taufers, sondern auch die benachbarten Bäder hofften auf eine saftige Finanzspritze. Aber auf Nachfrage von Maria Elisabeth Rieder im Landtag, lieferte Landeshauptmann Arno Kompatscher eine ernüchternde Antwort: 

„Die Zuständigkeit für die Führung öffentlich zugänglicher Hallenbäder liegt grundsätzlich bei den Gemeinden, welche diese Zuständigkeit unterschiedlich ausgestalten können. Es haben daher Sitzungen mit den Hallenbadbetreibern und den Gemeinden stattgefunden, bei denen eventuelle Maßnahmen, um den gestiegenen Energiekosten entgegenzuwirken diskutiert wurden. Die Steigerungen für Energiekosten ist ein generelles Problem und betrifft nicht nur Gemeinden, in denen es Hallenbäder gibt, auch wenn die Steigerung in diesen Gemeinden besonders spürbar ist. Bei diesen Besprechungen wurden alle derzeit bestehenden Möglichkeiten der Deckung der gestiegenen Energiekosten ausführlich besprochen, v.a. die Ausschöpfung der zur Verfügung stehenden staatlichen Finanzmittel im Bereich Energie. Nur wenn diese Finanzmittel, welche derzeit aufgestockt werden, nicht ausreichen sollten, wird über eventuelle weitere Ausgleichszahlungen des Landes entschieden. Für die Zukunft wurde auch in den Raum gestellt, dass – vorbehaltlich der entsprechenden Verfügbarkeit der Finanzmittel im Landeshaushalt – die laufenden Zuweisungen im Jahr 2023 an die Gemeinden insgesamt erhöht werden könnten, wobei bei der Aufteilung der Finanzmittel unter den Gemeinden, jene besonders berücksichtigt werden könnten, in denen sich Hallenbäder befinden. Dies entspricht der Ausrichtung der Landesregierung, wonach die Autonomie der Gemeinden in höchstem Maße gewährleistet werden soll und die Finanzierung einzelner Ausgaben nicht punktuell, sondern insgesamt durch die Zurverfügungstellung geeigneter Finanzmittel für alle laufenden Ausgaben gewährleistet werden soll.“

Das klingt nach einem Korb, hilft der Gemeinde Sand in Taufers in der derzeit prekären Situation gewiss nicht bei der Weiterführung der Cascade. Denn die Entscheidung zur Zukunft des Gesundheitsbades wird jetzt schnell fallen müssen. 

Vor einer Woche hatte die Gesellschafterversammlung der Sportcenter AG stattgefunden, dabei wurde die – sehr negative – Zwischenbilanz vom August besprochen. Die Gemeinde hat im laufenden Haushalt einen Zuschuss von 400.000 Euro vorgesehen, aber das reicht bei weitem nicht. Bis Ende des Jahres rechnet man mit einem Verlust über 1,1 Millionen Euro. „Die Gemeinde wird gezwungen sein, das fehlende Geld aufzubringen“, sagt Bürgermeister Josef Nöckler. Aber er sagt auch: Unter diesen Voraussetzungen und ohne Hilfe von außen kann man nicht weitermachen. Zwei Jahre lang hat es Verhandlungen mit Nachbargemeinden, Unternehmern und Tourismusvereinen gegeben, aber ohne konkretes Ergebnis. „Wir haben keine Chance“, so Nöckler, „ich spüre den Druck vom Rechnungshof und möchte nicht untätig zusehen. Ich werde auf jeden Fall den eingeschlagenen Weg weitergehen.“ Liquiditätsprobleme der Gemeindeverwaltung konnten grundsätzlich behoben werden, aber die Cascade und die steigenden Energiekosten sprengen das Budget. 

Derzeit sind Schwimmbad und Sauna in der Cascade montags und dienstags zu. Man hat die Wassertemperatur gesenkt und an allen Ecken und Enden Sparmaßnahmen erdacht. Aber das reicht nicht, man spart vielleicht 100.000 Euro. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Vergleich zeigt: Hat die Cascade im Jahr 2019 noch 300.000 Euro für Energie ausgegeben, so hat sich dieser Betrag mittlerweile mehr als verdoppelt. Bereits in den Jahren vor der Energiekrise schien es unmöglich, die Cascade vernünftig zu führen, ohne den Gemeindehaushalt über die Maßen zu belasten. Dieses Problem hat sich jetzt verschärft. 

Unglaublich: In den vergangenen zwölf Jahren wurden 36,3 Millionen Euro für die Cascade ausgegeben. „Das kann sich keine Gemeinde leisten“, sagt der Bürgermeister. In diesen Betrag eingerechnet sind der Bau, Verlustabdeckungen, Bauschäden, Anwaltsspesen und eines mehr. 

Der Führungsauftrag verfällt mit Ende Dezember. Dieser wird wohl nicht mehr erneuert werden. Dann gilt es nur noch die Schließung abzuwickeln, Arbeitsverträge werden aufgelöst, die Gesellschaft wird liquidiert. 

Die Struktur kann dann ausgeschrieben werden. Die Frage ist nur, ob sich an einer solchen Ausschreibung tatsächlich beispielsweise interessierte Tourismusvereine beteiligen. Die Gemeinde Sand in Taufers würde aber auch in diesem Fall 400.000 Euro an Beitrag gewähren. 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (10)

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  • leser

    Vielleicht kauft dieses Anlage der pinzger für 1 Euro und rettet die Gemeinde
    Engel erkennt man nicht sofort

  • pingoballino1955

    Und wer hat diesen Wahnsinn zu verantworten? Wiedereinmal niemand.Danke Svp.

  • andreas

    Thermen oder Cascade sind Strukturen, welche primär dem Tourismus dienen und deshalb die Fehlbeträge, welche schon beim Bau klar waren, dass sich solche Anlagen niemals wirtschaftlich betreiben lassen, von den Tourismustreibenden finanziert werden sollten.
    Betriebe ohne Wellnes, was heutzutage nötig ist, werben mit diesen Strukturen bei ihren Gästen.

    Dass Leute aus z.B. Bozen die Luxusstrukturen für Touristen in jedem Kuhdorf und die Gewinne der dortigen Tourismustreibenden mitfinanzieren sollen, ist eigentlich eine Frechheit.

    Die Förderungspolitik sollte auf ein Minimum reduziert werden und Kosten sollten grundsätzlich die Profiteure der Struktur tragen.
    Jede Wette, dass der Tierser Lift auch ohne die über 10 Millionen Förderung gebaut worden wäre, da das Gebiet die zusätzlichen Besucher braucht, um wirtschaftlicher zu werden.

    • keinpolitiker

      @andreas

      zu allererst möchte ich dich bitten, Sand in Taufers als Kuhdorf zu bezeichnen.
      Dann sagst du mir bitte, wie die Tourismustreibenden ohne Wellness diese 100te von Millionen tragen sollen, denn hätten diese dieses Geld, würden sie selber Wellnessanlagen bauen.

      Und dann sollen die Einheimischen für so ein großkotziges Projekt noch zusätzlich blechen, obwohl sie schon dehr hohe Eintrittspreise verlangen?

      Und zudem noch eine Sache, als dieses Projekt vorgestellt und gebaut wurde, hat ein Landstreicher großkotzig verkündet, dass sich dieses Projekt von alleine zahlt und es die Nachbargemeinden nicht braucht für die Finanzierung (im Wortlaut: wir bauen unser eigenes Hallenbad, wir brauchen die Ahrntaler nicht) und jetzt soll Ahrntal, Mühlwald und Prettau auf einmal mitzahlen und denen wird schon fast die Schuld zugewiesen, wenn ihr nicht zahlt, müssen wir schließen. Das ist eine Frechheit hoch 10.

      Deshalb stehe ich hinter der Entscheidung von Herrn Nöckler, dieses Bad ist nicht finanzierbar, deshalb muß es schließen, denn diese Million welche es jetzt braucht, braucht es 2023 wieder und 2024 wieder……

      • leser

        Keinpolitiker
        Grundsätzlich gehört den touristikern kein Cent finanziert
        Und innerbichler hat das sanierungsprojekt ganz vorsätzlich abgewürgt
        Somit hat er der Gemeindesprich Kuhdorf Sand und taufers ein millionenloch serviert und immer kräftig unterstützt von dem vorzeigesenator Berger Horns
        Se haben ja auch noch ein blockheitzkraftwerkprojekt mit ach so nachhaltigem palmenöl gemeinsam aus dem Boden gestampft, und wollten den Ökostrom selber vermarkten und die Abwärme mit einem kräftigen Ölpreis an die Gemeinde des kuhdorfes verrechnen
        Aber in der Zwischenzeit ist die Kaskade zusammengefallen, das palmenöl existiert nicht mehr ( naja das braucht nun Ferrero für seine Nutella) der Berger hons ist Hotelier weiterspielen gegangen tja und der mehrmalig mit umqeltpreisen und nachhaltigkeitsorden ausgezeichnete innerbicher berät nun Firmen in Wirtschaftsfragen
        Tatsache ist dass für die millionenschweren Löcher welche diese Herren geschossen haben keineinzige für ihre vergehen mit nur einem Cent belangt wurde und das jemals wird
        Und das alles unter der edelweissplakette der partei

  • perikles

    @keinpolitiker wie kommst du dazu, den Andreas zu bitten, Sand in Taufers als Kuhdorf zu bezeichnen? Wo man doch hört, dass du selbst der Bürgermeister dieses „Kuhdorfes“ bist?

  • romy1988

    Es wird kein Wunder geben, denn niemand ist am Kauf eines Hallenbades interessiert, das sich wirtschaftlich selber nicht tragen kann.

    @andreas: Auch das Pustertal sowie andere Täler Südtirols haben die Therme Meran inklusive dem Hotel mit ihren Steuergeldern mitfinanziert. Das Hotel wurde mit Verlust verkauft, die Therme Jahr für Jahr vom Land finanziell unterstützt – wiederum mit unseren Steuergeldern. Auch das ist in den Augen vieler eine Frechheit hoch 10…nur so nebenbei bemerkt.

    • leser

      Romy1988
      Das thermenhotel mit Schwimmbad und sonstigem ist ein weiteres Kapitel bzw. Paradebeuspiel wie man den Steuerzahler mit etwa 80 Millionen erleichtert hat und den ebner mindesten 40 Millionen in der aktivsaeite zugeschanzt hat
      Auch da gab es nur ordentlich und keine an einzigen zur Rechenschaft gezogen obwohl man die Namen kennt
      Auch da hält der Aufkleber Edelweiß dicht

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