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„Das ist eine Katastrophe“

Foto: Stefan Borkert

Nachdem nun auch noch zwei Rinder auf der Rossalm dem Wolf zum Opfer gefallen sind, blasen die Bürgermeister des oberen Pustertales gemeinsam zum Protest.

von Silke Hinterwaldner

Bereits seit Mai sorgen die Wölfe im Pustertal für Schlagzeilen. Sie haben in den vergangenen Monaten im Pustertal, vor allem in Lappach, Prags, Welsberg, Pfunders und Mühlwald – aber auch in Enneberg – Dutzende von Schafen gerissen.

Viele Züchter haben sich mittlerweile dazu entschieden, die Tiere wieder ins Tal zu bringen, damit sie in den Ställen geschützt vor den Wölfen sind. Aber der Hunger der Wölfe ist längst nicht gestillt. In den vergangenen Tagen wurden auf der Rossalm bei Prags zwei Rinder gerissen.

Dass die Wölfe auch vor Großvieh nicht mehr zurückschrecken, lässt nicht nur bei den Bauern im Pustertal die Alarmglocken schrillen. Jetzt wollen auch die Bürgermeister im oberen Pustertal gemeinsam bei der Politik in Bozen intervenieren, um eine Lösung zu finden. Günther Wisthaler, Bürgermeister von Niederdorf, erklärt die Hintergründe.

Günther Wisthaler (Foto: FB)

TAGESZEITUNG: Herr Bürgermeister, was haben Sie vor?

Günther Wisthaler: Nach den beiden Rissen von Rindern auf der Rossalm habe ich mich mit den Bürgermeistern des oberen Pustertales in Verbindung gesetzt. Wir möchten gemeinsam etwas unternehmen: So kann es nicht weitergehen! Die Bauern treiben die Tiere wieder ab. Es wäre katastrophal, wenn es so weit kommen würde. Natürlich ist uns klar, dass wir als Gemeindevertreter relativ wenig Spielräume in dieser Angelegenheit haben. Aber wir müssen einen Aufschrei versuchen. Es muss dann auf jeden Fall auf höherer Ebene etwas unternommen werden.

Die Politik befasst sich schon lange mit dem Thema. Welche Auswege sehen Sie?

Die Situation ist so: Wir müssen die Entnahme nach dem Vorbild von Osttirol vornehmen. Das heißt: Problemwölfe sind zu entfernen. Die derzeitige Vermehrung der Wölfe können wir nicht tatenlos hinnehmen. Freilich weiß ich, dass wir uns in dieser Angelegenheit einem Gesetz beugen müssten. Aber mittlerweile hat sich eine Situation ergeben, die nicht mehr zu tolerieren ist. Wir müssen Druck aufbauen, um einen wesentlichen Schritt weiterzukommen. Man muss sich vor Augen halten: Einige Schafe sind bereits abgetrieben worden. Sobald die Schafe weg sind, greifen die Wölfe die Kälber an. Der Wolf macht vor nichts und niemandem Halt. Wenn wir auch in Zukunft mit den schönen Almwiesen und den schönen Hütten Werbung machen wollen, muss jetzt etwas getan werden. Es dürfte wohl allen klar sein, dass dies eine negative Entwicklung für das gesamte Land bedeuten würde.

Wie viele Wölfe sind derzeit unterwegs?

Diesbezüglich habe ich leider keine Informationen. Man geht davon aus, dass es mehrere sind, die sich über das gesamte Territorium verteilen. Wie gesagt: Dieses Problem muss gemeinsam mit dem Bauernbund, der Forstbehörde, der Landesregierung und allen zuständigen Stellen diskutiert und gelöst werden. Wir brauchen eine klare Strategie, die nächsten Schritte müssen genau geplant werden, ansonsten werden wir der Lage nicht mehr Herr werden.

Was genau haben die Bürgermeister des oberen Pustertales vor?

Ich habe die Bürgermeister kontaktiert, alle haben sich einverstanden gezeigt, gemeinsam etwas unternehmen zu wollen. Es gibt aber noch keinen konkreten Plan. Das soll sich in den kommenden Tagen ergeben. Offen gesagt: Die Schafe gehen elend zugrunde, sie sterben langsam und qualvoll nach einem Angriff durch den Wolf. Wenn wir über Tierwohl sprechen, muss dies auch in dieser Hinsicht eine Berechtigung haben.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (22)

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  • andreas

    Wölfe und Bären sind Raubtiere, welche sich in dicht besiedelten Gebieten nicht unter Kontrolle halten lassen und deshalb ausgerottet wurden.
    Diese in jetzt noch dichter besiedelten Gebieten anzusiedeln zu wollen, widerspricht jeder Logik.

    Wozu muss man den Nutztierhaltern auf den Bergen das Leben, ohne Notwendigkeit, noch zusätzlich erschweren?

    Diese Sozialromantiker, welche für die Ansiedlung sind, fordern für andere eine Belastung, damit sie sich als „die Guten“ präsentieren können, eigentlich reiner Egoismus und mangelndes Verständnis für andere.

    .

  • heracleummantegazziani

    Da ist wohl das klassische Do-ut-des-Spiel zwischen dem Pustertal und der Verlagsanstalt im Gange.

  • heinz

    Wölfe wurden nicht angesiedelt, sie haben ohne jedes menschlichen Zutun einen Lebensraum in den Alpen gefunden, wo sie im übrigen schon immer Bestand der Tierwelt waren und auch einen wichtigen Teil im Ökosystem einnehmen.
    Bei uns finden sie durch die vielen unbeaufsichtigten Weidetiere einen reichlich gedeckten Tisch vor.
    Um Nutztierrisse zu verhindern, sollten auch bei uns endlich Herdenschutzmaßnahmen ergriffen werden, wie sie unsere Nachbarn im Osten und im Süden seit Jahrhunderten erfolgreich praktizieren.

    • andreas

      Welchen wichtigen Teil im Ökosystem erfüllen sie?

      In welchen Ländern mit ähnlicher Besiedlungsdichte und Nutztierhaltung gibt es seit Jahrhunderten Wölfe?

      Wie hoch ist der finanzielle Aufwand um Südtirols Almen mit Hirten, Zäunen oder Hunden zu sichern und wer soll es bezahlen?

  • andreas1234567

    Hallo nach Südtirol,

    ursprünglich versprochen war „sind Aufräumer in Waldgebieten, kümmern sich um kranke Tiere und sind kulturscheu“

    Den Märchenerzählern gehen langsam wirklich die Argumente aus, die Hurenviecher gehen an alles was fressbar erscheint und werden sich bald auch in Bergdörfern und Weilern herumtreiben und Mülltonnen durchsuchen.
    Vor Pfelders interessieren sie sich schon regelmässig für einen Speckbauernhof und seine Mülltonnen., es gibt mehr wie ein Video.
    Die sind ja nicht blöd und suchen sich die einfachste Nahrungsquelle, und im Winter wird das eben nicht das Stöbern im Tiefschnee sein sondern die werden fein ins Tal folgen.

    Und wenn sie sogar an Rindviecher und Pferde gehen dann steht irgendwann mal die Katastrophe ins Haus.
    Hat man sich schon Entschädigungszahlen für Kinder überlegt? Der lächerliche Kilopreis ab Schlachthof für Schaf und Ziege wird wohl dann als Berechnungsgrundlage nicht taugen.

    Auf Wiedersehen in Südtirol

  • zeit

    wenn nur die bürgermeister zum protest blasen,werden die wölfe nicht viel mitbekommen.
    ich würdedie jäger an´s werk schicken

  • george

    In den meisten dieser Kommentare wird nur Klamauk geschrieben. Konkretes Wissen über die wahren Zustände und Verhaltensweisen dieser Tiere haben wohl die Wenigsten und deshalb phantasieren sie einfach drauf los. Brauchbar für konkrete Lösungsansätze ist dieses BlaBla nicht, sondern eher hinderlich.

  • dn

    Bin gespannt, was die BM bewirken, wahrscheinlich gleich viel wie SBB und Schuler. Die Amtsschimmel in Rom und Brüssel sind viel zu grün um klar zu denken.

  • tirolersepp

    Wie wär’s wenn die Wölfe mal die Schoßhündchen zerfleischen würden und die Kadaver am helllichten Tag durch die Nobelmeilen unserer Städte verteilen würden. Überall Blut Gestank von faulen Fleisch, Stücke von Herz und Eingeweiden !

    Upps nein das geht aber zuweit !!

  • logo

    Gesetze werden geschrieben und angewandt …
    Diese sind allerdings nicht in Stein gemeißelt… oder?
    Man könnte Gesetze ja auch ändern oder bessere Gesetzte erlassen.

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