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„Ernüchternde Zahlen“

LR Massimo Bessone brüstet sich gerne damit, Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit zu sein. Doch in seiner Amtszeit wurden bislang erst drei Landeshäuser und zwei Schutzhütten mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet.

von Matthias Kofler

Die Landesregierung hat das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt ihrer Politik gestellt. „Mutige Entscheidungen sind notwendig und gemeinsam zu tragen, um Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt möglichst in Einklang zu bringen, der Klimakrise zu begegnen, ihre Folgen zu bewältigen und die Herausforderungen möglichst in Chancen umzuwandeln“, heißt es im Positionspapier der Landesregierung.

Der für die Bereiche Vermögen und Hochbau zuständige Landesrat Massimo Bessone brüstet sich gerne damit, Vorreiter in Sachen nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz zu sein. „Wir haben mit unseren Landesabteilungen konkrete Projekte zur Senkung der CO2-Emissionen entwickelt, um die Lebensqualität für die nachfolgenden Generationen zu verbessern“, erklärt der Lega-Politiker. So lege man Wert darauf, nachhaltig zu bauen und möglichst viel recycelte oder wieder verwendbare Baustoffe mit geringen Umweltauswirkungen zu verwenden. Bei der Aufstockung von Gebäuden sei Holz ein nachhaltiger und sicherer Baustoff.

Ein weiterer Schwerpunkt ist laut Bessone die energetische Sanierung von bestehenden Gebäuden. Dabei setze man vor allem auf Photovoltaik-Anlagen, die umweltfreundlichen, grünen Strom erzeugen. Bessone unterstreicht: „Schon vor dem dramatischen Anstieg der Energiekosten haben wir begonnen, die Gebäude des Landes – wenn möglich – mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten, um sie mit alternativer und nachhaltiger Energie zu versorgen. Bei jedem Gebäude, das wir bauen oder energetisch sanieren, installieren wir Sonnenkollektoren, sofern die technischen Bedingungen dies zulassen, und ergreifen Maßnahmen, die es uns ermöglichen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und unnötige Energieverschwendung zu vermeiden.“

Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Andreas Leiter Reber stellt Bessones Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit in Frage. „Wir müssen uns, wenn schon, bei seinen Vorgängern Christian Tommasini und Florian Mussner bedanken, aber nicht bei Bessone“, meint der Blaue und verweist auf eine entsprechende Landtagsanfrage: Aus dieser geht nämlich hervor, dass in der vierjährigen Amtszeit des Lega-Politikers lediglich fünf Landesimmobilien mit Photovoltaikanlagen ausgestattet wurden. Zwei davon sind Schutzhütten: das Becherhaus und die Stettinerhütte. Zum Vergleich: Unter Bessones Vorgängern Tommasini und Mussner waren auf über 50 Gebäuden in Landesbesitz Photovoltaik-Anlagen installiert worden. Das Landesamt für Bauerhaltung ist derzeit für 598 Liegenschaften zuständig: Darunter sind ganze Gebäude, aber auch einzelne Wohnungen oder Räumlichkeiten. Sehr viele Schulen und Studentenheime, aber auch Bürogebäude, Museen und Schutzhütten gehören zu den Immobilien in Landesbesitz.

„Angesichts der 598 Liegenschaften, die dem Land gehören, sind die fünf unter Landesrat Bessone errichteten Photovoltaik-Anlagen in den letzten vier Jahren eine mehr als ernüchternde Zahl“, bemängelt Leiter Reber und fügt mit ironischem Unterton hinzu. „Wenn die Landesregierung in diesem Tempo weitermacht, dann wird es noch über 100 Jahre dauern, bis das Land Südtirol seine Gebäude mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet hat. Nachdem sich die Landesregierung ihre Info-Tour zur Nachhaltigkeit mit acht Bürgerversammlungen 150.000 Euro kosten hat lassen und im Herbst für drei Tage ganze 2,4 Millionen Euro für ihr Nachhaltigkeitsevent ,Sustainability Days Südtirol-Alto‘ ausgeben will, muss jeder vernunftbegabte Südtiroler erkennen, dass bei unserer Landesregierung weniger Worte und viel weniger Show, dafür mehr Taten angebracht wären.“

Der Freiheitliche will nun konkret in Erfahrung bringen, was das Land mit den knapp 2,5 Millionen Euro, die Kompatscher und Co. für Events und Vorträge „raushauen“ würden, für die Nachhaltigkeit und Umwelt erreichen und umsetzen wolle. „Wie viele PV-Anlagen hätte die Landesregierung mit diesen 2,5 Millionen Euro auf unseren öffentlichen Gebäuden errichten können und wie viel Strom und Steuergeld hätte sie damit gespart? In Zeiten, wo sich viele Südtiroler kaum noch die Stromrechnungen bezahlen können, wären diese 2,5 Millionen Euro besser und nachhaltiger investiert gewesen, wenn sie in Form von PV-Förderkrediten oder Zuschüssen direkt an die Bürger geflossen wären“, sagt Leiter Reber und rechnet vor: „Für 2,5 Millionen hätten über 200 Familien mit rund 12.000 Euro für den Bau einer Photovoltaikanlage unterstützt werden können.“

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Kommentare (3)

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  • schwarzesschaf

    Es sind bald neuwahlen und man muss ja schon jetzt zeigen was man tat also von 100 versprechungen 1 gehalten wow

  • criticus

    „Schon vor dem dramatischen Anstieg der Energiekosten haben wir begonnen, die Gebäude des Landes …….“
    Herr Bessone, besser wäre gewesen, die Lega hätte sich gegen höhere Strompreise gewehrt. Auf jeden Fall werden sich die italienischen Wähler bei ihrer Partei bedanken. Ihr habt der SVP geholfen die „Südtiroler Oligarchen“ zu unterstützen, da helfen ein paar Photovoltaikplatten auch nichts mehr um nächstes Jahr Wahlen zu gewinnen. In diesen 4 Legislatur-Jahren wurden Reiche reicher und Arme ärmer gemacht.

  • na12

    Nachhaltig rückständiges Südtirol.

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