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Eingesperrt im Zug

Foto: lpa

Eingesperrt in einem übervollen Zug der Linie Bozen-Meran am Bahnhof Sigmundskron. Der Bericht eines Pendlers aus Lana über Verspätungen und Ausnahmezustände in hiesigen Zügen. 

von Thomas Vikoler

Öffentlicher Verkehr statt privater PKW. Das ist die Losung, welche die Politik, speziell seit dem Beginn der weltweiten Energiekrise, ausgibt.

Was ist aber, wenn der öffentliche Verkehr nicht funktioniert, wenn die umweltfreundliche Alternative zur Nervenangelegenheit speziell für Pendler wird?

In Südtirol gibt es einen vergleichsweise gut organisierten und mit viel Steuergeld bezuschussten öffentlichen Personentransport. Der freilich auch seine Schwächen hat, wie sich im aktuellen Busfahrermangel und ausfallenden Fahrten bei der SASA zeigt. Im Zugverkehr gehören Verspätungen zur Tagesordnung, auf welche speziell Pendler sensibel reagieren.

Ein Zugfahrterlebnis, wie er es am späten Dienstagnachmittag auf der Bahnlinie Bozen-Meran erlebt hat, wünscht der Pendler aus Lana, der sich an die Tageszeitung gewandt hat, aber niemand. Ein für ihn und viele Mitfahrende ein mehr als unliebsames Erlebnis, das ihm an seinem Pendler-Dasein zweifeln lässt.

Was ist passiert?

Zunächst kam es – und das ist eines der strukturellen Probleme an der Geschichte – zu zwei Zugausfällen am Bahnhof Bozen. Der Zug nach Meran, der normalerweise um 17.35 Uhr vom Gleis 1A abfährt, war ausgefallen. Die Fahrgäste wurden aufgefordert, sich auf Gleis 4 zu begeben, um den vom Brenner kommenden Zug nach Meran abzuwarten.

Auch dieser kam nicht zur angekündigten Zeit, gemeldet wurde zunächst eine Verspätung von 15.00 Minuten. Schließlich fuhr um 18.30 Uhr vom Bozner Bahnhof ein Zug nach Meran ab.

„Er war mehr als übervoll, praktisch die Fahrgäste von drei Zügen, die um diese Zeit stets gut belegt sind“, berichtet der Pendler aus Lana. Er war immerhin froh, in einen Zug zu steigen, der ihn, wenn auch mit Verspätung, nach Hause bringen sollte.

Doch es kam anders: Am Bahnhof von Sigmundskron bleibt der Zug von Trenitalia auf der Höhe des Bahnübergangs ins Überetsch einfach stehen, rund eine halbe Stunde lang. Es gab einen Stromausfall, angeblich wegen eines durchgerösteten Stromverteilerkastens, der bereits früher Probleme gemacht hatte und notdürftig repariert wurde.

Ein Totalausfall.

„Das Licht im Zug ist ausgegangen, die Klimaanlage ist ausgefallen, die Türen blieben eine Viertelstunde lang zu“, berichtet der Pendler aus Meran. „Jeder hat nach Luft geschnappt, kaum jemand etwas gesagt, es war eine gespenstische Stimmung im Zug. Niemand wusste, wie es weitergeht.“

Nach einer Viertelstunde seien die Türen des stehenden Zuges aufgegangen, einige der Fahrgäste ausgestiegen. Doch die meisten blieben im Zug, da sie ja weiterfahren mussten.

Die Weiterfahrt erfolgte nach rund einer halben Stunde, um 19.20 Uhr erreichte der Pendler sein Fahrtziel Lana.

Es war eine Fahrt, die er nicht so schnell vergessen wird. Mit Gesichtsmaske großer in einem völlig überfüllten Zug zu verbringen, ist eine Erfahrung, die man zunächst eher in Indien als in Südtirol verorten würde.

Seit vielen Jahren kündigt die Politik den Ausbau der Bahnlinie Bozen-Meran auf zwei Spuren an. Nun gibt es Anzeichen, dass das Projekt tatsächlich realisiert werden soll.

Der Pendler aus Lana hat da wenig Hoffnung: „Vor 20 Jahren wird wohl nichts daraus werden“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • sigmundkripp

    Ja, so etwas ist eine echte Kacke. Man sieht daran, dass der Zug immer noch nicht als Verkehrsmittel ernst genommen wird. Wenn wir seit 20 Jahren von einer Potenzierung der Strecke nach Meran reden und nichts kommt, und nicht einmal die Streckenführung wird garantiert, obwohl die Züge tagaus-tagein dieselben Fahrten machen, dann ist klar: Hier wird nicht investiert bzw. „heimgeholt“. Jedes Dorf bekommt seine 200-Mio-Umfahrung, aber hier, wo Menschen sich umweltfreundlich verhalten und die Straßen entlasten, wird immer noch zu wenig getan! Ich finde, unsere Landtagsabgeordneten sollen verpflichtet werden, je einen Monat nur mit Öffis zu ihren Terminen zu fahren. Damit sie in irgendeiner Art und Weise eine leise Ahnung davon bekommen, was sich abseits der Straßen abspielt!

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