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Abgeschafftes Alterslimit

Der nationale Schiedsrichterverband hat sich dazu entschieden, die Altersgrenze für Fußballschiedsrichter abzuschaffen. Kann das gutgehen?

von Markus Rufin

Seit Jahren hat der Südtiroler Amateur-Fußball mit einem Schiedsrichtermangel zu kämpfen. In kaum eine andere Region gibt es so wenige Unparteiische wie hierzulande. Ganz prinzipiell gibt es einen Schiedsrichter-Rückgang, in Südtirol fällt dieser aber nochmal deutlicher aus.

Pro Jahr lassen sich nur eine Handvoll junger Leute ausbilden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Schiedsrichter sind prinzipiell nicht hoch angesehen, vor allem auf den Südtiroler Fußballplätzen kommt es häufig zu Beleidigungen. Die Schiedsrichter müssen zudem häufig weite reisen auf sich nehmen. Zwar erhalten sie für ihre Tätigkeit etwas Geld, recht viel mehr als eine Fahrtkostenrückerstattung ist das allerdings nicht.

Sowohl der Schiedsrichterverband als auch der lokale Fußballverband haben alles Mögliche versucht, um neue junge Leute dazuzugewinnen. Bisher allerdings ohne Erfolg. Besonders dramatisch ist das deshalb, weil es für Schiedsrichter eine Altersgrenze gibt. Spätestens mit 50 Jahren mussten sie sozusagen in Rente gehen – ganz egal ob ihre körperliche Verfassung es erlaubt hätte, dass sie weiterpfeifen oder nicht.

Das hatte zur Folge, dass die wenigen jungen Leute, die nachkamen, die vielen „Pensionisten“ ersetzen mussten. Immer weniger Schiedsrichter mussten immer mehr Partien leiten.

Letzthin hat das dazu geführt, dass in der Landesliga keine Linienrichter mehr zum Einsatz kommen sollten und in den Amateurligen Spiele verschoben werden mussten. Doch nun hat der nationale Schiedsrichterverband eine Regeländerung eingeführt, die alles ändert.

Künftig gibt es nämlich keine Altersgrenze für Schiedsrichter mehr. Das heißt, auch wenn ein Schiedsrichter 70 oder Jahre alt ist, dürfte er noch pfeifen – solange er den Fitnesstest besteht.

Der Präsident des lokalen Schiedsrichterverbandes, Flavio Braghini, begrüßt diese Entscheidung: „Wir freuen uns darüber, weil damit der Mangel nicht mehr so akut wird. Diejenigen, die in den letzten Jahren aufgehört haben, können jetzt eben zurückkehren, das sorgt für eine Entspannung.“

Noch stehen entscheidende Gespräche an, um die Pensionierten Schiedsrichter wieder von Einsätzen zu überzeugen, doch Braghini ist sich sicher, dass einige zurückkehren werden.

Nicht nur beim lokalen Schiedsrichterverband, auch beim Landesfußballverband ist die Freude groß, auch wenn Präsident Klaus Schuster darüber nicht Bescheid wusste: „Ich habe davon zwar nichts gehört, aber es ist eine sehr gute Nachricht. Ich habe noch nie verstanden, warum ein Über-50-jähriger nicht pfeifen soll, solange er auch fit ist.“ Schuster hatte bereits in Vergangenheit die Abschaffung des Alterslimits gefordert. Mit einem Augenzwinkern bezeichnet Schuster die Aufhebung des Limits als „radikal“, eine einfache Anhebung hätte es nämlich auch getan.

Allgemein ist er aber sehr erfreut darüber, auch Schuster glaubt, dass die neue Regelung dazu führen könnte, den Schiedsrichtermangel zumindest einzugrenzen: „Ob diese Maßnahme alleine ausreicht, wissen wir natürlich nicht. Ich kann keine Garantie dafür geben, dass es nicht doch zu Engpässen kommt und Spiele verschoben werden müssen, wir haben nämlich nach wie vor zu wenig Schiedsrichter.“

Schuster werde nächste Woche ausführlich mit dem Schiedsrichterverband darüber sprechen, betont aber, dass die Abschaffung des Alterslimits sicher eine Hilfe sein wird.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (4)

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  • prof

    Sicher gut wenn das Alterslimit erhöht wird,zudem muss der Verband die Vergütung der Schiedsrichter erhöhen. Soweit mir bekannt ist müssen Vereine welche sich für eine Meisterschaft einschreiben zu den Einschreibegebühren auch für die Schiedsrichter-Spesen aufkommen.

  • noando

    ich kenne keine sportart, wobei schiedsrichter so respektlos behandelt werden können wie im fußball.

    angefangen bei den profis, welche sich bei jeder gelegenheit als fair-play-symbole ablichten lassen und von respekt schwafeln. sobald das spiel beginnt ist dann alles vergessen. übertriebene schauspielerei, permanente reklamationen und unsportliches auf-zeit-spielen gehört mittlerweile einfach dazu.

    und auch bei den amateuren glaubt jeder hobbyspieler er müsse den schiedsrichter beeinflussen, oder glaubt zu wissen, dass einer selbst die fehler des schiedsrichters nie machen würde, und deshalb die aufregung gerechtfertigt sei.

    solange die spieler sich nicht ändern, wird es mit dem schiedsrichtermangel auch nicht besser. dazu müssen auch die profis als vorbilder sich ändern. in diesem zusammenhang fände ich die blaue karte als eine möglichkeit: übertriebene reklamationen und zeitspiel werden mit 5 Minuten Zeitstrafe geahndet.

    ich war selbst fußballer und habe mich auch manchmal respektlos verhalten. das ändert sich, wenn man selbst als schiedsrichter bei einem freundschaftsspiel aushilft, oder bei kleinfeldturniere ein spiel übernimmt.

    das dienstalter mit einem open-end zu versehen, reicht mit sicherheit nicht als lösung.

  • eiersock

    Schiedsrichter ordentlich zohln 150-200€/Spiel ! Sunst isch bun Fuaßboll a überall Geld ummer! wos do für Summen zirkulieren bu insere Amateur Monnschoftn isch gewalltig! Do kriagn Ex Profis und Amateur 4-5 stellige Summen fürs Fussboll spieln! Und einige Amateur muanen sie sein Profis! Dor Transfermarkt blüht in Südtirol!

  • prof

    @eiersock
    Konn dir lei Recht geben!

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