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Die Liebe

Fanny Ardant und Melvil Poupaud

Carine Tardieu ist eine französische Regisseurin, Jahrgang 1973, die in der deutschsprachigen Welt wenig bekannt ist. Derzeit ist ihr „Les Jeunes Amants“ im Kino.

von Renate Mumelter

Anstatt mich auf den „Elvis“ von Baz Luhrmann zu schmeissen, der jetzt überlang in allen Kinos zu sehen ist und hinlänglich Bekanntes erzählt, habe ich beschlossen, mich diesmal auf die Liebe einzulassen.

Zugegeben, Fanny Ardant und Cécile de France sind zwei Ausnahmeschauspielerinnen, mit denen nicht alles schief gehen kann, sie waren eine gute Motivation für diesen Kinobesuch.

Die heute 73-Jährige Ardant ist eine der ganz Großen des französischen Kinos. Entdeckt hatte sie François Truffaut. Sie arbeitete auch mit Resnais, Antonioni, Schlöndorff undundund. Für Carine Tardieu spielt sie diesmal die Hauptrolle der Shauna, einer 70-jährigen Architektin in Rente.

Cécile de France aus Belgien ist inzwischen auch eine Große im französischen Kino.

Carine Tardieu brachte die beiden zusammen und das in ganz unterschiedlichen Rollen, die sich so unähnlich gar nicht sind.

Das Bindeglied zwischen den beiden ist Pierre (Melville Poupaud), ein 45jähriger Arzt, der vor Jahren Shaunas todkranke Freundin betreut hatte.

Soviel zur Geschichte des Films, in dem es – wie bereits der Titel andeutet – um die Liebe geht. Sie beruht übrigens auf einer Idee von Solveigh Anspach, die 2015 verstarb. Ihr ist der Film gewidmet.

Carine Tardieu

wurde mit diesem Film zum Filmfestival in Rom eingeladen, jetzt ist er in den italienischen Kinos zu sehen, im deutschen Sprachraum wurde er noch nicht wahrgenommen. Nicht einmal Wikipedia weiß etwas über Tardieu. Sie ist Jahrgang 1973 und erzählt, dass sie als Jugendliche jedes Wochenende mit ihrem Vater ins Kino ging. Daraus entwickelten sich ihre Leidenschaft fürs Kino und ihr Beruf. Sie macht übrigens nicht nur Filme sondern schreibt auch Jugendbücher.

Das hat mit „Les Jeunes Amants“ aber nichts zu tun. Im Film geht es um das Gefühl Liebe, darum, wie es imposant entsteht und es geht um die Endlichkeit.

Die Liebe, das Leben

Shauna und der wesentlich jüngere Pierre treffen zufällig aufeinander. Als sie sich 15 Jahre später wieder begegnen, ist die Faszination immer noch da. Daraus ergibt sich eine Liebe, die nicht wahrgenommen werden will. Pierre hat Familie, Shauna ist schon lange allein zufrieden. Der umgekehrte Altersunterschied gibt auch zu denken, und doch gibt es da etwas, was sein will. Wie sich die Story entwickelt, zeigt am besten das (kühle) Kino selbst. Der Film lässt Zeit zur Reflexion und zu Beobachtung von Menschen, von Dingen und von sich selbst.

Tardieu arbeitet sehr präzise und zurückhaltend, die Bildsprache ist weder hektisch noch opulent sondern gewählt und auf den Punkt. Der Erzählung gelingt es, Erwartungshaltungen nicht zu erfüllen.

Musik-Filmtipp im Gehen

Bis zum Mittwoch sind im Filmclub anlässlich des Jazzfestivals und als Nachspiel dazu Matthias Schriefl und Johannes Bär auf der Leinwand unterwegs. „Auf Tour z’Fuaß“ von Walter Steffen ist ein Dokumentarfilm, der die 2 Musiker und ihre 55kg Instrumente in 2 Rucksäcken im Corona-Sommer 2020 auf ihrem 200 km langen Fußweg über mehrere tausend Höhenmeter begleitet und ihnen beim Musizieren zuhört und zuschaut. Die Musikstile sind dabei so vielfältig wie die Landschaften, die durchwandert werden.

 

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