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Unsichere Rückkehr 

Foto: Stadtpolizei Bozen

Mit seinem Sturz als Bürgermeister von Kastelruth endet für Andreas Colli auch der 17-jährige Wartestand als Angestellter der Bozner Stadtpolizei. Das könnte zu weiteren Green-Pass-Problemen führen. 

von Thomas Vikoler

Vor einer Woche wurde Andreas Colli im Rahmen einer beispiellosen politischen Aktion aus dem Amt gejagt: Alle 17 Kastelruther Gemeinderäte traten von ihrem Amt zurück und sorgten damit, dass auch das Mandat des Bürgermeisters verfiel. Am Dienstag hat die Landesregierung den früheren Sarner Gemeindesekretär Andreas Fraccaro als kommissarischen Verwalter der Gemeinde eingesetzt.

Collis Sturz erfolgte, nachdem er im Gemeinderat erklärt hatte, wie er die Kontrollpflicht zum Green Pass für Mandatare über 50 anzuwenden gedenke. Nach seinem Gutdünken. Das gab freilich dem Verdacht neue Nahrung, dass der SVP-Bürgermeister über keinen gültigen Green Pass verfüge. „Ob ich geimpft bin oder nicht, das geht niemanden etwas an“, betonte Colli.

Das könnte sich bald ändern. Dann nämlich, wenn er beabsichtigen sollte, an seinen früheren Arbeitsplatz als Stadtpolizist in Bozen zurückzukehren. Für Ordnungshüter gilt seit Mitte Dezember eine strikte Impfpflicht.

Die Beamten sind aufgefordert, innerhalb von fünf Tagen ab Aufforderung den notwendigen Nachweis vorzulegen. Wer dieser nicht folgt, wird ohne Gehalt vom Dienst suspendiert und muss die Dienstwaffe abgegeben. Wer bei der Arbeit ohne Impfnachweis erwischt wird, dem droht eine Geldstrafe zwischen 600 und 1.500 Euro.

Colli befand sich in den vergangenen rund 17 Jahren im politischen Wartestand. Die Gemeinde Kastelruth, für die er während dieses Zeitraums als Verwalter tätig war – zunächst für fünf Jahre als parteiunabhängiger Assessor, dann zwölf Jahre als Bürgermeister – zahlte für ihn bei der Stadtpolizei die vorgesehenen Sozialabgaben ein.

In zwei Jahren sollte Colli, derzeit 57 Jahre alt, das Pensionsmindestalter erreicht haben. Es wäre für ihn deshalb naheliegend, in den Dienst als Stadtpolizist zurückzukehren. Ob er das getan hat oder tun will, darüber erteilt die Bozner Stadtpolizei keine Auskünfte. Auf jedem Fall müsste er als Zurückkehrender einen Grünen Pass vorlegen, um arbeiten zu können.

Dass Colli wenig bis nichts von der Corona-Impfung hält, das macht er mit seinen jüngsten Posts auf seiner privaten Facebook-Seite deutlich: Zu sehen ist ein vom deutschen AfD-Abgeordneten Martin Sichert ins Netz gestelltes Video, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Corona-Impfung „vier Mal so viele Nebenwirkungen wie bei anderen Impfungen“ habe.

Dazu ein fünf Monate altes Video von einem Auftritt des italienischen Philosophen Giorgio Agamben bei einem Parlamentshearing, in dem er die Impfpflicht am Arbeitsplatz als „Methode der Verfolgung und Kontrolle“ bezeichnet.

Colli hatte seine No-Vax-Posts im vergangenen Spätherbst auf Druck seiner Partei, der SVP, eingestellt. Nun, diesmal ausschließlich als Privatperson, macht er weiter, wo er aufgehört hatte.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (2)

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  • gerhard

    … und haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass eine Kuh jeden Tag, 365 Tage im Jahr Milch gibt und gemolken werden muss, zwei mal am Tag?
    Samstag, Sonntag, Weihnachten, am Geburtstag.
    Auch bei 39 Grad Fieber, Kopfweh oder nach durchzechter Nacht.
    Urlaub? Mal schnell ein verlängertes Wochenende in Venedig?
    Einfach mal ein faules Wochenende?
    Sonnenaufgang am See?
    NACHDENKEN !!
    Ich möchte den Job nicht.
    Vor allem dann nicht, wenn ich den Stundenlohn für diesen Job ausrechne.
    Ein ganz kleines bisschen Dankbarkeit und Respekt für deren Leistung.
    Wertschätzung und Augenhöhe- schon mal davon gehört?
    NACHDENKEN !!

  • gerhard

    OHA, der Kommentar ist in der falschen Kategorie gelandet.
    Sollte zu „Sonst ist es zu spät.

    Was allerdings das „Nachdenken“ betrifft, Respekt, Wertschätzung und Augenhöhe –
    das dürfte auch bei Herrn Colli nicht verkehrt sein!

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