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„Nur dünn sein reicht nicht“

Lea Pliger

Lea Pliger aus Albeins wird als Model von großen Brands wie Philipp Plein, Chopard und Yves Saint Laurent Beauty gebucht. Ein Gespräch über den Traumjob Fotomodel. 

Tageszeitung: Frau Pliger, von Albeins auf die Laufstege von Mailand. Wie haben Sie das geschafft und für welche Modemarken arbeiten Sie? 

Lea Pliger: Ich arbeite mit vielen verschiedenen Brands zusammen, beispielsweise Diesel, Philosophy, Yves Saint Laurent Beauty, Chopard, Off-White, Fay, Pinko, Missoni, Franky Morello, Iceberg, Philipp Plein, Asos, Urban Outfitters usw.

Wie wird man eigentlich Model? Reicht es gut aufzusehen und die klassischen „Model-Maße“ zu haben oder muss man noch andere Qualitäten mitbringen?

Glücklicherweise ist die Modebranche nicht mehr wie früher. „Model-Maße“ sind nicht mehr ein Muss. Heute gehören Diversität, Kreativität und Charakter definitiv zu den Must-haves eines Models.

War eine Modelkarriere schon immer Ihr Traum? 

Ich wurde mit 16 Jahren „entdeckt“, also relativ früh. Zu dieser Zeit habe ich mir noch nicht wirklich über eine Modelkarriere Gedanken gemacht. Als ich dann die Matura in der Tasche hatte, dachte ich mir ich probiere es mal aus, und seit nun zwei Jahren bin ich mit Herz dabei!

Wer hat Sie entdeckt?

Entdeckt hat mich Mauro Basso, als ich in seinen Frisörsalon „Norma“ kam, um mir die Haare machen zu lassen. Er wiederum hat mich meiner Mutteragentur vorgestellt und so hat alles seinen Lauf genommen.

Hat Heidi Klums „Germany´s Next Topmodel“ den Traum befeuert?

Nicht wirklich. Mir war eigentlich schon immer klar, dass es eine Fernsehshow zur Unterhaltung ist und nicht viel mit der Realität zu tun hat. Das hat sich nun auch bestätigt.

Für sein gutes Aussehen bezahlt werden, viel reisen, schicke Kleider tragen, auf Laufstegen und in Zeitungen angehimmelt werden – klingt eindeutig nach Traumjob. Ist es das oder hat es auch seine Schattenseiten? 

Es ist definitiv ein super Job, doch wie bei jedem anderen Beruf gibt es auch Schattenseiten. Langes Warten, teils unangenehme Arbeitszeiten und das Leben aus dem Koffer sind einige Beispiele davon.

Schildern Sie uns doch mal einen Tag im Leben eines Models. 

Ein typischer Arbeitstag kann so aussehen: Man trifft sich im Studio um 8:30 Uhr. Anschließend bekomme ich meine Haare und mein MakeUp gemacht und nach einem kleinen Frühstück geht´s an die Arbeit.  Vom Stylist bekommt man die Outfits und Hilfe bei der Ankleide. Ein kleines Brain-Storming mit dem „Creative Director” darf auch nicht fehlen. Anschließend wird ein Test-Foto gemacht, damit das Team das Licht und die Kulisse im Bild überprüfen kann. Sobald alles vorbereitet ist, werden Fotos gemacht, bis das erwünschte Ergebnis da ist. Auch Castings gehören zu einem typischen Modelalltag, damit es überhaupt zum Job kommt.

Wie werden Sie für eine Modeschau oder ein Fotoshooting engagiert? Müssen Sie sich bei Castings anstellen oder macht das eine Agentur für Sie?

Ich arbeite generell nur über meine Agenturen, das heißt, ob Casting oder nicht, meine Engagements laufen immer über sie. Zu Beginn einer Modellaufbahn geht man zu vielen Castings, um Kunden persönlich kennen zu lernen. Später wird man dann auch oft ohne vorheriges Casting gebucht. Es gibt dafür aber keine Faustregel, es hängt von Marken, sowie den jeweiligen Jobs ab.

Was verdient ein Model eigentlich für eine Modeschau oder ein Fotoshooting für eine Zeitschrift? 

Das Budget pro Job hängt immer von Marke sowie von vielen weiteren Kriterien ab, z.B. wo arbeite ich, die Länge der Publizitätsdauer, etc. Ich kann aber gut von meiner Arbeit leben.

Gefallen Ihnen die Kleider eigentlich immer, die Sie anziehen oder denken Sie auch manchmal: So etwas würde ich nie anziehen. 

Nicht alles gefällt mir, das muss es aber auch nicht. Mein Job ist es lediglich die Dinge zu vermarkten und die Visionen des „Creative Directors“ umzusetzen.

Verraten Sie uns Ihre schönste Erinnerung als Model.

Schwer zu sagen. Was mir als erstes in den Sinn kommt, ist Folgendes: Als ich letztes Jahr im Mai in London war, ging ich ohne große Erwartung zu meiner Agentur, um mir die Jobs auflisten zu lassen. Mir wurde sehr stolz berichtet, dass ich in der näheren Auswahl für die neue Lippenstift-Campaign für Yves Saint Laurent in Paris gebucht bin. Voller Aufregung berichtete ich gleich meinen Freunden davon, ohne wirklich zu glauben, dass ich tatsächlich den Job habe. Zwei Tage später bekam ich dann die Bestätigung und ich fuhr mit dem Zug das erste Mal nach Paris und arbeitete mit einem Superteam an meinem ersten Beauty-Shoot. Nach fast einen Jahr sind jetzt auch endlich die Bilder zu sehen!

Welchen Ratschlag geben Sie einem jungen Mädchen, das Model werden will? 

Es ist ein sehr hartes Business. Dabei darf man nie den Glauben an sich selbst verlieren. Wenn man nicht gleich eine Arbeit bekommt, liegt das nicht an einem selbst. Man passt nur gerade nicht in die Vorstellung der Marken oder des Teams. Wenn nach einem schwarzhaarigen Model gesucht wird, werde ich ihn als Blondine sicher nicht bekommen. Deswegen, immer mit Optimismus an die Sache gehen, jedoch am besten ohne große Erwartung.

Der Konkurrenzkampf in der schnelllebigen Modewelt ist hart. In jeder Saison tauchen unzählige neue Gesichter auf. Wie behauptet man sich da? 

Das ist eine gute Frage. Ich denke, man muss sich nicht unbedingt behaupten. Wenn man genau die Vorstellung einer Marke oder des Creative Directors trifft, hat man halt Glück. Gutes Posen, Kreativität und eine gute Teamfähigkeit sind dann halt Eigenschaften, die man mitbringen sollte, um wieder gebucht zu werden.

Stimmt es, dass man als Model einen erfolgreichen Instagram-Account haben muss, weil die Zahl der Follower für die Kunden ein ausschlaggebendes Kriterium ist? 

Nicht unbedingt. Es hilft sicherlich viel, vor allem bei kommerziellen Jobs, doch ein ausschlaggebendes Kriterium ist es nicht unbedingt.

Infolge der #MeToo-Debatte haben zahlreiche Models über sexuelle Belästigungen in der Modebranche berichtet. Mussten Sie auch schon solche Erfahrungen machen? 

Leider erfahren so viele Frauen sexuelle Belästigung im Beruf, nicht nur in der Modebranche. Zum Glück gehöre ich nicht dazu.

Ein häufig geäußerte Kritik an der Modebranche ist der Magerwahn der Models. Ist das ein großes Thema unter den Models? 

Ich würde lügen, wenn ich Ihre Aussage verneine. Man wird sehr oft damit konfrontiert. Trotzdem wird in der Modebranche der gesunde Lifestyle immer wichtiger. Nur „dünn sein” reicht nicht mehr aus. Man sieht es einem Menschen an, ob er auf eine gesunde Weise dünn, also durch gesundes Essen und Sport ist, oder ob er abgehungert ist. Viele Marken wollen das krankhafte Ideal nicht mehr promoten und buchen daher nur mehr gezielt gesunde Models.

Schüchtern sollte ein Model nicht sein. Wie freizügig würden Sie sich zeigen?

Als Model vermarktet man Kleider, Schmuck, Marken, usw. Man muss dabei nicht wirklich freizügig sein, denn das Produkt steht im Vordergrund.

Kate Moss, Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Naomi Campbell – welches Topmodel ist Ihr Favorit und warum?

Kate Moss ist sicherlich eine Ikone. Durch ihre „Influence” hat sie die Modewelt geprägt und ist immer noch top aktuell. Auch jetzt noch ist sie auf den Moodboards im Backstagebereich zu finden.

Sie waren bereits Covergirl der Modezeitung Donna Moderna. Waren Sie damit plötzlich ein Star?

Oh nein, beim besten Willen nicht, es war eine gute Werbung für mich und über die Gelegenheit habe ich mich sehr gefreut, aber als Star würde ich mich nicht bezeichnen.

Sie leben im Zentrum der italienischen Modewelt Mailand. Ist das in diesem Job der einzig mögliche Ort?

Ich lebe nicht direkt dort. Mein Wohnsitz ist immer noch in Südtirol, jedoch gehört Reisen definitiv zu meinem Beruf. Von Vorteil ist es in einer Stadt zu sein, die viel mit Mode zu tun hat. Der Markt hängt dann von Stadt zu Stadt ab. Ob Mailand, London, Paris oder … ist dann eigentlich nebensächlich.

Wie lange bleibt ein Model durchschnittlich im Beruf und wie lange wollen Sie den Job machen?

Ich denke, das ist von Person zu Person unterschiedlich. Ich mache es,  solange es mir Spaß macht. Einen genauen Plan gibt es noch nicht!

Was kommt danach?

Dazu habe ich jetzt noch keine Antwort parat. Ich schaue, was das Leben mit sich bringt. Ich bin mir sicher, dass sich ein paar gute und spannende Gelegenheiten ergeben werden.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Lesen, Kino, Konzerte, Sport? 

Meine Freizeit wird mit vielen kreativen Dingen gefüllt. Ich häkle und arbeite liebend gern mit Ton. Meine Freunde kommen auch nie zu kurz, denn mit ihnen bin ich am liebsten.  Ich bin eine kleine Leseratte und auch wenn ich nicht so talentiert im Sport bin, bewege ich mich liebend gern. Das tut Körper und Geist einfach gut.

Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel blicken? 

Ich sehe eine junge selbstbewusst Frau, die offen für neue Abenteuer ist und sich immer wieder gerne neu erfindet.

Wie würden Sie sich mit einem Wort beschreiben?

Vielfältig.

Interview: Heinrich Schwazer

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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