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„Sind gut vorbereitet“

BRING-Obmann Daniel Gasser

Bei der 15. Südtiroler Berglandwirtschaftstagung standen die Themen „Tierwohl und Tierschutz in der Berglandwirtschaft“ im Mittelpunkt. 

„Tierwohl und Tierschutz in der Berglandwirtschaft“, diesem Thema widmete sich die 15. Auflage der Südtiroler Berglandwirtschaftstagung am Freitag im Forum in Brixen. Die Veranstaltung fand in hybrider Form statt. Sowohl Referenten als auch Teilnehmer waren vor Ort in Brixen dabei, andere waren online zugeschaltet und verfolgten die Tagung über die Bildschirme. In Summe verfolgten knapp 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Tagung.

BRING-Obmann Daniel Gasser eröffnete die Tagung und wies darauf hin, dass Konsumenten die Produktion von Lebensmitteln stark beobachten und zurecht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit fordern. Südtirols Berglandwirtschaft sei auf diese Anforderungen gut vorbereitet und wird in guter Zusammenarbeit mit allen beteiligten Organisationen die Betriebe bei der Umsetzung der Maßnahmen bestmöglich begleiten und unterstützen. Das Thema der Tagung ist omnipräsent und wird auch von der Gesellschaft mitdiskutiert. Mit dem Tierwohl unmittelbar in Verbindung stehen mit Tiertransport und Schlachtung zwei weitere Themenblöcke der Tagung.

In seinen Grußworten berichtete Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler, dass die Erhaltung der kleinstrukturierten Berglandwirtschaft oberste Priorität habe und es bisher gut gelungen sei, Betriebe in Südtirol in der Produktion zu halten. Themen wie Tierwohl und Umwelt seien Herausforderungen, diese gelte es jedoch als Chance zu sehen, dass sich die Südtiroler Berglandwirtschaft hier noch besser positioniere. Der Landwirtschaftslandesrat berichtete auch von den derzeit laufenden Verhandlungen in Rom zur Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Direktvermarktung und Urlaub auf dem Bauernhof seien für die Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe wichtige Säulen, informierte SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler und dankte der Landesregierung für die Unterstützung beim Auf- und Ausbau dieser Betriebszweige.

Brennpunkt Tiertransporte

Tiertransporte werden aktuell viel und emotional diskutiert. Im Zentrum stehen dabei Langstreckentransporte, insbesondere jene bei Kälbern und in Drittstaaten. Dr. Michael Marahrens vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung am Friedrich-Löffler-Institut in Deutschland gab im Rahmen seines Online-Vortrages einen Überblick über die Thematik und spannte dabei den Bogen von der Diskussion auf europäischer Ebene bis hin zu jener in der Bundesrepublik Deutschland. In seinen Ausführungen betonte er, dass Tiertransporte ein Kernthema des Tierschutzes sind und berichtete, dass bei Schiffstransporten von Lebendvieh keine Tierwohlmaßnahmen kontrolliert werden können und es in Deutschland Bestrebungen gibt, diese zu verbieten. Auch gelten Kälber bis zum Abschluss der 4. Lebenswoche als „Tiere mit physiologischen Schwächen“ und sind deshalb bis zu diesem Zeitpunkt nicht transportfähig. Etwas ernüchternd resümierte Dr. Marahrens damit, dass der derzeitige Rechtsrahmen einen ausreichenden Tierschutz beim Tiertransport nicht gewährleistet.

Dr. Uwe Holzmann vom Tierärztlichen Dienst des Südtiroler Sanitätsbetriebes referierte über konkrete Zahlen zur Entwicklung der Schlachtungen in Südtirol. So wurden in den vergangenen Jahren in etwa 12.000 Rinder, ca. 17.000 Schafe, 10.000 Ziegen und 6.000 Schweine jährlich innerhalb der Provinz geschlachtet. In Summe stehen den Landwirten südtirolweit über 40 Schlachthöfe zur Verfügung. Durch diese Dichte an entsprechenden Einrichtungen ist gewährleistet, dass die Transportwege zur Schlachtung kurz sind. Der größte Schlachthof, jener in Bozen, schlachtet pro Woche ca. 370 Tiere über alle Tierarten hinweg. Zum Vergleich, am kleinsten Schlachthof, werden wöchentlich ca. 6 Tiere geschlachtet. Eine weitere Möglichkeit, insbesondere in Hinblick auf Tierwohl und kurze Transportwege, bietet die mobile Hofschlachtung, die in einer neuen EU-Verordnung geregelt ist und in Südtirol auch angeboten wird.

Tierwohl in Südtirol – was kommt auf uns zu?

Antworten auf diese Frage lieferten im Rahmen der Tagung Annemarie Kaser und Angelika Oberkofler vom Sennereiverband Südtirol. Bereits heute werden viele Milchprodukte europaweit mit zertifizierten Tierwohllabeln gekennzeichnet. Dahingehend hat der italienische Staat nun ein einheitliches System für die Bewertung des Tierwohls in Milchviehbetrieben vorgegeben. Dieses System trägt den Namen ClassyFarm und bildet die Grundlage für ein zukünftig staatlich geregeltes Tierwohllabel.

Um die Landwirte auf ClassyFarm und das Tierwohllabel vorzubereiten hat der Sennereiverband Südtirol das Projekt Tierwohl Südtirol ins Leben gerufen. Dabei werden alle Milchviehbetriebe in Südtirol besucht und gemeinsam mit dem Landwirt ein ClassyFarm-ähnlicher Fragebogen ausgefüllt. Der Besuch hat eine beratende Funktion. Das Ziel ist es, den Tierwohlstatus am Betrieb durch die Fragen von ClassyFarm festzustellen, eventuelle Schwachstellen im Betrieb gemeinsam zu erkennen und Möglichkeiten zu besprechen, diese zu beheben.

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