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Die große Verlegenheit

Paul Köllensperger und Brigitte Foppa

Die Landtagsopposition, die in dieser Legislaturperiode schon oft „Skandal“ gerufen hat, hält sich im „Fall Ladurner“ mit Äußerungen auffallend zurück. Ein Erklärungsversuch.

Von Matthias Kofler

Brigitte Foppa begründet ihre Zurückhaltung wie folgt: „Leichenschändung ist schiach – das tut man nicht.“

Die Fraktionschefin der Grünen hat sich zur Affäre um Jasmin Ladurners falsch abgerechnete Fahrtkosten bislang nicht öffentlich geäußert. Auch die allermeisten anderen Oppositionspolitiker quittierten den Abgang der SVP-Jungpolitikerin mit Schweigen. Einzig Freiheitlichen-Obmann Andreas Leiter versuchte sich als Sauermann zu profilieren und forderte unmittelbar nach Veröffentlichung der TAGESZEITUNG-Enthüllungen Ladurners Rücktritt aus dem Landtag. Die (nachweihnachtliche) Stille im Hohen Haus ist vor allem deshalb so bemerkenswert, als die politische Minderheit im Laufe dieser Legislaturperiode schon bei weitaus kleineren Vergehen lautstark „Skandal“ und „Rücktritt“ gerufen hatte.

„Das, was Jasmin Ladurner da gemacht hat, darf einfach nicht passieren“, sagt Brigitte Foppa. Schließlich gehe es hier um die Verwendung öffentlicher Gelder, bei der man immer aufpassen müsse – umso mehr, wenn man mit Eigenerklärungen arbeite. Die Grüne hat sich in dieser Legislaturperiode wiederholt mit Jasmin Ladurner solidarisch erklärt, etwa als die Jungpolitikerin von ihren Fraktionskollegen dafür kritisiert worden war, ihr Baby mit in den Landtag zu nehmen. Oder als sie, Ladurner, auf Facebook Morddrohungen erhalten hatte. Doch in der Spesen-Affäre konnte die Partschinserin keinen Rückhalt aus der Opposition erwarten. Brigitte Foppa erinnert in dem Zusammenhang an den 600-Euro-Skandal aus dem Sommer 2020, in die vier ihrer Landtagskollegen involviert waren: „Schon damals habe ich mich gefragt, was ich tun würde, wenn ich in derselben Situation wäre. Meine Antwort lautet damals wie heute: Der einzige Ausweg, der eine echte Erleichterung mit sich bringt, ist der Rücktritt“, unterstreicht Brigitte Foppa.

Paul Köllensperger war einer der vier Abgeordneten, die vor anderthalb Jahren um den Corona-Bonus angesucht haben. Seitdem ist das Ansehen des einstigen politischen Hoffnungsträgers stark angekratzt. Der Team-K-Politiker ist aufgrund seines eigenen Fehltritts gar nicht in der Lage, über Jasmin Ladurner den Stab zu brechen. Daher äußert er sich recht sybillinisch zum jüngsten Paukenschlag in der Regierungspartei: „Es ist ziemlich evident, dass die internen Konflikte in der SVP – sprich: die Grabenkämpfe zwischen der LH-Front und der Anti-LH-Front, die auch bei den Abhörprotokollen in der SAD-Affäre deutlich wurden – einen so immensen Druck aufgebaut haben, dass solche Dinge passieren“, meint Köllensperger, ohne näher zu definieren, was er unter „solchen Dingen“ verstehe.

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Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (46)

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  • andreas

    Frau Foppa hat sich weder vehement gegen die Rentenvorauszahlung, welche jeder Logik widerspricht, da auch Politiker frühzeitig den Löffel abgeben könnten und dadurch Geld gespart wird, noch hat sie sich in Zeiten vermehrter Ausgaben gegen den Inflationsausgleich und die Gehaltserhöhung gewehrt.

    Leiter Reber kämpft gegen die Bedeutungslosigkeit und die Typen Unterholzner und Faistenauer aus der Köllenspergerpartei kosten uns jetzt durch die Fraktionskosten noch mehr.

    Ladurner hätte nicht gehen sollen, ihr Vergehen war überschaubar und im Verhältnis zu den über 700.000 Euro für die Schlauchtücher nicht mal der Rede wert.
    Zurückzahlen und die Summe x3 als Strafe wäre angemessen gewesen.
    Die Argumente Vertrauensverlust, Moral oder Anstand ziehen nicht, denn dann wäre der Landtag halbleer.

    Aber mal schauen ob es eine Abspaltung in der SVP gibt, die Antilandeshauptmannfraktion gehört eigentlich geteert und gefedert und dazu verpflichtet, 5x um den Walther auf dem Waltherplatz zu laufen.
    Das wäre ein Spaß den Achammer, Dorfmann, Durnwalder und Co. da über den Platz zu scheuchen. 🙂

    • leser

      Anderle
      Dein frust scheint grenzenlos zu sein
      Und täglich müssen wir deine kommenrare lesen due viele sätze enthakten aber nichts bedeutendes an inhalten haben
      Bist halt gerne richter gell

    • steve

      Eine Deeg hat während des Studiums angeblich noch die Leibrente ihrer Eltern genossen. So waren halt die Gesetze.
      Das wurde mit den Rentenvorauszahlungen abgegolten. Laut einem Gerichtsurteil war das gesetzlich in Ordnung und die öffentliche Hand hat sich einiges erspart.
      Da ewig drauf rumzutrampeln macht keinen Sinn.
      Andere Luxuspensionisten z.B. jene von Mamma Rai verzichten halt auch nicht freiwillig,
      Wer würde das auch ohneweiters machen?

      • andreas

        Renten beruhen nun mal auf dem Prinzip, dass sie bei Fälligkeit und nicht vorab ausgezahlt werden, was eigentlich weltweit anerkannt ist.
        Auch hat die Regierung kein Problem damit die Bedingungen rückwirkend für den Pöbel zu ändern.

        Außer die Politiker eines kleinen Bergvolkes, warum eigentlich nicht die gesamte Bevölkerung, widersetzen sich dieser Regel und gönnen sich Millionen.

        • steve

          Vorrauszahlungen waren halt nun mal rechtlich in Ordnung und damit wurden die Bedingungen, zwar nicht rückwirkend, aber doch geändert.
          Die Rai Megapensionen bestehn weiterhin!

          • andreas

            Wenn Gesetze willkürlich zum Gunsten einer Kaste ausgelegt werden und wenn es noch nicht ganz passt, etwas rumgebastelt wird, finde ich das nicht wirklich legitim.
            Eher eine Bevorzugung der selbsternannten politischen Leistungsträger auf Kosten der Gesellschaft.
            Dir ist schon klar, dass die Politik die gesetzgebende Gewalt ist und sich viel legitimieren kann/könnte?

          • steve

            Das Parlament kann sich viel legitimieren aber der Regionalrat?
            Zumindest ist jetzt die Sache abgeschlossen und gar mancher hat auf die volle Summe verzichtet.
            Was man denen hoch anrechnen muss!

    • robby

      @andreas, der unsinnigste Beitrag den du je von dir gegeben hast.

    • george

      Aber da müsste „andreas“ mitlaufen. Er würde gut dazu passen.

  • ostern

    @alexius
    Kann mich dazu anschließen. Die Ladurner Geschichte und die
    600 Eur Beitragsangelegenheit muss wohl unterschieden werden.
    Der Berichterstatter kann wohl Äpfel von Birnen nicht unterscheiden.
    Na bitte…………

  • artimar

    Wichtiger ist/wäre jetzt bei allen Landtagsfraktionen und Abgeordneten nachzuhaken, wer jetzt immer noch nicht bereit ist, zumindest alle Spesenabrechnungen gänzlich abzuschaffen.
    Darüber liest man aber nichts. Lieber hie und da ein bisschen Empörung, Wütchen damit ja alles gleich bleibt.
    Die bereits bestehende, allgemeine Kostenpauschale von 700 Euro sollte doch reichen. Das spart auch noch Verwaltungspersonal für die Kontrolle und Bearbeitung.

  • exodus

    Dieses ganze Politikersystem ist doch bei allen identisch! Beim Nehmen halten sie alle die Hände auf, beim Geben sind alle abwesend. Der Dumme ist doch der Steuerzahler der dieses Verfahren, wenn auch ungewollt, unterstützen muss!! Schon alleine die vielen unnötigen Parteien, die nur kosten und Unzufriedenheit schaffen………….

  • george

    Es war wohl nicht zu erwarten, dass M. Kofler mindestens im neuen Jahr imstande sei, einen objektiven Bericht zu schreiben. Seine Vorurteile und einseitigen Gedanken sollte er endlich einmal lernen als Zeitungsschreiber ins Lot zu bringen, sonst ist er als Berichterstatter nicht weiter lesbar.

  • tirolersepp

    Wer eine weisse Weste hat werfe den ersten Stein !!!

  • bettina75

    Jojojo, ob gelb, grün schwarz oder blau, Unterschied kann ich keinen erkennen.

  • martp

    Die haben alle Drck am Stecken und wissen das. Die paar € von der Jasmin sind nichts im Vergleich was die Grünen oder die Gelbe Truppe so versenkt.

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