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Hanseles Vermächtnis

Das Nachtquartier für obdachlose Menschen dormizil erinnerte am Sonntagabend, 26. Dezember mit einer Kerzenaktion nicht nur an den einsamen Tod von Giovanni Johann Valentin.

Es war ein stiller, aber sichtbarer Moment:

Vor zehn Jahren – in der Nacht auf den 26. Dezember 2011 – ist in Bozen der obdachlose Giovanni Johann Valentin, bekannt als „Hansele“, in dem Feuer zu Tode gekommen, an dem er sich wärmen wollte.

Das Nachtquartier für obdachlose Menschen dormizil erinnerte am Sonntagabend, 26. Dezember mit einer Kerzenaktion nicht nur an den einsamen Tod von Giovanni Johann Valentin, sondern an alle weiteren obdachlosen Menschen, die in Südtirol unter Wohnungs- und Obdachlosigkeit gelitten haben und nach wie vor leiden:

Mit mehr als 100 Kerzen, die in die Fenster des dreigeschossigen Gebäudes in der Rittner Straße 25 gestellt wurden, soll auf die existenzielle Not von wohnungs- und obdachlosen Menschen aufmerksam gemacht werden.

Obdachlose Menschen sind im Winter der Kälte schutzlos ausgeliefert. Sie haben keinen Zugang zu Wasser, können sich nicht waschen und die Kleidung nicht wechseln, sind schutzlos und fühlen sich häufig bedroht. Es gibt neben persönlichen auch gesellschaftliche Gründe, warum Menschen wohnungs- und obdachlos werden.

Wenn mehrere Gründe zusammen fallen, dreht sich die Spirale immer schneller nach unten. Zu den gesellschaftlichen Gründen gehören steigende Wohnkosten, prekäre Miet- und Arbeitsverhältnisse, häufiger Wohnungswechsel, erfolglose Jobsuche und materielle Armut.

Zu den persönlichen Gründen zählen Familien- und Beziehungskrisen, psychische und seelische Erkrankungen, Gewalt im Elternhaus, Alkohol- und Drogenkonsum, schreibt der Verein „housing first Bozen EO“ in einer Aussendung.

Wohnungs- und obdachlos zu sein, ist schwer zu verkraften, erklären die Mitglieder des Vereins „housing first bozen EO“, den Magdalena Amonn, Paul Tschigg, Christian Anderlan, Sigrid Bracchetti, Norbert Pescosta, Wolfgang Aumer, Martina Schullian, Helmuth Niedermayr, Verena von Aufschnaiter und Birgit Bragagna Spornberger vor etwas mehr als einem Jahr gegründet haben: Seit 10. November schenkt der Verein im dormizil 25 obdachlosen Menschen dank der Unterstützung von mehr als 90 Freiwilligen und einer großen Zahl an Spender*innen ein warmes Bett im kalten Winter. Die Haselsteiner Familien-Privatstiftung hat das Gebäude für 30 Jahre kostenlos bereitgestellt.

Die Vereinsmitglieder von „housing first bozen EO“ haben am 26. Dezember 2021 als Mahnwache mehr als 100 Kerzen in die Fenster des dreistöckigen Hauses in der Rittner Straße 25 gestellt und wollten damit die Verzweiflung, Einsamkeit und Not obdachloser Menschen in den Mittelpunkt rücken.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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