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Weg mit Cadorna

Hauruck-Aktion einer nicht näher bekannten Antifaschisten-Gruppe in Meran: Die nach dem umstrittenen General Luigi-Cadorna benannte Straße wurde kurzerhand „umgetauft“.

Eine am Dienstagabend von Antifaschisten vorgenommene „Umbenennung“ der Luigi-Cadorna-Straße in „Elena Stern de Salvo“-Straße lässt in Meran die Polemik um die „Cadorna-Connection“ im Meraner Gemeinderat von 2020 neu aufflammen.

Damals sollte die nach dem umstrittenen General benannte Straße umgetauft werden und den Namen des sechsjährigen jüdischen Mädchens aus Meran erhalten, welches von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Die Initiative ging von Gemeinderat David Augscheller (Ökosoziale Linke) aus. Bei der geheimen Abstimmung kam die Mehrheit nicht zustande. Die Heckenschützen wurden bei der SVP vermutet. Der Vorwurf lautete: Die Volkspartei habe mit den heutigen Koalitionspartnern aus dem italienischen Mitte-Rechtslager gemeinsame Sache gemacht.

Aufschluss über die Nacht- und Nebelaktion vom Dienstag gibt eine nicht namentlich gekennzeichnete Mitteilung, die an die Redaktionen versandt wurde.

Darin heißt es u.a.: „Wir, einige Antifaschistinnen, haben heute Abend, am 21.12.2021, die Cadorna Straße in Meran in „Elena Stern de Salvo“ Straße umbenannt. Cadorna war Kriegsverbrecher und Faschist. Er war Offizier im ersten Weltkrieg und machte sich für seine Grausamkeit – auch den eigenen Soldaten gegenüber – einen Namen.”

In dem Schreiben der Antifaschisten heißt es weiters: „Im vergangenen Jahr haben sich Teile des Meraner Stadtrates gegen die Umbenennung und für die weitere Huldigung des Faschisten und Kriegsverbrecher durch den Straßennamen entschieden. Vor allem Teile der SVP waren ausschlaggebend. Die Partei schien sich zu sehr auf eine mögliche Zusammenarbeit mit den italienischen Rechten vorzubereiten – besonders in Zeiten einer Autoritarisierung und Faschisierung weiter Teile Europas, ein unheilvoller Pakt.“

Der Faschismus habe eine historische Verantwortung für alle jene erzeugt, die nach ihm kommen: Ihn nie wieder geschehen zu lassen. Dazu gehöre der Opfer zu gedenken und Täter sichtbar zu machen. In Europa seien Rechte auf dem Vormarsch. Gesellschaftliche Legitimation würden sie auch von denen erhalten, die schweigend zugucken. „Wie etwa im Meraner Stadtrat“, heißt es in dem Schreiben. „Wir haben also die Umbenennung selber in die Hand genommen, um zu zeigen, dass wir keinem Faschisten gedenken wollen. Wir sagen: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus. Gelebter Antifaschismus heißt gedenken und kämpfen. Und es heißt Handarbeit. Die haben wir gestern Abend erledigt“, so die Gruppe.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (2)

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  • watschi

    die idee ist nicht schlecht, wenn die anschuldigungen der wahrheit entsprechen. die „lieben“ antifaschistinnen kommen mir beim durchlesen aber keineswegs demokratischer vor als so gewisse rechte gruppierungen. sie haben selbst hand angelegt, weil die abstimmung nicht ihrem wunsch entspreche. „hand anlegen“ kònnen sie in einem demokratischen staat bei sich selbst oder bei dem, der es sich wùnscht oder erlaubt.

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