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„Kontrollierte Anarchie“

Frei.Wild Sänger Philipp Burger hat sein erstes Soloalbum veröffentlicht. „Kontrollierte Anarchie“ packt die vielen Höhen und Tiefen seines turbulenten Lebens in Lieder.

Tageszeitung: Philipp, gerade erst habt ihr mit Frei.Wild euer Jubiläumsalbum „Wir schaffen Deutsch.Land“ veröffentlicht. Und damit erneut Platz 1 in den Deutschen Charts erreicht, gestern ist dein neues Soloalbum „Kontrollierte Anarchie“ auf dem Markt gekommen. Was steckt dahinter und wie kamst du auf die Idee, dich in musikalischer Form auch außerhalb von Frei.Wild zu betätigen?

Philipp Burger: Danke zur Gratulation. Ja, das war ein echt harter Kampf, sich gegen Größen wie Abba, Helene Fischer, Neil Young und Adele durchzusetzen. Sie vom Chart-Thron zu stürzen, war alles andere als selbstverständlich. Und ja, gestern habe ich „Kontrollierte Anarchie“, mein allererstes Soloalbum, veröffentlicht. Der Grund dafür ist eigentlich ein bereits langjähriges Verlangen, meine ganz persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen, eben die vielen Inhalte meines eigenen, doch sehr turbulenten Lebens in Lieder zu verpacken. Höhen und Tiefen, Ziele und Niederlagen – ich forste auf, würde der Landwirt sagen (lacht).

Du machst das Album mit gänzlich anderen Musikern, wieso?

Nun, ich wollte einfach eine klare Trennung zwischen Frei.Wild, eben uns als Band, die wir schon 20 Jahre ohne Wechsel durch dick und dünn gehen, und diesem Projekt ziehen. Ich habe mir eben genau die Musiker gesucht, die ich als die für mich geeignetsten gesehen habe. Mit allen, also mit Alex Lysjakow am Bass, mit Mattia Mariotti an der E- Gitarre und Kurt Oberhollenzer am Schlagzeug, arbeite ich, arbeiten wir als Band Frei.Wild schon jahrelang zusammen und sind enge Freunde. Ob als Gastmusiker auf Konzerten und Tourneen, oder auch in Sachen Studioarbeit, ich mag die Jungs alle sehr und suchte eigentlich schon immer nach neuen Inspirationsquellen. Und das sind sie. Vor allem aber sind es, genau wie Föhre, Jonas und Zegga, total zuverlässige Leute, die mich und meinen Ruf auch in der Öffentlichkeit durchstehen und aushalten.

Philipp, du sagtest im Tageszeitung- Interview im März, „Kontrollierte Anarchie“ stehe für zwei gegenüberliegende Pole: Den Wunsch nach Unsicherheit auf einer Seite, auf der anderen Seite die Kontrolle über dich selbst. Was überwiegt in deinem Leben? 

Ich würde sagen, dass ich das gar nicht beantworten kann. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum dieser Albumtitel so gut passt. Ich bin irgendwo noch immer dieser zappelige Neulandbegeher und auch risikoliebende Aufsässige, der wirklich total gerne gegen den Strom schwimmt. Vielleicht weil es sich für mich in der Mehrheitsmeinung meistens erst mal ungesund anfühlt und ich auch total gerne diskutiere. Und ja, ich denke auch, obwohl das ja heute ein verpöntes Adjektiv ist, absolut gerne quer, ich bin lieber erst mal eigen und kontrovers, kann aber auch meine eigenen Holzwege zugeben und zu Fehleinschätzungen stehen. Auf der anderen Seite bin ich heute aber auch der, der weiß, dass zu viel Übermut, zu viel Punk, zu viel Alkohol, gezieltes Danebenbenehmen, und diese einfach nur dämliche „Welt, leck mich einfach nur am Arsch und Scheiß auf alles und jeden“ Attitüde genau das ist, für das ich eben nicht stehe. Ich glaube, ich denke wild, frei, weiß aber auch um die Verantwortung, die ich mir, meiner Familie, eben jedem Gegenüber habe.

Ist es schwer Philipp Burger zu sein? Heute mit 40 Lebensjahren kannst du uns sicher verraten, wie viel dich dieses Frei.Wild- Leben an Lebensenergie gekostet hat, oder?

Ich sage es zwar nur ungern, aber ja, so ganz ohne graue Haare, ohne schlaflose Nächte und sicher gar einige abgesägte Nerven stehe ich heute nicht da. Aber eigentlich bin ich stärker als je zuvor. Denn natürlich kostet so ein Leben auf Tour, in diesem echt harten medialen Fokus mit hunderten Kriegen viel Kraft. Diese für mich wirklich arglistigen Unternehmungen gewisser Journalisten, anderer Musiker, aber auch „Experten“ und Co.,  sind für einen Menschen wie mich, der zwar eine harte Schale, aber manchmal doch einen sehr sensiblen Kern hat, durchaus harter Stoff gewesen, aber eben erträglich. Weil es immer Spaß gemacht hat und wir eine immer starke Festung gebildet haben, die ganze Band, unsere Familien und Freunde eben. All das, was ich tat, was ich erreichen wollte und wofür ich auch blutete,  fühlte sich zu jedem Moment ehrlich, aufrichtig und niemals so richtig aussichtslos an. Dass ich als Mensch mit einer gewissen Lust auf Reibung trotz allem auf wunderbare und zudem  sehr erfolgreiche Jahre zwischen Liebe, Stolz und Leidenschaft zurück schauen kann, macht mich einfach nur glücklich. Ich habe mich nie für irgendwen verbogen und habe eigentlich immer genau das getan, was ich wollte. Mir wurde nichts geschenkt und ich habe, genau wie meine Bandkollegen, immer hart für unseren Erfolg gekämpft. Und genau dieses Gefühl entschädigt für alles. Ich bin dankbar und glücklich. Auch für diese Möglichkeit, all diese Erfahrungen auf meinem Soloalbum verarbeiten zu können.

Interview: Heinrich Schwazer

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