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Weihnachten allein

Foto: Presseamt der Diözese

Trotz und auch wegen Corona: Wie die Selbsthilfeorganisation Lichtung im Pfarrsaal Bruneck ein Weihnachtsfest für Alleinstehende feiert.

Zu Weihnachten macht die Kälte draußen bereit für innere Wärme, man rückt zusammen im Familienkreis. An Heiligabend soll das alles, bereichert um möglichst überraschende Geschenke, über die Bühne gehen. Manche ärgern sich aber über Regiefehler. Andere sind ganz einfach ausgegrenzt, fallen durch den Rost der zusammengerückten Familien in schneidende Einsamkeit, innere Kälte.

Zu Neujahr gibt es einen Neustart nach ausgelassenem Feiern. Hoffnungen und Wünsche werden freigesetzt, manchmal erleichtert durch etwas Alkohol. Nicht alle Menschen ziehen positive Bilanzen. Manche bemühen sich um ein Lächeln nach außen, um nicht aufzufallen. Andere sind von vorneherein nicht mit von der Partie.

Es ist eine alte Therapeutenerfahrung: Weihnachten und Neujahr sind Krisenzeiten. Das gewollt Positive zieht auch gegenteilige Kreise, Schwierigkeiten und Ängste brechen auf. Als Durchschnittsmensch sollte man auf Krisen vorbereitet sein, wenn Feste zu feiern sind. Tatsächlich nehmen um Weihnachten die Anrufe bei Telefonberatungsstellen um bis zu 30 Prozent zu, die Verlassenheit wird zum vorrangigen Thema. Hilfsbedürftige wissen um die Urlaube ihrer Helfer und Therapeuten und werden ängstlicher. Erste-Hilfe-Stationen und psychiatrische Abteilungen füllen sich mit Menschen in Existenzkrisen, die manchmal auch in Drogen ertränkt worden sind, körperliche Symptome erzeugen oder direkt in Depression umschlagen. Und heuer kommt Corona wieder dazu. Da kann Weihnachten zur Krise in der Krise werden.

Vor genau 20 Jahren war Roger Pycha mit Cristina Grazioli von der Selbsthilfeorganisation psychisch Kranker Lichtung auf dem Heimweg von einer Tagung im Ausland, als sie ihm eröffnete, was sie sich sehnlichst wünschte: zu Weihnachten nicht allein zu sein. In der Folge begründete sie die Weihnachtsfeiern für Alleinstehende in Bruneck. Sie wurden alljährlich ein voller Erfolg, 2019 beteiligten sich 13 Organisationen daran, anderswo im Land gab es bereits kleine Ableger. 2020 legte Corona alles lahm.

Heuer meldet sich die zähe Lichtung zurück, wieder allein, wie ganz zu Beginn. Es ist ihr wichtig, dann präsent zu sein, wenn alle anderen mit sich selbst beschäftigt sind. Am Heiligen Abend um 17.00 Uhr beginnt im Pfarrsaal des Pfarrheimes, neben der Pfarrkirche Bruneck, das heurige Weihnachtsfest für Alleinstehende. Eingelassen wird jeder mit Green Pass, für drei Stunden Wärme, Besinnlichkeit und Gemeinschaft, für innige Erlebnisse in einer Gruppe Gleichgestellter. Eine telefonische Voranmeldung ist erforderlich, im Büro der Lichtung bei Monika Gasser 0474 530266, oder am Lichtung-Handy 3490089588.

Die Botschaft der psychisch Kranken und ihrer Freunde ist ganz eindeutig und hilfreich: Wir lassen uns nicht unterkriegen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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