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Zirkusmusik für den Diktator

Unter der Leitung von Roberto Frizza spielt das Haydn Orchester Werke von Rossini und Voříšek. Das Konzert endet mit Schostakowitschs „frecher“ 9. Sinfonie.

Am Dienstag (14. Dezember um 20 Uhr) leitet Riccardo Frizza das Haydn Orchester im Konzerthaus Bozen und ersetzt damit den ursprünglich angekündigten Dirigenten Marek Sedivy. Auch das Programm wurde geändert: Der Abend beginnt jetzt mit der Sinfonia aus der 1817 uraufgeführten Oper „La Cenerentola“ von Gioachino Rossini. Es folgen die 1821 in der Tradition von Bach und Mozart entstandene Sinfonie in D-Dur des tschechischen Komponisten Jan Václav Voříšek und – als krönender Abschluss – die 9. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch aus dem Jahr 1945. Das Konzert wird live im Hörfunk auf Rai Radio3 übertragen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und dem Sieg über Hitlerdeutschland erwartete man damals eigentlich eine heroische Musik. Schostakowitsch lieferte allerdings ein Werk, das mit sarkastischem Witz, groteskem Übermut, Ironie und gnadenloser Schärfe das genaue Gegenteil einer pathetischen Huldigung des – von Stalin regierten – sowjetischen Vaterlands war. Den Militärmarsch im ersten Satz der Sinfonie soll Schostakowitsch als „Zirkusmusik“ bezeichnet haben. „Die Musiker werden sie mit Vergnügen spielen, aber die Kritiker werden sie vernichten“, prophezeite der Komponist. Nach der Uraufführung im November 1945 wurde der mit 25 Minuten Spielzeit außergewöhnlich kurze musikalische Hohn und Spott schnell aus den Konzertsälen verbannt. Schon 1948 ergänzte das unbequeme Meisterwerk die lange Liste der Stücke mit Aufführungsverbot in der Sowjetunion.

Der 1971 in Brescia geborene Riccardo Frizza ist einer der international renommiertesten Dirigenten seiner Generation und regelmäßiger Gast in Musikzentren wie der Pariser Opéra, der Metropolitan Opera in New York, der Bayerischen Staatsoper, dem Teatro alla Scala in Mailand oder dem Gran Teatre del Liceu in Barcelona. Seit 2017 ist er Musikdirektor des Donizetti-Opernfestivals in Bergamo. 2021 erhielt er für seine Tätigkeit als Musikdirektor den Ópera XXI-Preis. Die von der gleichnamigen spanischen Theater- und Festivalvereinigung gestiftete Auszeichnung wurde ihm für die von ihm geleitete Aufführung der Donizetti-Oper „Lucia di Lammermoor“ in Bilbao verliehen.

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