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„Ich könnte unter der Erde sein“ 

Er gehörte zu den zahlreichen Südtiroler Impf-Zauderern und bereut dies inzwischen: Der 70-jährige Karl Schenk überlebte eine Covid-19-Erkrankung knapp – und verlor derweil sieben Schafe durch einen Schakal-Riss.

von Thomas Vikoler

Beides ist Karl Schenk buchstäblich an die Nieren gegangen: Der eigene nahe Tod und der Tod sieben seiner Schafe. Beides beschäftigt ihn Wochen später weiterhin sehr intensiv: „Ich fühle mich weiterhin schwach auf den Beinen. Und ich möchte andere Schafzüchter warnen, dass sie ihre Tiere in Sicherheit bringen.“

Was war passiert?

Karl Schenk ist ein Baggerunternehmer aus Albions, der nebenbei Schafzucht betreibt. Nachträglich bezeichnet er sich als Impf-Zauderer: „Ich habe mir gedacht, dass ich mich impfen lassen sollte, habe aber viel zu lange damit abgewartet.“ Inzwischen weiß er: „Ich hätte mich gleich impfen lassen sollen, dann wäre das alles nicht passiert.“

Der 70-Jährige ist vor einigen Wochen schwer an Covid-19 erkrankt. Zunächst fühlte er sich schwach und grippig und verbrachte längere Zeit zu Hause im Bett. Bis er zum Schluss kam: „Ich kann nicht einfach so hier verrecken“. Er verständigte den Hausarzt, der nach einer Stunde eintraf und sofort erkannte: Eine Corona-Infektion, was ein PCR-Test bestätigte.

Karl Schenk wurde mit dem Weißen Kreuz auf die Intensivstation des Brixner Krankenhauses gebracht. „Ich war zwischen Leben und Tod, so schlecht ist es mir in meinem ganzen Leben nicht gegangen“. Medizinisch ausgedrückt: Eine beidseitige Lungenentzündung mit einer Beeinträchtigung des Herzmuskels.

Der Patient wurde an zahlreiche Schläuche angesteckt, erholte sich aber überraschend schnell von seinem todnahen Zustand. „Die Ärzte haben mir gesagt, so ergehe es zwei von hundert an Covid-19-Erkrankten“, erinnert sich Schenk. Die schnelle Besserung führt er auf seine robuste Natur und seinen Verzicht auf Zigaretten und Alkohol zurück.

Er ist sich aber durchaus bewusst, dass es auch anders hätte laufen können. „Ich könnte jetzt unter der Erde sein. Ich bin froh, dass ich noch lebe und das Tageslicht sehen kann.“

Die gesamte siebenköpfigen Großfamilie Schenks war mit dem Corona-Virus infiziert, wie die Tests nach seiner Einlieferung ergaben. Niemand war geimpft, ihn hat Covid-19 am stärksten erwischt.

Inzwischen ist er, was die Impfung betrifft, geläutert. Er hat nun den Grünen Pass als Genesener übermittelt bekommen, sobald es möglich ist, will er sich impfen lassen.

Seine schwere Erkrankung brachte mit sich, dass er sich nicht um seine Schafe kümmern konnte, die auf einer Weide bei Albions untergebracht sind: Vor zwei Wochen wurden fünf von ihnen dort gerissen, zwei mussten später wegen Verletzungen geschlachtet werden. Auch ein toter Fuchs lag neben den gerissenen Schafen.

Die Förster stellten am Tag nach dem Fund eine Wildkamera auf, die später einen Goldschakal einfing. Er dürfte Schenks Schafe gerissen haben. Im vergangenen Sommer waren neun seiner Tiere im Grödner Langental nach einer wahrscheinlichen Wolfsattacke verendet.

Schenk, der daraufhin die Förster heftig kritisiert hatte, zeigt sich auch hier geläutert: „Sie haben sich damals und auch diesmal sehr eingesetzt.“

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