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Der Countdown

In Obereggen geht am nächsten Mittwoch, 15. Dezember der erste Europacupslalom des Olympiawinters über die Bühne. Es ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Weltcupathleten am Start sind.

Obereggen könnte heuer noch ein bisschen besonderer werden als es ohnehin Jahr für Jahr ist. Nur ein einziger Weltcupslalom steht vor Obereggen im Kalender, nämlich jener in Val d’Isere drei Tage zuvor. Im Europacup ist Obereggen sogar das Slalom-Auftaktrennen.

Daher dürften zahlreiche Weltcupstars die Europacup-Etappe auf der anspruchsvollen Maierlpiste mit ihrer Neigung von bis zu 55 Prozent „mitnehmen“, um auf dem Weg von Val d’Isere (12. Dezember) zu den beiden Weltcup-Riesentorläufen in Alta Badia (19. und 20. Dezember) und dem Weltcupslalom in Madonna di Campiglio (22. Dezember) Wettkampfpraxis zu sammeln.
Gespickt mit Weltcupathleten ist das Teilnehmerfeld in Obereggen im Grunde jedes Jahr, erstens wegen des günstigen Termins zu Saisonbeginn, zweitens wegen des Prestiges: Das „Kitzbühel des Europacups“ ist die traditionsreichste Europacupstation überhaupt im Skizirkus, die erste Auflage fand 1983 statt.

Seit zwei Jahren wartet Obereggen auf einen Sieger. 2019 musste der Slalom aufgrund ungewöhnlich hoher Temperaturen nach 64 Läufern abgebrochen werden – es war der erste Ausfall seit 2000 und überhaupt erst der vierte in der fast 40-jährigen Geschichte nach 1994, 1996 und 2000. 2020 dann fiel das Rennen der Coronapandemie zum Opfer – genauso wie der gesamte Skiwinter.

Wer in Obereggen gut fährt, tankt in der Regel Selbstvertrauen für die Saison. In einem Olympiawinter wie diesem muss stellvertretend das Beispiel von Giuliano Razzoli genannt werden, der sich wenige Wochen nach seinem Obereggen-Triumph von 2009 zum Olympiasieger kürte.
Apropos Olympia: Wer nie in Obereggen am Start war, wird auch nie eine Olympiamedaille gewinnen! So oder ähnlich lassen sich die Ergebnislisten in den technischen Disziplinen der jüngsten zwei Olympischen Winterspiele in Sotchi (2014) und Pyeongchang (2018) interpretieren. Sowohl in Sotchi als auch in Pyeongchang landeten auf dem Podest von Slalom und Riesentorlauf ausschließlich ehemalige Obereggen-Starter.
Amtierender Slalom-Olympiasieger ist „Mister Obereggen“ Andre Myhrer (Sieger 2004, 2005, 2007 und 2010). Hinter ihm holte in Pyeongchang der Schweizer Ramon Zenhaeusern Silber, der ein Stammgast in Obereggen ist und als beste Ergebnisse einen zweiten (2015) und einen vierten (2017) Platz vorweisen kann. Bronze ging bei Olympia 2018 an Michael Matt, der 2011 in Obereggen mit 18 Jahren sein Europacupdebüt gefeiert hatte.

DIE KLINGENDEN NAMEN.

Nach Obereggen kommen sie irgendwann alle. Entweder tun sie es als junge, vielversprechende Talente, oder sie tun es als etablierte Weltcupstars auf der Suche nach Wettkampfpraxis.
Der amtierende Weltcupgesamtsieger Alexis Pinturault sah interessanterweise bei drei Obereggen-Starts (2008, 2009 und 2010) nie das Ziel.

Hingegen landete Marcel Hirscher, mit acht Weltcupgesamtsiegen in Folge, sieben Weltmeistertiteln und zwei Olympiasiegen der erfolgreichste Skirennläufer aller Zeiten, in Obereggen 2007 als 18-Jähriger auf dem dritten Rang.
In der langen Liste an Weltcupsiegern, Weltmeistern und Olympiasiegern, die in Obereggen auf dem Podest standen, finden sich neben Andre Myhrer, Marcel Hirscher und Giuliano Razzoli unter anderem auch Reinfried Herbst, Manfred Pranger, Alberto Tomba, Benjamin Raich, Stephan Eberharter, Kristian Ghedina, Luc Alphand, Tomas Fogdoe, Rudi Nierlich, Armin Bittner und Peter Müller.

DIE ORGANISATOREN.

Dass Obereggen im Skizirkus einen so guten Ruf genießt, ist der akribischen Arbeit der Organisatoren zu verdanken. Der SC Rosengarten, der SC Eggen, die Skischule Obereggen und die Obereggen AG leisten Jahr für Jahr ganze Arbeit. Rennleiter und OK-Präsident ist Eduard Pichler.

DIE UNVERGESSENEN.

Gewidmet ist der Europacup in Obereggen seit seiner Geburt den beiden Eggentaler Brüdern Karl und Peter Pichler, die beide für den Skisport lebten und beide auf tragische Weise ums Leben kamen, als sie wieder einmal für „ihren“ Sport unterwegs waren – Peter 1977 bei einem Lawinenunglück am Jochgrimm, Karl 1982 bei einem Verkehrsunfall in Neuseeland, wo er sich als Trainer der italienischen Nationalmannschaft aufhielt.
Eng verbunden ist der Europacup von Obereggen noch mit einem weiteren Namen: Mitbegründer Bruno Fusmini war von 1983 bis 1999 Rennleiter.
Erstmals findet der Europacup heuer ohne Jakob Kerer statt, der im Sommer 2020 verstorben ist. Er war seit Anbeginn Mitglied des Organisationskomitees.

DAS FERNSEHEN. Der Europacupslalom von Obereggen, wird nachträglich im Fernsehen gezeigt, und zwar auf Rai Sport am Freitag, 17. Dezember, ab 13 Uhr im Anschluss an den Weltcup-Super-G von Gröden.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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