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Verständnis & Vertrauen

Das Institut für Allgemeinmedizin startet eine Sensibilisierungskampagne zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung.

In Arztpraxen und Krankenhäusern treffen Patient:innen und Ärztinnen und Ärzte aufeinander, die abweichende Erwartungen und Wünsche an das Gegenüber haben.

Die für eine gelungene Visite relevanten Aspekte, wie die Gesundheitskompetenz, der Eigenbeitrag oder die Selbstinformation, werden von Ärztinnen und Ärzten anders eingeschätzt, als von ihren Patient:innen. Die deutliche Asymmetrie in der Arzt-Patienten-Beziehung bestätigt eine Studie, die von der Freien Universität Bozen und der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin SAKAM, weitergeführt vom Institut für Allgemeinmedizin und Public Health der Claudiana, in Zusammenarbeit mit der Forschungseinrichtung  Apollis durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse der Studie wurden in vier Kurzvideos zusammengefasst. Ab sofort sind diese in den Wartesälen der Südtiroler Krankenhäuser sowie in den Regionalzügen zu sehen.

Nun wurde die Sensibilisierungskampagne von den Verantwortlichen des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health, der Freien Universität Bozen und des Südtiroler Sanitätsbetriebes an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana in Bozen vorgestellt.

Verständnis und Vertrauen:

„Die Qualität eines Arzt-Patienten-Gesprächs hängt vor allem von der Beziehung ab, die zwischen dem Arzt oder der Ärztin und den Patient:innen besteht. Dabei gibt es zwei Elemente, die nicht fehlen dürfen: Verständnis und Vertrauen“, sagte der Allgemeinmediziner und Wissenschaftliche Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Dr. Giuliano Piccoliori. Nur wenn Ärztinnen und Patient:innen eine gemeinsame Sprache sprächen, wenn der Arzt die Probleme seines Patienten verstehe und der Patient die Behandlungsvorschläge des Arztes nachvollziehen könne, nur dann verlaufe ein Behandlungsgespräch gut. Laut Piccoliori ist es wichtig, das gegenseitige Verständnis für das Gegenüber immer wieder anzustreben und zu überprüfen.

Die Ressource „Patient:in“ fördern:

Während ein Großteil der Patient-Arzt-Studien das Ziel hätten, den „Service am Patienten“ zu verbessern, sagte der Präsident des Instituts Adolf Engl, stelle diese Studie die Kommunikations- und Handlungspotentiale der Patient:innen in den Vordergrund. Erfahrungsgemäß, fügte Dr. Engl hinzu, führe die Visite zu einem besseren Ergebnis, wenn  Patient:innen ihre Wünsche und Präferenzen äußern und gleichzeitig Verantwortung übernehmen. Die Kurzvideos sollten die Botschaft vermitteln, dass Patient:innen selbst enorm wichtig für ein gelungenes Behandlungsgespräch sind. „Es ist das Ziel dieser Sensibilisierungskampagne, die Ressource „Patient:in“ zu stimulieren und zu fördern“, erklärte Engl bei der Pressekonferenz.

Die Sensibilisierungskampagne wird vom Südtiroler Sanitätsbetrieb unterstützt. „Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patientin oder Patienten ist die Basis jeder Behandlung. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen das Misstrauen gegenüber Institutionen und Wissenschaft bei manchen größer ist, als das Vertrauen, ist es wichtig, diesen Aspekt besonders hervorzuheben,“ sagte der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer nach der Vorstellung der Videos.

Der Hintergrund:

Angeregt wurde die Videokampagne von einer multimethodischen Untersuchung zur Qualität der Arzt-Patient-Interaktion. Die Untersuchung wurde im Jahr 2018 von der Forschungseinrichtung Apollis, im Auftrag der Freien Universität Bozen, durchgeführt. Für die Studie waren 506 Patient:innen und 109 Hausärztinnen und Hausärzte befragt worden. Die Umfrage kam zum Ergebnis, dass Ärztinnen und Ärzte sowie Patient:innen unterschiedliche Erwartungshaltungen und Wünsche an ein Arzt-Patienten-Gespräch haben. Besonders Patient:innen hatten laut der Umfrage die Bedeutung ihres Eigenbetrags unterschätzt.

Diese und weitere Ergebnisse waren in eine Sensibilisierungskampagne eingeflossen, mit der das Institut gezielt die Ressource „Patient:in“ stärken wollte, um so wiederum das Arzt-Patienten-Gespräch positiv zu verändern.

Die Umsetzung und Finanzierung der Kampagne hatte anschließend die Freie Universität Bozen übernommen. „Die Universität ist immer darum bemüht, der Bevölkerung Forschungsergebnisse zugänglich zu machen“, betonte Prof. Walter Lorenz, der ehemalige Rektor der Freien Universität Bozen, im Rahmen der heutigen Pressekonferenz. Diesem wichtigen Auftrag kam und komme die Universität Bozen nach, ganz besonders im Bereich der Gesundheits- und Sozialforschung.

Startschuss für die Sensibilisierungskampagne

Die zweisprachigen Kurzvideos wurden vom Grafikdesigner Hannes Pasqualini realisiert. Ab dem 1. Dezember 2021 werden sie regelmäßig auf den Monitoren der Wartesäle in den Südtiroler Krankenhäusern und auf den Monitoren in den Regionalzügen in Südtirol gezeigt. Die Videos sind auch auf dem Portal für Gesundheit www.institut-allgemeinmedizin.bz.it  zu sehen.

LINKS zu den Videos:

https://www.youtube.com/watch?v=NFAQ8Bj09rk

https://www.youtube.com/watch?v=PYQbDVAbcAM

https://www.youtube.com/watch?v=QRSegLsyJls

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (3)

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  • bernhart

    Hausarzt ist Vertrauensache.
    Schon wieder wird Geld zum Fenster hinaus geworfen.
    Hausärzte sollte mit mit Bürokratie überlagen werden, sie sollten nicht Sekretär vom Sanitätsbetrieb sein, heute wird alles komplizierter gemacht als das ganze schon ist.
    Hausärzte sind für die Bevölkerung das Wichtigste und da helfen auch diese Vidios nichts.
    Ich Habe mit meinem Hausarzt ein Freundschaftliches verhältnis.

    • meinemeinung

      ach deswegen immer diese häufigen Krankmeldungen, ich bin froh wenn ich keinen brauche, ansonsten ins Spital ,weil der Hausarzt darf eh nix machen, außer Medikamente verschreiben die man eh schon alle kennt ,Antibiotika ,Asperin und Schmerzmittel

  • klum

    Es braucht weder Studien noch teuere Werbekampagnen und schon gar keine doofen Videos. Ein Hausarzt braucht sich eigentlich nur die Zeit für seine Patienten nehmen. Einige tun das, und andere sehen ihre Pappenheimer jahrelang nicht. Und andererseits raunzen die Hausärzte und wollen jede Zusatzleistung monetär ersetzt wissen. Ordinationszeiten von nur 2 bis 3 Stunden täglich (keine Hausbesuche usw.) sind übrigens nicht die Ausnahme. WER soll hier sensibilisiert werden?

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