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„Wir sind besorgt“

Foto: Dachverband für Soziales und Gesundheit EO/ Pixabay

Der Dachverband für Soziales und Gesundheit äußert seine Sorge über die finanzielle Ausstattung des Sozialbudgets. 

Vor kurzem hat Landeshauptmann Arno Kompatscher den Sozialpartnern und den Vertretern des Dritten Sektors der Entwurf des Landeshaushaltes 2022 vorgestellt.

Der Dachverband für Soziales und Gesundheit äußerte dabei seine Sorge über die finanzielle Ausstattung des Sozialbudgets.

Der Landeshauptmann hat deshalb betont, dass das Sozialbudget den Nachtragshaushalt berücksichtigend keine Einschnitte erfahren wird. Das sei begrüßenswert, so der Dachverband in einer Aussendung.

Auf die bestehenden und kommenden Herausforderungen sei aber aus Sicht der Sozialorganisationen jetzt aktiv zu reagieren. Dazu brauchte es in einigen Bereichen auch zusätzliche Mittel.

Das sind die wichtigsten Punkte, die der Dachverband auflistet:

  • Es ist unbedingt notwendig, den bestehenden Pflegenotstand schnellstens zu beheben. Den (nicht nur) pandemiebedingten Engpässen in den Seniorenwohnheimen und den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und psychisch kranke Menschen muss kurzfristig mit Maßnahmen zur Aufwertung der Sozialberufe begegnet werden. Dazu gehören spürbare Lohnerhöhungen sowie weitere konkrete Schritte hin zu einer deutlichen gesellschaftlichen Aufwertung dieser Berufsfelder. Gleichzeitig muss in die Ausbildung investiert werden. Um den aktuellen und zukünftigen Personalbedarf abzudecken, wird es neben der traditionellen Vollzeitausbildung zusätzlich berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeiten für Quereinsteiger/innen brauchen.
  • Für Menschen mit Behinderungen, psychischer Erkrankung und Suchterkrankungen braucht es verstärkte Anstrengungen im Bereich der Arbeitseingliederung, des selbständigen Wohnens und der Mobilität. Ein Schlüsselbegriff der UN-Nachhaltigkeitsziele, denen sich die Landesregierung verpflichtet hat, ist die Inklusion.  Den Herausforderungen künftiger Krisen kann man nur nachhaltig begegnen, wenn man niemanden zurücklässt. Das Gesetz über Teilhabe und Inklusion aus dem Jahr 2015 muss in diesem Sinn dringend weiter umgesetzt werden. Die von der Pandemie beeinträchtigten stationären und vor allem teilstationären Einrichtungen (Einrichtungen der Arbeitsbeschäftigung und Tagesförderstätten) für Menschen mit Behinderungen müssen wieder in vollem Umfang funktionieren können und wo notwendig ausgebaut werden, um Wartelisten abzubauen. Dasselbe gilt für die Seniorenwohnheime.
  • Zur Vermeidung von sozialen Schieflagen, Verarmung und Ausgrenzung muss viel mehr in die Präventionsarbeit investiert werden. Dazu gehören auch Investitionen in die Forschung. Es müssen Projekte unterstützt werden, die personenzentriert ausgerichtet sind und Menschen mit Unterstützungsbedarf zu einem selbständigen Leben verhelfen. Gleichzeitig ist unnötige Abhängigkeit von Hilfesystemen abzubauen und zukünftig zu vermeiden.
  • Eine Aufwertung des zivilgesellschaftlichen Engagements ist notwendig. Die Bedeutung des Dritten Sektors ist anzuerkennen, durch eine Kultur des gemeinsamen Programmierens („co-programmazione“). Mitbestimmung und Partizipation der direkt Betroffenen und ihrer Familien müssen spürbar werden in konkreten Handlungsschritten. Die Bedeutung des Dritten Sektors ist auch anzuerkennen durch eine Kultur der gemeinsamen Projektierung („co-progettazione“) von Diensten und Einrichtungen. Gemeinnützige, im Territorium verankerte Dienstleister, erbringen nicht bloß Leistungen, sondern sind darüber hinaus auch Motoren für eine zielgerichtete gesellschaftliche Entwicklung.
  • Das Soziale muss als Querschnittaufgabe aller Bereiche verstanden werden. Es gibt viele Unternehmer, die ihre soziale Verantwortung anerkennen und umsetzen und die in ein Netzwerk mit den Sozialdiensten und den anderen gesellschaftlichen Bereichen (Bildung, Kultur) eingebunden werden sollten.

Alle diese Maßnahmen und noch weitere notwendige Entwicklungsschritte müssten in dem zu erstellenden Sozialplan zusammenfließen, damit von allen beteiligten Akteuren zielgerichtet und koordiniert gehandelt werden kann, so der Dachverband abschließend.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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