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Busse ohne Entwerter

Der Südtirol Pass (Foto: Lpa/Pertl)

Weil seit heute Busse ohne Entwerter im Einsatz sind, müssen Südtirol-Pass-Nutzer vorab online entwerten. Die Hintergründe.

von Heinrich Schwarz

Dass der Übergang von Buslinien von der SAD an andere Unternehmen nicht reibungslos über die Bühne gehen wird, war vorauszusehen. Jetzt kommt es effektiv zu Problemen, die vom Land sehr kurzfristig kommuniziert werden. Der Reihe nach:

Mit dem heutigen Sonntag, 14. November übernimmt die SASA rund 30 Buslinien, die aus dem Umland in die Stadtzentren von Bozen und Meran führen. Darunter etwa jene in Passeier, Ulten und Sarntal sowie die Hauptlinien im Unterland und Überetsch. Die Landesregierung hatte diese Linien, die bisher vorwiegend die private SAD von Ingemar Gatterer bediente, an die Inhouse-Gesellschaft SASA übertragen.

Das Problem: Zwischen SAD und Land behängt ein Rechtsstreit in Bezug auf den automatischen Übergang der Linienbusse an den neuen Betreiber. Die SAD überträgt einige ihrer Busse nicht an die SASA.

Laut Ingemar Gatterer gibt sein Unternehmen über 70 Busse an die SASA ab. „Es handelt sich dabei um die letzten angekauften Busse. Im entsprechenden Förderdekret steht, dass im Falle einer Anweisung zur Abtretung an eine Inhouse-Gesellschaft dies entgeltlos zu erfolgen hat. Dem sind wir nachgekommen“, erklärt der SAD-Chef.

Weitere rund zehn Busse – allesamt lange 18-Meter-Busse, die im Überetsch-Unterland im Einsatz sind – vermiete die SAD an die SASA. „Dazu gab es Verhandlungen. Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, der angenommen wurde“, erläutert Gatterer. Und einige weitere Busse stehen laut ihm hingegen nicht zur Diskussion.

Der SASA stehen also nicht alle Überlandbusse zur Verfügung, die bisher im Einsatz standen, sodass sie sich anderweitig organisieren muss. Die Konsequenz davon stand – etwas versteckt – in einer Aussendung der Landespresseagentur über die neue Möglichkeit, den Südtirol Pass oder Euregio Family Pass auch über die „südtirolmobil“-App am Smartphone zu entwerten. In der Mitteilung heißt es, dass ab Mitte November einige Busse zum Einsatz kommen, die nicht mit Entwertungsgeräten ausgestattet sind.

Die Folge ist, dass die betroffenen Fahrgäste ihren Pass schon vor der Fahrt online entwerten müssen, um nicht schwarz zu fahren.

Martin Vallazza, Direktor der Landesabteilung Mobilität, bestätigt und erklärt: „Nutzer des Abo+ und des Abo65+ müssen den Pass nicht entwerten, sondern er gilt als Sichtausweis. Wer hingegen den Südtirol Pass oder Euregio Family Pass hat, muss auf den betroffenen Bussen über die App die Entwertung durchführen. Das werden wir den Nutzern entsprechend mit einer Informationskampagne kommunizieren – auch mit Tutorial-Videos.“ Zudem werde man an den Haltestellen bekanntgeben, welche Linien betroffen sind.

Laut Vallazza wird es weiterhin die Möglichkeit geben, an Bord der Busse Einzelfahrscheine zu kaufen. Das ist aber teurer als die Entwertung des Südtirol Pass. Deshalb werde man zu Beginn etwas kulanter mit Personen sein, die nicht Bescheid wussten: „Man wird in den ersten Tagen auch noch an Bord die Online-Entwertung durchführen können“, so der Abteilungsdirektor.

Besonders für ältere Personen ohne großes technisches Wissen könnte es problematisch werden. Denn bei weitem nicht alle Senioren haben das Abo65+, da für dieses eine Jahresgebühr zu zahlen ist.

Martin Vallazza sagt, dass ab Sonntag rund 20 Busse ohne Entwerter unterwegs sein werden. „Man muss dabei bedenken, dass die SASA Buslinien mit 150 Bussen übernimmt. Die 20 Busse ohne Entwerter sind also eine Minderheit“, merkt Vallazza an. Außerdem werde man diese Busse vor allem für Schülerfahrten einsetzen, da die Schüler ihr Abo+ als Sichtausweis verwenden können. Somit werden die Einschränkungen laut Vallazza minimal sein.

Warum hat man nicht einfach zusätzliche Entwerter für die Busse angekauft?

Der Grund ist laut dem Abteilungsdirektor der aktuelle Aufbau eines neuen, moderneren Ticketing-Systems. Man habe deshalb nicht neue Entwerter ankaufen wollen, die in einem halben Jahr wieder durch neue Geräte ersetzt werden müssen. Mit der Online-Lösung könne man die Übergangsphase gut meistern.

Mitte Dezember könnte sich das Entwerter-Problem vergrößern. Dann werden nämlich die neuen Betreiber der restlichen außerstädtischen Busdienste starten. Die Neuausschreibung befindet sich in der Endphase. Laut den vorläufigen Rangordnungen verliert die SAD alle ihre Linien. Tritt das tatsächlich ein, wird die SAD kaum alle ihre Busse freiwillig und kostenlos abgeben.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (3)

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  • tirolersepp

    Keine Frage das Busdilemma hat uns Durnwalder hinterlassen !

  • saustall_kritiker

    Da waren wieder mal diese famosen Informatik-Schrubbler tätig, die davon ausgehen, dass jeder, der mit den Öffis fährt, ein Smartphone hat. Was überhaupt nicht stimmt.
    Die Autofirmen werden sich bedanken: Da hat die wirtschaftsfreundliche Landesregierung wieder mal etwas für ihren Absatz gemacht, indem sie den Zugang zu den Öffis einschränken.
    Tatsache ist, so einen Unsinn gibt es europaweit nicht. Es ist üblich, dass der Selbstkauf der Ticket als Möglichkeit angeboten wird, aber niemals als Pflicht. Man bekommt dann oft einen Skonto auf das Ticket, wenn man es online kauft.
    So ist es aber eine gewaltige Diskriminierung der Nicht-Handy-Besitzer/Nutzer, wenn diese für die Fahrt mehr zahlen müssen. Ausweg aus diesem von den praxisfremden Informatikschrubblern generierten Stumpfsinn: Leute sagt einfach, ihr zahlt das aufgezwungene teure Ticket einfach mit Bankomat. Die Schrubbler wollten das ja schon lange 🙂 🙂 .

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