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„Vorurteile aufarbeiten“

Bei einer Podiumsdiskussion wurde über das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft diskutiert.

Eine Villa im Grünen, die Bauern zahlen keine Steuer, die Bauern bekommen zu viele Förderungen: „Wir wollen mit der Gesellschaft in Kontakt treten und diese Vorurteile aufarbeiten. Wir müssen uns oft rechtfertigen, stehen vor vorgefertigten Meinungen, die einfach nicht stimmen“, so Landesbäuerin Antonia Egger. Sie lud  gemeinsam mit Astrid Derungs-Koller, Präsidentin des Bündner Bäuerinnen- und Landfrauenverbands, zum Bäuerinnen- und Landfrauentag Südtirol und Graubünden in Schlanders ein.

In der Podiumsdiskussion ging es gezielt um diese Themen. Dass diese Vorurteile auf einen kleinen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe zutreffen, mag vielleicht stimmen. Doch der Großteil der Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften tagtäglich von früh bis spät ihr Stückchen Erde mit viel Mühe und großer Leidenschaft.

„Viele der Leistungen sind unbezahlt, und das wird nicht erzählt, leider,“ sagte Landesrätin für Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege Maria Kuenzer in der Diskussionsrunde. „Wenn wir von Landwirtschaft reden, dann reden wir nicht nur von Kubatur, wir reden von Ernährung, von Kulturlandschaft, auf der andere Betriebe aufbauen können. Da steckt so vieles dahinter.“ Und da seien die Bäuerinnen gefordert, denn sie sind die idealen Botschafterinnen dafür.

Moderatorin Bertagnolli sprach auch das Thema biologische Landwirtschaft an. Es sei nicht wesentlich, ob ein Betrieb biologisch produziert oder nicht, wichtig sei das Vertrauen. „Wenn ich mein Produkt Menschen zugänglich mache, die es auch schätzen, schafft das Vertrauen, Beziehung und Nähe. Der Konsument sieht, woher es kommt, was dahintersteckt. Das ist wichtig!“, ist die Bio-Bäuerin Anna Bühler aus Urmein in der Schweiz überzeugt.

„Die Konsumentinnen und Konsumenten müssen dieses Vertrauen zur Landwirtschaft aufbauen“, meinte Duri Campell, Alt-Nationalrat und Landwirt aus S-chanf in Graubünden: „Man muss ihnen zeigen, dass wir nichts zu verbergen haben. Wir müssen transparenter sein, um Vertrauen zu erhalten.“ Auf großen Zuspruch traf die Aussage von Campell: „Wir sprechen nicht von Direktzahlungen oder Förderungen, sondern von Leistungszahlungen. Die Betriebe erhalten Geld für das, was sie für die Gesellschaft leisten.“

Wichtig sei, dass die Zusammenhänge verstanden werden. „Es fehlt einfach an Wissen, vor allem auch, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht“, sagte Siegfried Rinner, Bauernbund Direktor. Er sprach von der Landwirtschaft als grünes Fundament der Wirtschaft, als Garant für eine gute städtische und ländliche Entwicklung.

Das Interesse, was Landwirtschaft macht, sei zwar groß, doch die Diskussion werde oft einseitig geführt. Es bräuchte Dialogbereitschaft, ein differenziertes Hinschauen und was klar angesprochen wurde: Nicht immer nur dieselben negativen Geschichten weitererzählen, sondern von dem berichten, was die Bäuerinnen und Bauern wirklich tagtäglich auf ihren Höfen leisten.

Diese Kommunikation zu verstärken war ein klarer Auftrag an die Südtiroler Bäuerinnen und an die Bäuerinnen aus Graubünden beim Bäuerinnentag in Schlanders. „Vereint in einem großen Netzwerk tun wir uns leichter, und das wünsch ich mir“, sagte Landesbäuerin Antonia Egger zum Abschluss. Präsidentin Astrid Derungs-Koller schloss sich dem an: „Die Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus bringt uns weiter. Wir haben viele gemeinsame Themen wie z.B. Großraubwild, wo ein einheitliches Auftreten wichtig ist.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (11)

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  • andi182

    Ja ja dann möchte ich Mal die Steuerzahlungen mancher Bauern sehen.

  • andreas

    Sie sollten unterscheiden zwischen den Bergbauern mit Viehaltung, welche man unterstützen soll und Obstbauern, welche wenig Steuern zahlen, jammern als gäbe es kein Morgen und jeden Cent, den sie irgendwo abstauben können, nachrennen.

    Warum sind Südtiroler Obstgenossenschaften fast die größten Beitragsempfänger Italiens, so schlecht stehen die nicht da?
    Wie kann es sein, dass im Überetsch Villen als Urlaub auf dem Bauernhof gebaut werden konnten?
    Wie kann eine Landesrätin Deeg zusammen mit ihrem Mann, einem Gemeindesekretär, die Vorteile für Bauern in Anspruch nehmen?

    Vinschger Bauern, welche zugekaufte Marillen als eigene verkaufen und die obersten 5 gut sind, der Rest mit Macken oder faul und das ist mir nicht nur einmal passiert.
    Kastanien oder Honig, welche zugekauft sind, aber als eigene ausgegeben werden.
    Buschenschänke, welche Preise wie Spitzenrestaurants haben und die Qualität immer schlechter wird oder Bauernmärkte, wo am frühen Morgen italienische Unternehmen Hühnchen und Eier anliefern.

    Es steht den Bauern frei zu meinen, dass sie die Schlausten sind, vielleicht sollten sie aber berücksichtigen, dass nicht alles nur Vorurteile sind.
    Schon dass es den Apelbauern nicht zu blöd war, letztes Jahr die 600 Euro zu beantragen, sie durften immer arbeiten und die Preise waren selten so hoch, zeigt dass es nicht nur Vorurteile sind.
    Und den reichen Weinbauern die Miete für Keller zu zahlen, war auch keine Glanzleistung des Landes, es zeigt aber, dass die Lobbyisten der Bauern gut arbeiten.

    • klum

      Da ist leider einiges dran bzw. richtig! Es geht wohl darum, dass der Bäuerinnenstand schlicht und einfach nicht weiß wie es außerhalb ihren Standes funktioniert. Das ließe sich schnell ändern indem auch dieser Stand steuerlich und beitragstechisch gleich behandelt würde wie der Rest der Menschheit.

      • rumer

        @klum
        die Bäuerinnen wissen sehr wohl wie es außerhalb des Standes funktioniert. Sie selbst zahlen für ihre Tätigkeit bei Urlaub auf dem Bauernhof nämlich mehr Steuern als ein vergleichbares Hotel. Ihnen wird ein Gewinn von 25% unterstellt und darauf zahlen sie ganz normal Steuern, Welches Hotel weist einen Gewinn von 25% aus? Eher 5 oder maximal 10. Und dementsprechend zahlen die Hotels wenig Steuern,

    • ostern

      @andreas
      Ich kenne Kinder von Bauern, die trotz dass sie mit Landwirtschaft
      nichts zu tun haben, weil sie einen anderen Beruf ausüben, die
      landwirtschaftlichen Covit-Beiträge erhalten haben. Ist das die
      Gerechtigkeit und soziale Politik die die SVP in Südtirol betreibt?

  • ostern

    Das sind keine Vorurteile, das sind Tatsachen. Solange die
    Bauern nicht Steuern zahlen wie jeder andere Bürger, und
    Beiträge GLEICH wie jeder andere Bürger erhält, gibt es Neid und Hass.
    Da können Tagungen das ganze Jahr abgehalten werden,
    es ändert sich bestimmt NICHTS!!!
    Das sagt jeder NICHTBAUER in unserem Land Südtirol!!!

    • rumer

      @ostern
      solange es solche Deppen wie dich gibt, wird sich in deinen Augen auch nichts ändern.
      Du hast keine Ahnung von Steuersystemen, aber viel Unwissen.
      Die Beiträge kriegen die Bauern in ganz Europa, damit solche Hungerleider wie du sich wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit leisten können.

      • ostern

        @rumer
        Der größte Depp bist du, wahrscheinlich ein Bauer welchem in seinem Wörterbuch das Wort Steuern fehlt, sonst würdest du nicht
        so einen Blödsinn schreiben, Nur 1 Beispiel: für das Jahr 2021 zahlt der Bauer in Südtirol 0 (Null) Steuern an IRPEF(solltest du wissen was dieses
        Wort bedeutet).Sprechen wir nicht über die COVIT Beiträge!!! Etwa wegen Covit – Probleme?!?! Und, ich bin auch kein Hungerleider, und esse auch 2X am Tag eine warme Suppe und noch mehr. Deine Intelligenz ist wohl in den Äpfel oder Kartoffel begraben.
        Lies dir die obigen Komentare und du wirst sehen welches „obergscheides“ Komentar du abgegeben hast. Hirn einschalten bevor man sowas niederschreibt.

  • morgenstern

    Die Wertschätzung für unsere steuerprivilegierten Subventionsritter tendierte bereits gegen Null bevor Stimmen laut wurden die Kosten der Coronatests für Erntehelfer auf die Allgemeinheit abzuwälzen.
    Noch Fragen Frau Bäuerin??

  • exodus

    @rumer Wie können Sie sich mit Alperia vergleichen? Ich respektiere die Bergbauern, kein leichtes Leben, aber unsere Obstbarone, die jedes Jahr eine Wohnung dazukaufen, weil sie so wenig verdienen, aber bei den Steuern immer abwesend sind, die kann ich nicht respektieren.

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