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Die Gründe der Impfskepsis

Foto: LPA/ 123RF.com

Zunehmendes Alter, chronische Krankheiten und fundierte Information erhöhen die Covid-19-Impfbereitschaft.

Südtirols Impfquote liegt im italienweiten Vergleich sowohl bei den Pflichtimpfungen als auch bei der Covid-19-Impfung im hinteren Feld.

Das Institut für Allgemeinmedizin der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana will die Motive und Hintergründe für die lokale Impfskepsis genauer untersuchen und hat dazu, in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Landesinstitut für Statistik ASTAT, eine Stichprobenerhebung zum Thema Impfen durchgeführt.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass chronische Krankheiten in Zusammenhang mit zunehmendem Alter zu einer erhöhten Covid-19-Impfbereitschaft führen. Altruismus und Geschlecht haben hingegen keinen Einfluss auf die Covid-19-Impfbereitschaft der Menschen erkennen lassen.

In den Monaten März und April 2021 hat das Institut für Allgemeinmedizin der Claudiana in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Landesinstitut für Statistik ASTAT eine Stichprobenerhebung zum Thema Impfen durchgeführt.

Das ASTAT hat seine Ergebnisse im Frühsommer veröffentlicht (https://astat.provinz.bz.it/de/aktuelles-publikationen-info.asp?news_action=4&news_article_id=656216).

Das Institut hat die Studienergebnisse nun aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht neu ausgewertet.

Ziel der Umfrage war es, die Gründe für die Impfskepsis in der Südtiroler Bevölkerung zu verstehen und die skeptischen Gruppen zu identifizieren“, sagt die Leiterin der Studie und Mitglied des Forschungsteams Verena Barbieri. Über 4.000 volljährige Bürger:innen wurden zufällig ausgesucht und über den Postweg zur Teilnahme an der Onlineumfrage eingeladen. 1.425 Personen (Rücklaufquote von circa 32%) haben sich effektiv an der Studie beteiligt.

Covid-19-Schutzimpfung

„Würden Sie sich gegen Covid-19 impfen lassen?“, diese Frage haben 84 Prozent der Studienteilnehmer:innen mit Ja beantwortet. Im Vergleich dazu waren bis Ende August 2021 nur 68 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Südtirols mindestens einmal geimpft. Dieser Unterschied zwischen Impfbereitschaft und erfolgter Impfung ist in allen Altersgruppen erkennbar, erklärt der Wissenschaftliche Leiter des Instituts Giuliano Piccoliori.

„Die Gruppe der Covid-19-Genesenen könnte eine mögliche Erklärung für diesen großen Unterschied liefern, denn ihnen wird empfohlen, sich erst sechs Monate nach der Genesung impfen zu lassen. Berücksichtigt man in der Auswertung der Umfrage nur die positiven Antworten jener Teilnehmer:innen, die angeben, bisher nicht an Covid-19 erkrankt zu sein, reduziert sich die Differenz zwischen Geimpften und Impfwilligen nämlich auf drei Prozent“, sagt Piccoliori.

Laut der Studienleiterin Verena Barbieri zeigt die Umfrage, dass sich chronisch kranke Menschen häufiger impfen lassen, als Personen ohne langfristige Erkrankungen. Zudem informieren sich Impfbefürworter:innen häufiger über die Schutzimpfung: Während 62 Prozent der Impfbefürworter:innen angaben, oft nach Informationen über die Covid-19-Impfung zu suchen, sind es bei den Gegner:innen nur 27 Prozent. Eine positive Einstellung zu den Pflichtimpfungen erhöht die Impfbereitschaft bei Covid-19 signifikant, während der Glaube an Verschwörungstheorien die Impfbereitschaft bei Covid-19 negativ beeinflusst.

Die Variablen Altruismus (Verantwortungsbewusstsein für das Allgemeinwohl), persönliches Wohlbefinden, Resilienz und Schulbildung haben hingegen keinen Einfluss auf die Covid-19-Impfbereitschaft, das hat die Auswertung der Umfrage ergeben. Auch die politische Einstellung der Teilnehmer:innen wurde dabei abgefragt, brachte jedoch keine signifikanten Unterschiede.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Impfbereitschaft zu. Dies korreliert stark mit dem Vorhandensein einer chronischen Erkrankung. Auch Personen, die mit Covid-19-Risikopatient:innen zusammenleben, lassen sich eher impfen, als Personen, in deren persönlichem Umfeld kein erhöhtes Krankheitsrisiko besteht.

Wie bereits angesprochen, spielt bei der persönlichen Einstellung zur Covid-19-Impfung das Vertrauen in Informationsquellen eine besonders wichtige Rolle. Dieses ist bei Impfbefürworter:innen generell höher als bei Impfgegner:innen. Besonders hoch ist das Vertrauen, laut Umfrageergebnis, in Informationen, welche von Mitarbeiter:innen in Gesundheitsberufen gegeben werden, gefolgt von Informationen lokaler Institutionen wie dem Bevölkerungsschutz und dem Sanitätsbetrieb und jenen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Am wenigsten vertrauen die befragten Bürgerinnen und Bürger Informationen aus TV- und Print-Medien, Schlusslicht bilden die Quellen Soziale Medien und Influencer.

Die Beweggründe für die Covid-19-Impfung sind aus den Ergebnissen klar ersichtlich: Über 90 Prozent der Impfbefürworter:innen haben in der Umfrage angegeben, sich impfen zu lassen, weil sie davon überzeugt sind, dass die Pandemie dadurch eingedämmt werden kann, und weil ihnen die Impfung empfohlen wurde. Die Impfgegner:innen nannten hingegen drei Gründe für ihre Entscheidung gegen eine Covid-19-Impfung: die unklaren Langzeitrisiken der Impfung (91%), die Gewinnorientierung der Pharmaindustrie (73%) und die Neuartigkeit der mRNA-Impfstoffe (72%). „Diese Antworten spiegeln die Befürchtung wider, dass die entwickelten Impfstoffe vor dem Hintergrund der Bedrohung durch die Pandemie und der gewinnorientierten Interessen der Pharmaindustrie unzureichend getestet sind“, sagt Christian Wiedermann, Internist und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeinmedizin.

Vergleich zwischen Covid-Impfung und Pflichtimpfungen

Teilnehmer:innen der Befragung, die Eltern eines Kindes im Alter bis sechs Jahre sind, wurden zudem gefragt, ob sie den bereits vorgeschriebenen Pflichtimpfungen für Kinder zustimmen. Bei dieser Fragestellung zeigte sich, dass sich die Gegner:innen der Covid-19-Impfung und der Pflichtimpfungen von Kindern ähneln. So sind ihr geringes Vertrauen in Informationsquellen und ihr Umgang mit Verschwörungstheorien vergleichbar.

Die Umfrage zeigt aber auch Unterschiede zwischen den beiden Gruppen auf, zum Beispiel bei der Informationssuche: Die Gegner:innen der Pflichtimpfung sind jeder Art von Information gegenüber skeptisch eingestellt, während Covid-19-Impfgegner:innen vor allem bei der Beurteilung der Informationen aus den Medien skeptisch sind und wenn es darum geht, sich an offizielle Impfempfehlungen zu halten.

Laut der Umfrage verläuft die Informationssuche auch bei den Befürworter:innen der Covid-19-Impfung und jenen der Pflichtimpfungen für Kinder unterschiedlich: Während 62 Prozent der Covid-19-Impfbefürworter:innen wenigstens einmal wöchentlich nach Informationen zur Impfung suchen, sind es bei den Befürworter:innen der Pflichtimpfung, im selben Zeitraum, nur 17 Prozent.

Das Fazit

Laut Studienleiterin Verena Barbieri zeigt die Umfrage, dass Informationen über die Impfung ganz unterschiedlich aufgenommen werden. So informieren sich Befürworter:innen der Covid-19-Impfung häufiger als Impfgegner:innen. Erstere vertrauen den Informationen auch mehr. Bei den Gegner:innen der Impfung überwiegt das Misstrauen gegenüber gängigen Informationsquellen und es herrscht die Überzeugung vor, dass den Bürger:innen von Seiten der Politik Vieles verschwiegen wird.

Um das Vertrauen in die Impfung unter den Südtirolerinnen und Südtirolern zu erhöhen, rät das Forschungsteam zu zielgruppenorientierteren und wissenschaftlich fundierten Informationen. Es erscheint sinnvoll, Mitarbeiter:innen in Gesundheitsberufen und den Bevölkerungsschutz in die Informationsvermittlung und den Informationsaustausch noch stärker miteinzubeziehen, mit dem Ziel, Zweifeln in der Bevölkerung entgegenzuwirken und Sicherheit im Umgang mit Informationen zu vermitteln. Das Land Südtirol und der Sanitätsbetrieb bieten der Bevölkerung umfassende Informationen zu den Impfstoffen an: https://www.coronaschutzimpfung.it/de. Das Institut für Allgemeinmedizin unterstützt Hausärztinnen und Hausärzte, indem es wissenschaftlich fundierte Informationen zu Verfügung stellt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

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  • tirolersepp

    Impfgegner sprechen eine andere Sprache und diese gilt es zu verstehen !

  • gredner

    Deiser Artikel ist mit all seinen :innen-Anhängseln schwer lesbar. Einfach nur krank, dieses Gender-Gehabe.

    • giuseppebordello

      Genau, bei dieser Gendersprache muss man sich ja sprichwörtlich übergeben. Ich schlage vor, wir verwenden nur mehr das „innen“. Bin sicher kein Mann würde sich darüber aufregen. Dafür müsste man eine Frau der Neuzeit sein, um sich darüber aufregen zu können.

  • emma

    man soll alle die gender reden und schreiben gegen wahnsinn ippfen

  • sonderweg

    Meine Mutter (72) hatte bereits Corona und nach langem hin und her hat sie sich am Dienstag das erste Mal impfen lassen. Der Arzt meinte die 2 Dosen geben wir ihr sicher auch noch in 2 Wochen. Und es ist eh nur ein kleiner Picks und in dem Alter gibt es überhaupt keine Probleme. Heute ist Freitag. Seit 4 Tage erkenne ich sie nicht wieder. Sie ist wirr im Kopf, hat Schüttelfrost, bleibt nur mehr im Bett. Wenn es morgen nicht besser wird liefere ich sie im Krankenhaus ein.

  • giuseppebordello

    Verschenke “meine” Impfdosen” (1.,2.,3.,4.?) nach Afrika. Bitte rettet dort ein Leben für mich, wenn ihr meint! Vergelt’s Gott!

  • sougeatsnet

    Ich habe da einige Fragen:
    1) „Institut für Allgemeinmedizin der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana“, was ist das?
    2) eine Onlinumfrage wird per Brief abgefragt? Ich denke, dass so etwas nicht wissenschaftlich genug ist und in keinster Weise eine repräsentative Stichprobe darstellt. Zwar hat man die Mindestanforderung von n größer 1000 erfüllt, aber das sind dann keine Zufälligen. Die Folgerungen daraus sind leider nicht viel Wert. Daher macht es das nächste mal besser!

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