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„Zehn Prozent sind No-Vax“

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Obwohl die Green-Pass-Pflicht seit einer Woche in Kraft ist, gab es keinen deutlichen Anstieg an Corona-Impfungen in Südtirol. Mit welchen Anreizen der Sanitätsbetrieb nun die letzten Skeptiker überzeugen will. 

von Markus Rufin

Seit dem 15. Oktober gilt die Green-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz. Rund 40.000 arbeitstätige Personen sind in Südtirol laut Schätzungen des Landes noch ungeimpft. Diese Zahl dürfte sich aber weiterhin reduzieren.

Zumindest ist davon auszugehen, sagt der stellvertretende Covid-Einsatzleiter Patrick Franzoni: „Im Moment läuft es recht gut. Sowohl zum Impfbus als auch zu den freien Impftagen kamen in den letzten Tagen viele Personen. Es handelt sich dabei primär um Erwachsene, also um Personen, die eben den Green Pass brauchen. Im Moment zeigt der Green Pass die gewollte Wirkung, obwohl er nur wenig kontrolliert wird.“

Das zeigt: Viele der ungeimpften Südtiroler schwanken also noch, warten die nächsten Tage ab, könnten aber eventuell umgestimmt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass dieser Impfboom nicht lange anhält.

Denn wer sich trotz Green-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz und gleichzeitig strengen Kontrollen nicht impfen lässt, wird dies auch später wohl nicht mehr tun. Ein Ende der Impfbereitschaft könnte sich also abzeichnen.

Wie viele Südtiroler werden sich also noch von der Impfung überzeugen lassen? Eine eindeutige Antwort darauf hat Franzoni nicht: „Ich glaube, dass rund zehn Prozent der Bevölkerung der No-Vax-Bewegung angehören, die wir ohnehin nicht erreichen werden. Das heißt aber auch, dass wir noch viele überzeugen können.“

Derzeit sind rund 80 Prozent der impfbaren Bevölkerung in Südtirol geimpft, das heißt, laut Franzonis Rechnung dürften sich noch rund zehn Prozent umstimmen lassen.

Hierzu sei es wichtig, weiterhin Aufklärung zu betreiben, denn es handle sich vor allem um Personen, die Ängste haben und zweifeln. Der Covid-Einsatzleiter warnt diesbezüglich vor einer Spaltung der Gesellschaft: „Ich beobachte, dass Ungeimpfte als die Bösen dargestellt werden und Geimpfte hingegen gut sind. Das finde ich aber nicht gut. Wir müssen weiterhin Aufklärung betreiben und Informationen sauber kommunizieren. So wird es uns gelingen, mehr Personen zu impfen.“

Um der Bevölkerung entgegenzukommen setzt der Sanitätsbetrieb nun auf neue Aktionen. Der Impfbus wird mit Oktober seine Rundfahrt einstellen. Stattdessen sind seit der vergangenen Woche Impfcontainer im Einsatz. Diese können bei Events für zwei bis drei Tage aufgestellt werden. „Wir haben beim Impfbus gesehen, dass dieser besonders gut funktioniert hat, wen ohnehin viele Menschen vor Ort sind, sprich, bei einem Fest oder ähnlichen Veranstaltungen. Dadurch sehen die Leute, wie einfach und niederschwellig die Impfung angeboten wird und überlegen es sich“, ist sich Franzoni sicher.

Daten aus anderen Ländern zeigen laut dem Covid-Einsatzleiter, dass es nach wie vor wichtig ist, mehr Personen zur Impfung zu bewegen. So steigen die Zahlen beispielsweise in Dänemark, aber auch in England, wo bereits von einer neuen Subvariante von Delta gesprochen wird, die noch ansteckender sein soll.

In Südtirol war letzthin, ähnlich wie in anderen Ländern, ein leichter Anstieg an Infektionen, aber auch ein leichter Anstieg der hospitalisierten Personen zu verzeichnen. Daher sei derzeit noch Vorsicht angebracht, meint Franzoni: „Mir macht besonders das Törggelen große Sorgen, weil nicht viel kontrolliert wird, es wird gesungen und geschrien und die Hygiene-Vorschriften werden auch missachtet.“

Derzeit sei die Lage jedenfalls unter Kontrolle, was auch dem Green Pass zu verdanken ist. „Dadurch können wir ungeimpfte Positive schnell isolieren und so verhindern, dass andere Leute angesteckt werden.“

Ob die Kombination aus einer Impfbeteiligung von 80 Prozent der impfbaren Bevölkerung und Green Pass aber ausreicht, um sicher durch den Winter zu kommen, wagt Franzoni noch nicht zu sagen: „Für mich ist der Stichtag der 15. November. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die meisten Aktivitäten in die Innenräume verlagert und wenn sich dann nichts an der Lage ändert, können wir Planungen für den Winter machen.“

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