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Fehlende Schiris

Wegen dem akuten Schiedsrichtermangel mussten in den Südtiroler Amateurligen Fußballspiele verschoben werden. Wenn die Vereine nicht reagieren, könnte es sogar noch schlimmer werden.

von Markus Rufin

Mit großer Freude startete vor rund zwei Monaten der Südtiroler Amateurfußball nach rund einem Jahr Stillstand wieder. Mittlerweile dürfen, wie gewohnt, alle Meisterschaften in allen Altersklassen ausgetragen werden.

Doch bereits jetzt stellen sich auch alte Probleme wieder ein. Eines der größten Probleme ist der Schiedsrichter-Mangel in Südtirol. Dieser besteht bereits seit Jahren. Es kommt nicht selten vor, dass Südtiroler Amateurmannschaften auf Unparteiische aus dem Trentino oder aus Venezien zurückgreifen müssen, um alle Spiele abdecken zu können. Im Jugendbereich werden eigentlich pensionierte Schiedsrichter eingesetzt.

Doch während der Pandemie hat sich die Krise nochmals verschlimmert. Am vergangenen Wochenende mussten Spiele der 2. Und 3. Amateurliga sogar verschoben werden. Auch kommende Woche wird das der fall sein. In der Landesliga, in der eigentlich auch Linienrichter vorgesehen sind, mussten Betreuer diese Aufgabe übernehmen.

Der Vorsitzende Des Landesverbandes der Schiedsrichtervereinigung AIA, Flavio Braghini, bestätigt, dass sich der Schiedsrichter-Mangel auf einem Höchststand befindet: „Wir hatten im Vergleich zum restlichen Italien schon immer Schwierigkeiten, weshalb wir auch auf Schiedsrichter aus dem Trentino oder aus Venezien zurückgegriffen haben, nun ist die Lage aber nochmals dramatischer geworden.“

Das liegt auch an der Pandemie. In ganz Italien hat sich die Zahl der Schiedsrichter in den letzten zwei Jahren laut Braghini reduziert. Das hat zur Folge, dass die anderen Verbände nicht mehr so viele Schiedsrichter wie sonst üblich nach Südtirol schicken können.

Es handelt sich dabei um erster Linie um ein Nachwuchs-Problem, das durch den Lockdown verstärkt wurde, glaubt Braghini: „Während des Lockdowns konnte niemand Schiedsrichter-Lehrgänge anbieten. Danach war es für junge Leute aber wichtiger, sich mit Freunden zu treffen und die Freiheit zu genießen, anstatt irgendwelche Kurse zu besuchen.“

Die Ausbildung zum Schiedsrichter zähle für junge Menschen nach dem Lockdown nicht mehr zu den wichtigsten Prioritäten.

Dennoch setzt der lokale Verband nun wieder auf die Lehrgänge: „Wir hoffen, dass sich wieder einige melden. Wir bieten Kurse sowohl in Meran als auch in Bozen an. Zehn Personen haben sich bereits gemeldet. Wir hoffen, dass wir bis Ende des Jahres 20 bis 25 neue Schiedsrichter ausbilden können.“In Südtirol sei das aber nicht einfach.

Der Schiedsrichter-Mangel in Südtirol könnte noch weitreichendere Folgen als die Verschiebung von einigen Partien in der Amateurliga mit sich tragen. Sollte sich nicht bald etwas an der Situation ändern, gibt es für den Schiedsrichter-Präsidenten in Südtirol nur zwei Optionen: „Entweder wir lassen weitere Spiele ausfallen, oder wir verschieben sie einfach. Wenn wir mehr Spiele unter der Woche austragen, dann fällt es einfacher, diese abzudecken.“

Unabdingbar dafür ist aber die Mithilfe der Vereine. Sie müssen einer Verschiebung der Spiele unter der Woche zustimmen. Im Amateurfußball sind englische Wochen aber äußerst unbeliebt. Allerdings ist das die einzige Möglichkeit, um zu verhindern, dass weitere Spiele ausfallen.

Zudem ist die Mithilfe der Vereine auch in Sachen Nachwuchsarbeit gefragt. Braghini: „Wir haben in Vergangenheit bereits mehrfach darüber mit den Vereinen gesprochen, wir können aber auch nicht mehr tun, als auf das Problem hinzuweisen. Die Vereine müssen verstehen, dass sie mithelfen müssen.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (2)

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  • keinpolitiker

    Herr Braghini, dieses Problem ist wieder hausgemacht.

    In Südtirol werden diese Kurse zum größten Teil immer nur in Bozen oder Meran angeboten. Wieso nie in Brixen oder Bruneck.

    Für das Pustertal ist es sehr beschwerlich immer nach Bozen zu fahren wegen einem Kurs,´denn die Pustertalerstraße ist bekanntlich immer verstopft und aus den Seitentälern nach Bozen zu fahren, fährt man immerhin zwischen 1 und 1 1/2 Stunden nach Bozen.

    Genau gleich war es immer mit den Trainerkursen.

    Besser Angebote machen und sollten die auch nicht angenommen werden, ist die Sache eine andere und für viele schreckt es ab, wenn die Kurse nur in italienischer Sprache abgehalten werden.

  • billy31

    Das Niveau der Schiedsrichterbeleidungen ist nach wie vor hoch. Ob das nicht auch ein Mitgrund der mangelnden Begeisterung ist?

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