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Risse in der Staumauer

Stausee in Olang (Foto: Alperia)

In der Mauer des Olanger Stausees sind Risse zu erkennen: Geht von ihnen eine Gefahr aus? Wie das Bauwerk überwacht wird, woher die Risse stammen und warum sie kein Grund zur Beunruhigung sind.

von Silke Hinterwaldner

Eine solche Nachricht sorgt immer für Besorgnis: Der Staudamm von Welsberg weist zwei deutlich sichtbare Risse aus. Und im Gefahrenzonenplan ist Bruneck Ost zu einem guten Teil als „blaue Zone“ eingetragen, was „hohe hydrologische Gefahr“ bedeutet. Heißt das nun, dass der Staudamm im schlimmsten Fall brechen und die Zone im Osten der Stadt überfluten könnte?

Ein derartiges Szenario ruft Erinnerungen an den 9. Oktober 1963 wach, an dem ein Bergrutsch in den Stausee von Vajont abging. Die Flutwelle hat rund 2.000 Menschen getötet. Und im Juli 1985 starben in Stava knapp 300 Menschen als zwei Dämme eines Beckens für das Bergwerk brachen.

So etwas sollte nie wieder passieren. Entsprechend werden Staumauern, Stauseen und alles, was damit zusammenhängt, besonders gut überwacht. Aber zurück nach Bruneck. Auf eine Anfrage von Diego Nicolini, Abgeordneter der Fünf-Sterne-Bewegung im Landtag, hat der zuständige Landesrat eine ausführliche Antwort geliefert. Arnold Schuler schreibt darin: Grundsätzlich gelten hohe Sicherheitsstandards für Staumauern. Die Überwachung von Dämmen erfolgt in erster Linie durch den Betreiber des E-Werkes, in diesem Fall Alperia Greenpower. Außerdem kommen halbjährlich die Techniker des für die Überwachung von Staumauern zuständigen Amtes aus Venedig. In Welsberg wird die Mauer grundsätzlich 24 Stunden beobachtet, erklärt die Betreibergesellschaft.

Bei der letzten großen Kontrolle der Staumauer im Juni erschienen die Staumauer und die gesamte Anlage in guten Zustand. Es wurden keine Anomalien festgestellt. Und was ist mit den sichtbaren Rissen in der Staumauer? Schuler antwortet: „Die kleinen Risse gehen größtenteils auf die Zeit der Inbetriebnahme des Staudamms zurück. Sie verteilen sich gemäß der geometrischen Beschaffenheit der Sperre. Die Ursache für ihre Entstehung ist in der Bauphase zu suchen, als der flüssige Beton langsam erkaltete.“

Im Jahr 2013 wurde die betroffene Zone einer eingehenden Analyse unterzogen. Diese hat ergeben, dass die Risse keinerlei Strukturproblem darstellen. Es gebe keine Absenkungen und keine Anzeichen für Abnutzung, die im Laufe der Zeit entstanden sein könnte. Die Risse seien kein Grund zur Beunruhigung, sie werden regelmäßig monitoriert: Um diese Überwachung zu erleichtern, erklärt Schuler, habe man sie mit roter Farbe markiert. Auch deshalb seien sie gut sichtbar. Aber eben ungefährlich.

Diese Antwort von Landesrat Schuler hat die Funktionäre der Fünf-Sterne-Bewegung nicht gänzlich zufriedengestellt. „Und trotzdem: Wir müssen uns wohl auf diese Versprechen verlassen“, sagt Barbara Medei, Gemeinderätin in Bruneck. Sie wollte das Thema noch einmal im Detail analysieren und hat eine zusätzliche Anfrage an den Bürgermeister von Bruneck gestellt, in der sie noch einmal auf die Situation in Bruneck Ost eingeht. Warum plant die Gemeinde eine Wohnzone im Osten der Stadt, obwohl dies im Gefahrenzonenplan blau eingezeichnet ist? Roland Griessmair antwortet: „Derzeit arbeitet man an einer Einigung in der Frage der Eigentumsregelung in der Zone Bruneck Ost, im Bereich des heutigen Eisstadions. Erst nach abgeschlossener Eigentumsregelung kann über die zukünftige Nutzung des Areals entschieden werden.“

 

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