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Gefälschte Green-Pässe

Foto: SABES/ 123rf

In den sozialen Netzwerken werden gefälschte Grüne Pässe zum Kauf angeboten. Die Postpolizei warnt: Wer mit einem gefälschten Zertifikat erwischt wird, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft.

von Artur Oberhofer

Die Antwort des Moderators der Telegram-Chat-Gruppe, die ohne Umschweife Grüne Covid-19-Zertifikate anbietet, kommt nach knappen drei Stunden: „Ciao, ti spiego brevemente come funziona …“

Also: Man solle umgehend die Daten übermitteln: Name, Nachname. Geburtsdatum. Wohnort. Und die Steuernummer bzw. die Nummer des Sanitätsausweises. Eine Ärztin, so erklärt der Administrator der Chat-Gruppe, mit der die Gruppe zusammenarbeite, werde in der Folge eine Impfbestätigung ausstellen. Der Green Pass in digitaler Form werde anschließend via E-Mail zugestellt – und könne dann als „gültiger Impf-, Test- oder Genesungsnachweis genutzt werden“.

In der Regel könne man den Green Pass innerhalb von drei Tagen ausstellen und aktivieren, verspricht der Administrator.

Kostenpunkt für einen gefälschten Green Pass: Zwischen 100 und 160Euro.

Die Papierversion des Green Passes in Papierform koste 120 bis 180 Euro – und werde per Post zugestellt.

Bezahlt wird mit Bitcoin, über Paypal, Ethereum oder auch mit Amazon- oder Zalando-Gutscheinen.

Der Gruppen-Admin verspricht: „Unsere grünen Zertifikate sind echte Dokumente (…). Die Dokumente enthalten aktive und funktionstüchtige QR-Codes.“

So einfach ist es, also, sich im Netz einen Grünen Pass zu beschaffen. Das Geschäft mit den gefälschten Grünen Pässen boomt. Was viele Menschen nicht wissen: Der Erwerb eines gefälschten Green Passes ist kein Kavaliersdelikt.

Die Käufer dieser Fake-Pässe riskieren nicht nur eine Haftstrafe und eine saftige Geldbuße – sie machen sich auch erpressbar.

Die erste Adresse für Leute, die sich einen gefälschten Grünen Pass besorgen möchten, ist der in Russland entwickelte Instant-Messaging-Dienst Telegram, der zum Lieblingsnetzwerk der internationalen No-Vax-Bewegung geworden ist. Auf Telegram können die Nov-Vaxler nach Belieben ihre Fake-Nachrichten, Hirngespinste und Verschwörungstheorien verbreiten. Auch wittern Trittbrettfahrer in diesem halbdunklen Netzmilieu das große Geld.

In zahlreichen Chat-Gruppen werden grüne Zertifikate frank und frei zum Kauf angeboten. Einige italienische Telegram-Gruppen, in denen die gefakten Grünen Pässe promotet werden, haben über 50.000 Mitglieder. „Auch wir“, so bestätigt Ivo Plotheger, der Chef der Kommunikations- und Postpolizei in Bozen, gegenüber der TAGESZEITUNG, „sind bereits von mehreren Personen auf diese Angebote aufmerksam gemacht worden.“

In den USA gibt es Chat-Gruppen mit über 450.000 Followern.

Ivo Plotheger warnt: „Der Erwerb und die Nutzung dieser gefälschten Pässe stellt eine Straftat dar.“

Die Staatsanwaltschaften von Rom, Mailand und Bari haben erst vor wenigen Tagen 32 Telegram-Gruppen, die gefälschte Grüne Pässe angeboten haben, geschlossen. Vier Personen wurden angezeigt, darunter zwei Minderjährige.

Die Postpolizei geht davon aus, dass mit Inkrafttreten Passpflicht für Berufstätige ab 15. Oktober die Nachfrage nach gefälschten grünen Zertifikaten noch einmal stark ansteigen wird.

Dass die Geschäfte mit den gefälschten Pässen florieren, lässt sich aus den verschiedenen Angeboten im Netz ableiten.

Postpolizei-Chef Ivo Plotegher

So heißt es beispielsweise in einem Telegram-Chat, dass man – Zitat – „aufgrund der enorm großen Nachfrage“  beschlossen habe, Familien-Pakete auf den Markt zu bringen. So gibt es vier (gefälschte) Grüne Pässe zum Vorzugspreis von 300 Euro, bei sechs Personen ist der Mengen- oder Familienrabatt noch höher: Die sechs Pässe werden nämlich um 450 Euro angeboten.

Der Bozner Postpolizei-Chef Ivo Plotheger rät dringend vom Erwerb dieser gefälschten Zertifikate ab.

Die Palette der möglichen Straftaten reicht vom Sichausgeben als eine andere Person (wenn man den Green Pass einer anderen Person verwendet), über die Fälschung durch eine Privatperson (wenn man einen authentischen Pass in Eigenregie fälscht) bis hin zum Betrug (wenn man sich einen gefakten Green Pass im Netz besorgt).

In letzterem Fall riskiert man einen Haftstrafe von bis zu fünf Jahren sowie eine Geldstrafe von 309 bis 1.549 Euro.

Personen, die sich einen Grünen Pass über einen der Telegram-Kanäle besorgen, riskieren nicht nur Unannehmlichkeiten juridischer Natur. Bei der Postpolizei sind nämlich zahlreiche Fälle von Erpressung aktenkundig. So versuchen Betrüger über die Green-Pass-Schiene nicht nur an sensible und personenbezogene Daten zu gelangen. In einigen Telegram-Gruppen tummeln sich Betrüger, die den „Kunden“ gefakte Pässe zukommen lassen, deren QR-Code nicht funktioniert. Beschweren sich die „Kunden“, werden sie erpresst: „Entweder überweisen Sie weitere 350 Euro, oder wir leiten Ihre Daten an die Gesundheits- und Sicherheitsbehörden weiter.“

Auch ist die Postpolizei bei ihrer Spurensuche im Netz auf Betrüger gestoßen, die sogenannte Corona-Green-Pass-Apps anbieten. Auch auf WhatsApp zirkuliert die Werbung für diese Fake-Apps.

Der Link zum Download der Corona-Green-Pass-Apps führt auf eine gefälschte Homepage, über die der Grüne Pass auf das Smartphone geladen werden kann. Sobald die gefälschte App installiert ist, wird man aufgefordert, Name und Steuernummer bzw. Sozialversicherungsnummer anzugeben. Anschließend erhält man einen QR-Code, der scheinbar auch gültig ist. Sprich: er funktioniert als Eintrittsticket für die Gastronomie etc.

Bei der Postpolizei warnt man: „Selbst wenn der QR-Code funktioniert, ist die Verwendung des Passes illegal.“

Hinzu kommt: Die personenbezogenen Daten, die die Käufer dieser Apps an die Internet-Betrüger übermitteln, könnten missbraucht werden.

Daher der eindringliche Rat des Bozner Postpolizei-Chefs Ivo Plotegher: „Hände weg von den Grünen Pässen, die im Netz angeboten werden.“ Denn, so Plotheger, jedes gefälschte Dokument, das verwendet wird, um einen Vorteil zu erlangen, stelle eine Straftat dar.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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