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44 neue Nasen

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Auftakt am Landesgericht zum Prozess gegen eine Bozner Spitalsärztin wegen mehrerer Dutzend Nasen-Schönheitsoperationen zu Lasten des Sanitätsbetriebs. Die Verteidigung will ein Amtsgutachten.

von Thomas Vikoler

Die Angeklagte hat nicht vor, sich vor diesem Prozess zu verstecken.

Die 57-jährige leitende Ärztin des Bozner Spitals ist persönlich anwesend und gibt auch gleich eine spontane Erklärung ab. Ihr offensichtliches Ziel und das ihres Anwalts Stefano D`Apolito ist es, in diesem Hauptverfahren die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu entkräften.

Und die sind nicht unerheblich: Der Ärztin wird vorgeworfen, zwischen 2014 und 2017 im Moritzinger Spital 44 rechtswidrige Nasenoperationen durchgeführt zu haben. Die Eingriffe seinen von ihr nach dem sogenannten LEA-Code als zur Grundversorgung gehörend eingestuft worden, damit sie von der Krankenkasse bezahlt würden.

In Wirklichkeit, so die Vorhaltung, waren es Schönheitsoperationen. Anders ausgedrückt: Die operierten Nasen waren nicht schief, lang oder verstopft genug, dass ein Kostenersatz durch den Sanitätsbetrieb gerechtfertigt gewesen wäre.

Laut Anklageschrift beläuft sich der dadurch verursachte Schaden für die öffentliche Hand auf 120.000 Euro.

Zum Prozessauftakt am Landesgericht wurde unter anderem Davide Perasso, der Leiter der Carabinieri-Sondereinheit NAS, angehört. Er berichtete, dass die Ermittlung gegen die Ärztin aufgrund eines anonymen Hinweises aus dem Spitalsumfeld eingeleitet worden sei.

Die Staatsanwaltschaft beauftragte einen Gutachter, der sämtliche Verdachtsfälle analysierte und auf die genannte Zahl von 44 ungerechtfertigten Eingriffen kam.

Die Verteidigung will genau das mit einem Amtsgutachten widerlegen. Ein entsprechender Antrag an den Richtersenat dürfte auf der nächsten Verhandlung am 13. Dezember gestellt werden.

Der Prozess verspricht auch sonst spannende Auftritte:

Auf der Zeugenliste steht ein Großteil der Patienten, die durch die Tätigkeit der angeklagten Ärztin in den Genuss einer neuen Nase kamen.

Vorher will die Staatsanwaltschaft aber auch mehrere Kollegen aus dem Spital, darunter den Primar der HNO-Abteilung, befragen. Und schließlich will auch die angeklagte Ärztin, wie sie bereits bei der Auftaktverhandlung anzeigte, aktiv in den Prozess eingreifen.

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