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„Das ist eine Schweinerei“

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Die Disco-Betreiber sind verärgert: Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Discos geschlossen und viele Lokale werden auch nach der Krise nicht mehr aufsperren. Andernorts dürfe aber gefeiert werden.

Tageszeitung: Herr Taschler, seit 18 Monaten sind die Discos in Südtirol mittlerweile geschlossen und konnten selbst im Sommer nicht wieder aufsperren. Wie steht es um die Diskotheken in Südtirol?

Felix Taschler (Vize-Vorsitzender der Diskothekenbetreiber im HGV und Geschäftsführer des Club Max in Brixen): Ich sehe die Zukunft relativ düster und gewisse Diskotheken, die fast wie Institutionen im Südtiroler Nachtleben waren, werden leider nicht mehr aufsperren. Es tut einem einfach das Herz weh, wenn man sieht, wie solche Lokale vor die Hunde gehen. Dazu kommt aber einfach, dass in ganz Italien trotz Tanzverbot gefeiert wurde – in jedem Lido, an jedem Stand. Und auch bei uns wurden Feiern veranstaltet, die eigentlich nicht hätten stattfinden dürfen, während unsere Lokale geschlossen waren und wir durch die Finger geschaut haben.

Im Sommer hieß es kurzzeitig, dass Discos vielleicht wieder aufsperren können. Dazu ist es dann aber nicht gekommen. Jetzt heißt es wieder, dass man im Oktober über eine Öffnung diskutieren will. 

Wahrscheinlich wird wieder nichts passieren. Es wurde in den letzten 18 Monaten schon so oft über eine Öffnung diskutiert und uns wurde bereits mehrfach etwas mündlich versprochen, aber wir konnten nie aufsperren – und wenn es auch jetzt nur heißt, dass wir „darüber reden“, dann wird es sicher wieder nichts.

Vor kurzem wurde beschlossen, dass Diskotheken zusätzliche Hilfsgelder bekommen. Reicht das, um die Kosten zu decken? 

Die finanziellen Hilfen sind mehr als spärlich. Es sind zwar Hilfen vom Land und vom Staat gekommen, aber das hat einfach hinten und vorne nicht gereicht, weshalb viele Lokale zusperren mussten. Das ist einfach bitter. Es sieht schon fast danach aus, als wenn man diese Branche zum Aussterben bringen möchte.

Feste und Feiern sind unter Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen erlaubt, selbst Veranstaltungen können unter strengen Auflagen organisiert werden. Fühlt man sich da einfach ausgeschlossen? 

Das generelle Tanzverbot wurde nirgends eingehalten, der Grüne Pass teilweise nicht oder nur irgendwie kontrolliert, und wenn es dann mal geregnet hat, wurden Veranstaltungen einfach in einem Zelt organisiert, ohne Luftaustausch usw. Aber unsere Lokale waren während dieser ganzen Zeit geschlossen und wir konnten nur zuschauen – das ist nicht fair. Man fühlt sich einfach nur benachteiligt und unfair behandelt. Der HGV versucht zwar, uns zu helfen und auf die Politik einzureden, aber wir als Diskotheken sind einfach nur auf der Strecke geblieben.

Einige Lokale haben aber trotzdem offen, weil sie andere Lizenzen haben?

Es geht hauptsächlich um die Lizenz und ob man Flächen im Freien hat. Wer beispielsweise eine Pub- oder Restaurant-Lizenz hat, konnte arbeiten, musste seinen Betrieb aber anders aufziehen. Aber jene Lokale, die diese Möglichkeit nicht haben oder einfach nichts riskieren wollen, bleiben zu. So kann es aber einfach nicht mehr weitergehen – das ist eine Schweinerei.

Haben viele Betriebe mittlerweile aufgegeben? 

Wenn wir noch eine Hand voll Disco-Betreiber sind, die noch nicht aufgegeben haben, ist das wahrscheinlich alles. Und ich sage noch einmal: Wenn wir unsere Betriebe zulassen müssen, dann ist das eben so – aber dann müssen auch die finanziellen Hilfen entsprechend passen. Es kann nicht sein, dass nur wir Discos geschlossen sind und alle anderen tun und lassen können, was sie wollen. Es ist einfach nur traurig und man ist irgendwann auch nur noch frustriert. Auch wir haben Fixkosten zu zahlen, müssen Kredite von Umbauten usw. zurückzahlen – auch wir haben Spesen ohne Ende.

Was bedeutet die aktuelle Situation für das Nachtleben in Südtirol? 

Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass wenn wir wieder loslegen dürfen, es richtig „klappern“ wird. Man muss sich nur als Beispiel Dänemark ansehen, wo die Clubs aktuell überrannt werden. Die Nachfrage ist zu einhundert Prozent gegeben. Ich weiß aber so langsam wirklich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll, weil alle Bereiche offen sind und Diskotheken auch in anderen Gebieten wieder aufsperren dürfen, nur eben bei uns nicht. Und irgendwie machen alle rund um uns herum unsere Arbeit, aber wir dürfen nicht – so kann es echt nicht weitergehen. Es kann nicht sein, dass wir im Stich gelassen werden.

Glauben Sie, dass sich neue Betreiber finden, die die geschlossenen Discos wieder eröffnen? 

Aktuell sicher nicht, weil es keine Zukunft und keinen Lichtblick gibt. Aber ich bin überzeugt davon, dass wenn es wieder losgeht und auch Sicherheit besteht, sich wieder Betreiber finden werden, weil man nach Corona sicher gute Chancen hat, ein gutes Lokal aufzuziehen.

Und das Nachtleben? Wird sich das Nachtleben verändern?

Es wird sicher eine gewisse Veränderung geben, aber es muss ja nicht unbedingt eine schlechte Veränderung sein. Das Nachtleben hat sich in den letzten 20 Jahren immer wieder verändert und wird dies sicher auch weiterhin tun – man muss dann einfach das beste aus dieser neuen Situation machen.

Interview: Lisi Lang

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