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„Ans Kreuz mit dir“

Brigitte Foppa

Vor fünf Jahren musste Brigitte Foppa einen Shitstorm über sich ergehen lassen, weil sie sich kritisch zum Kreuz in den Klassen geäußert hatte. Wie die Grüne diese schwierige Zeit erlebt hat. Und warum sie glaubt, dass Südtirol reifer geworden sei.

von Matthias Kofler

Im Februar 2017, also vor knapp fünf Jahren, fegte ein Shitstorm durch die Südtiroler Netzwelt. Die Adressatin: Brigitte Foppa. Die Grünen-Politikerin hatte im Interview mit der TAGESZEITUNG ihre Meinung über das Kruzifix in öffentlichen Gebäuden kundgetan. „Wenn sich Italien als laizistischer Staat bezeichnet, so ist die Berechtigung des Kreuzes im öffentlichen Raum in Frage zu stellen. Entweder haben alle Regionen Platz oder keine“, argumentierte Foppa. Religion sei eine „private Überzeugung“ und solle sich daher aus öffentlichen Räumlichkeiten, auch aus den Schulklassen, „verabschieden“. „Am besten stellt man das Kreuz auf dem eigenen Nachtkästchen auf – dort ist es gut aufgehoben“, äußerte die Grüne.

Die Reaktionen, die Brigitte Foppa mit ihrer Stellungnahme ausgelöst hatte, kamen für sie völlig unerwartet. Tagelang wurde die Abgeordnete mit Hass- und Drohbotschaften überhäuft. Die Aussagen reichten von „Scham di“ bis hin zu Kreuzigungs-, Gewalt- und Ausweisungsphantasien. „Die aggressiven, zum Teil gewaltsamen Reaktionen geben Aufschluss über die Meinungskultur in unserem Land. Dass es nicht möglich sein soll, über den Umgang mit religiösen Symbolen in einer sich verändernden Gesellschaft zu diskutieren, muss uns erstaunen“, äußerte sich Foppa zur Hetzkampagne gegen ihre Person. Und sie entschied, sich vorerst nicht mehr öffentlich zur Kreuz-Thematik zu äußern.

Jetzt, nach knapp fünf Jahren, bricht die Ökopolitikerin ihr Schweigen. Anlass ist das jüngste Urteil des Kassationsgerichts, aus dem hervorgeht, dass das Kreuz in den Klassen weiterhin hängen könne. Vorausgesetzt, dies werde von einer Mehrheit der Schulgemeinschaft so gewünscht. „Das ist ein ziemlich schlaues und ausgewogenes Urteil“, findet die Grüne, die sich in mit dem Richterspruch in ihrer Haltung bestätigt fühlt. Das Höchstgericht habe nun festgehalten, dass die Entscheidung über das Kreuz in der Schule den verschiedenen Sensibilitäten und der Zusammensetzung der Klasse Rechnung tragen müsse.

Nicht teilen kann Foppa hingegen die Position der Richter, dass das Kreuz weniger als religiöses Symbol, sondern vielmehr als Symbol für die Tradition der italienischen Bevölkerung betrachtet werden sollte. „Es gibt auch Stimmen aus der Kirche, wonach die Betrachtung des Kreuzes als kulturelles Symbol dessen religiösen Wert mindert“, sagt sie. Religion sei Religion und habe ihren Status in der Gesellschaft. Das Kreuz sei in der christlichen Religion verortet, die in der Tat Teil der europäischen Geschichte und weit verbreitet sei. „Es ist aber ein religiöses Symbol und soll das auch bleiben“, findet Foppa.

Die Debatte über religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden sei zu führen. Davon ist die Abgeordnete auch fünf Jahre nach dem Shitstorm überzeugt. Die Hasskommentare und Drohungen, die sie für ihre Stellungnahme damals aushalten musste, seien nicht angenehmen gewesen. Das wolle sie auch „nicht noch einmal erleben“. „Ich glaube aber, dass es in diesen Jahren sehr wohl einen Fortschritt gegeben hat. Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Anders als vor fünf Jahren, wo man unter meinem Facebook-Foto ,Ans Kreuz mit dir’ geschrieben hat, wird heute keiner mehr für diese Position gekreuzigt. Vielleicht war das, was ich damals aushalten musste, ja rückblickend so etwas wie eine Pionierleistung“, sagt Foppa und schmunzelt.

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