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Der vorauseilend Gehorsame

Karl Mittermaier und Hans Karl Peterlini

Ein Brixner Verleger bringt ein Geburtstagsbuch für Alt-LH Luis Durnwalder heraus. Drei kritische Texte landeten im Papierkorb.

von Artur Oberhofer

Es sollte ein Überraschungsgeschenk für Luis Durnwalder zum 80. Geburtstag sein.

Der Brixner Verleger, Philosoph und Hobbymusiker Karl Mittermaier bringt in den nächsten Tagen ein Buch heraus, in dem 155 AutorInnen – von Achammer bis Zöggeler, von Franz Locher bis Gerhard Brandstätter, von Roland Atz bis Schorsch Pardeller – dem Alt-LH, der 80 wird, gratulieren.

Der „suedmedia“-Verlag – so heißt es in einem „Vorausgeschickt“ des Verlegers Mittermaier – habe den AutorInnen „keine Inhalte vorgegeben“, sondern es diesen überlassen, „das in Erinnerung zu rufen, was ihnen erinnerungswürdig scheint; über das zu schreiben, was aus subjektiver Sicht dem Jubilar gerecht wird.“

Zu den „Eingeladenen“ gehörte auch der ehemalige „ff“-Chefredakteur und nunmehrige Uni-Professor in Klagenfurt, Hans Karl Peterlini.

Peterlini wählte dazu ein Kapitel aus seiner Diplomarbeit („Psychoanalyse der Südtirol-Anschläge“), schrieb es aus aktuellem Anlass um.

In seiner Diplomarbeit hatte Peterlini einen Exkurs zur Narzissmustheorie versucht, angelehnt an den türkisch-amerikanischen Psychoanalytiker Vamik Volkan, der die Freud’sche, von Otto Kernberg weiterentwickelte Narzissmustheorie auf politische Führungspersönlichkeiten angewandt hat.

Für seinen Geburtstagsbuch-Beitrag wandte Hans Karl Peterlini diesen Ansatz auf Luis Durnwalder an (im Übrigen dem Alt-LH einen „gesunden Narzissmus“ attestierend), der zwar auch die Sonne der Bewunderung und des Erfolges brauchte, aber diesen „narzisstischen Hunger“ nicht destruktiv, sondern vorwiegend konstruktiv genutzt habe.

Screen vom Florian-Mussner-Beitrag

Die einzigen kritischen Anmerkungen in Peterlinis Text waren Hinweise auf eine gewisse Gnadenlosigkeit gegenüber politischen Gegnern.

Doch jetzt stellt sich heraus: Hans Karl Peterlini hat den Text für den Papierkorb geschrieben.

Dabei hatte der Buch-Macher, Karl Mittermaier, den Text des Ex-„ff“-Chefredakteurs zunächst in höchsten Tönen gelobt.

Mittermaier war regelrecht begeistert, schrieb in einer E-Mail an Peterlini, sein Text sei „eine Bereicherung für das Buch.“ Der Beitrag sei „sehr gut und überlegt“.

Vor zwei Wochen erfuhr Hans Karl Peterlini, dass sein Beitrag (und zwei weitere Aufsätze) der Zensur zum Oper gefallen ist.

Screen vom Achammer-Beitrag im Durnwalder-Geburtstagsbuch

Während der Verleger Karl Mittermaier, der seit jeher darauf achtet, es sich mit den jeweils Mächtigen ja nicht zu vertun, auf Tauchstation gegangen ist und für Hans Karl Peterlini telefonisch nicht mehr erreichbar war, teilte Peter Aigner, Mittermaiers Verleger-Kollege, dem Autor, der ein Ausfallshonorar von 500 Euro verrechnen wollte, lapidar mit:

„Wir haben Ihren Beitrag gelesen und diskutiert und dabei beschlossen, ihn nicht zu publizieren. Sie werden verstehen, dass wir uns nicht Anzeigen oder üble Nachreden einholen wollen.

Sie als Autor haften nicht für die Folgen, die den Verlag erwarten, wenn sich Menschen beleidigt oder angegriffen fühlen.

Wenn Ihr Beitrag von uns veröffentlicht werden sollte, hätte er völlig umgeschrieben werden müssen.“

Dabei hatte Hans Karl Peterlini die Schwimmbad-Geschichte in seinem Beitrag gar nicht erwähnt, weil er „nach so vielen Jahren noch einmal hinterhertreten“ wollte.

Bezeichnend: Durnwalders Nachfolger Arno Kompatscher scheint ebenfalls nicht unter den AutorInnen auf.

Neben Hans Karl Peterlinis Beitrag wurden zwei weitere Aufsätze schubladisiert: jener der Jörg-Haider-Tochter Ulrike Quercia und der Beitrag von Ex-Rai-Chefredakteur Wolfgang Mayr.

Wolfgang Mayr mit Luis Durnwalder (Foto: lpa)

An Wolfgang Mayr schrieb der Koordinator des Durnwalder-Geburtstagsbuches, Andreas Raffeiner, kurz und bündig:

„Sie haben es wahrscheinlich schon vernommen. Aber ich möchte Ihnen nur mitteilen, dass Ihr Beitrag für das Luis-Durnwalder-Buch seitens des Herausgebers und Verlegers nicht abgedruckt wird.

Es liegt ihm frei, Texte zu bestellen und dann nach einer Überprüfung nicht unterzubringen.“

Die Moral von der typisch Südtiroler Gschicht’:

In dem 600-Seiten-Schmöker zum Durnwalder-Geburtstag hat keine Kritik Platz.

Im Inhaltsverzeichnis von vor zwei Wochen schien der Wolfgang-Mayr-Beitrag noch auf

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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