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Charlotte Posenenske

Installation View, Charlotte Posenenske, Work in Progress, K20, Düsseldorf, Series B, 2020; Courtesy the estate of Charlotte Posenenske and Mehdi Chouakri, Berlin; Photo: Achim Kukulies, Düsseldorf

Die von Vincenzo de Bellis kuratierte Retrospektive „FROM B TO E AND MORE“ in der Antonio Dalle Nogare Stiftung zeichnet die Entwicklung der früh verstorbenen Künstlerin Charlotte Posenenske nach.

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf einer Reihe von Werken, welche allesamt innerhalb eines Jahrzehnts entstanden sind. Ihr Werk zeichnet sich durch radikale Offenheit aus: Durch das Beharren auf Wiederholung und industrielle Fertigung entwickelte Charlotte Posenenske eine Form des reduzierten Minimalismus, der sich im Gegensatz zum amerikanischen affirmativen mit den sozioökonomischen und politischen Problemen der 68er Jahre auseinandersetzte, die Rolle des Kunstmarktes hinterfragte und seine etablierten Hierarchien ablehnte.

Bereits in ihren frühen Arbeiten auf Papier, welche in der Ausstellung in einer Auswahl von 17 Werken präsentiert werden, widmete sich die Künstlerin der Erforschung des abstrakten Raumes. Internationale Anerkennung erlangt sie mit der Entwicklung und Präsentation von sechs neuen skulpturalen Serien zwischen Ende 1966 und Anfang 1968: Reliefs der Serie A, B und C, Vierkantrohre der Serie D und DW sowie Drehflügel der Serie E.

Alle Werkgruppen bestehen aus mehreren Elementen, welche sorgfältig nach den Zeichnungen der Künstlerin entworfen und in Serie gefertigt wurden. Die Elemente variieren in Form, Größe und Komplexität. Gemeinsam haben sie ihre konkreten, geometrischen Formen und die industrielle Herstellung zu sehr niederen Produktionskosten. „Die Sachen, die ich mache, sind veränderlich, möglichst einfach, reproduzierbar“, erklärte die Künstlerin 1968 in einem Statement im renommierten Art International Magazine.

Die modularen Skulpturen, deren einzelne Elemente von den jeweiligen Austeller*innen oder Besitzer*innen auf verschiedenste Weise kombiniert und verstellt werden können, um immer neue volumetrische Konstrukte zu schaffen, laden die Betrachtenden zu einer ästhetischen Erfahrung ein, welche sowohl visuell als auch räumlich sein kann.

„FROM B TO E AND MORE“ präsentiert fünf dieser bildhauerischen Serien in einzelnen Konfigurationen, welche allesamt ad hoc für den Raum der Antonio Dalle Nogare Stiftung konzipiert wurden.

Charlotte Posenenske (1930–1985) gehört zu den international renommiertesten Vertreterinnen des deutschen Minimalismus und arbeitete hauptsächlich als Bildhauerin. Ihre Skulpturen erhielten sowohl in Deutschland als auch weltweit große Anerkennung. 1968 beendete sie ihre Arbeit als Künstlerin und widmete sich vollständig der Soziologie. In ihrer sehr kurzen künstlerischen Karriere stellte Posenenske mit illustren Kolleginnen und Kollegen wie Hanne Darboven, Donald Judd, Carl Andre und Sol LeWitt aus, mit welchen sie das Interesse für Serialität und die formale Strenge geometrischer Formen teilte.

Zu einem historischen Zeitpunkt wie dem jetzigen, geprägt von Pandemie und sozialen Protesten, zeigt die Antonio Dalle Nogare Stiftung die Ausstellung „FROM B TO E AND MORE“ mit dem Ziel, eine notwendige Debatte über jene Dynamiken zu eröffnen, welche die weltweiten Wirtschaftsstrukturen und insbesondere das zeitgenössische Kunstsystem bestimmen. Die Debatte entsteht anhand der Arbeit einer Künstlerin, welche sich bereits vor über 50 Jahren mit diesen Themen beschäftigt hat und bezeugt, wie wir trotz des Fortschritts unserer Zivilisation zyklisch mit denselben Anliegen konfrontiert werden, auch wenn sie durch Ereignisse ganz anderer Natur hervorgerufen werden.

Termin: Eröffnung am 11. September um 11.00 Uhr in der Antonio Dalle Nogare Stiftung, Bozen, Rafensteinerweg 19. Eröffnung und Ausstellung können nur mit dem Green Pass besucht werden. Es ist keine Anmeldung notwendig.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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