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Gefährliches Greiskraut

In Lajen fand eine außergewöhnliche „Ausreißaktion“ statt: Wie gefährlich das Greiskraut für Mensch und Tier ist und welche Forderungen erhoben werden.

von Erna Egger

„Wir wollten primär sensibilisieren“, sagt eine Teilnehmerin an der Aktion. Am Dienstag, 10. August, fand in Lajen eine Ausreißaktion vom schmalblättrigen Greiskraut statt. Eine kleine Gruppe von motivierten Bürgern schwärmte, gerüstet mit Müllsäcken und Handschuhen aus, um diese Pflanze in besonders stark wachsenden Gebieten in Lajen auszureißen und einzusammeln.

Mehrere Dutzend Müllsäcke wurden gefüllt. Erleichtert stellt die Teilnehmerin fest: „Bei der Aktion konnte beobachtet werden, dass es, bezugnehmend auf das Vorjahr, eine deutliche Reduktion gab.“ Die hübsche, intensiv blühende, aber sehr giftige Pflanze wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus Südafrika importiert, ungewollt über den Handel von Schafwolle und über das Saatgut. Die Pflanze breitet sich in Europa und auch in Südtirol seit den 1970er Jahren rasant aus.

Das Greiskraut produziert einen für Mensch, Tier und Insekten, vorwiegend für Bienen, hochgiftigen toxischen Stoff und wird zunehmend zur Gefahr für die Landwirtschaft.

Der diplomierte Kräuterfachmann Cav. Heinrich Abraham über die Gefährlichkeit der Pflanze und über geforderte Interventionen.

Tageszeitung: Herr Abraham, wie gefährlich ist diese Pflanze? 

Heinrich Abraham: Das Greiskraut beinhaltet Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), die hepatotoxisch sind und in hoher Dosierung zu tödlichen Leberfunktionsstörungen führen, unter anderem Lebervenenverschluss. Das Krankheitsbild der PA-Vergiftung ist in der Veterinärmedizin als Seneziose oder „Schweinsberger Krankheit“ bekannt und wird meist durch Greiskrautbestand auf Weiden verursacht. Dieses Kraut wird über die Nahrungskette aufgenommen: Hühner, Rinder, Schafe oder auch Bienen nehmen dieses über ihr Futter auf. Diese Pflanze breitet sich sehr dramatisch in Südtirol aus.

Welche Tiere sind besonders gefährdet? 

Das Greiskraut ist ein Spät- und Winterblütler. Die Bienen tragen die Pollen in den Bienenstock, wodurch dieser geschädigt wird. Der Giftstoff kann auch in den Honig gelangen. Honig, der importiert wird, ist laut Statistik mit PA-Alkaloiden sehr belastet. In Südtirol weiß man sehr wenig darüber. Jedoch bei Honig, der untersucht wurde und der das Qualitätszeichen trägt, kann man sichergehen, dass dieser keine Pyrollizidin-Alkaloide beinhaltet.

Wie sieht es bei Rindern aus? 

Weidevieh ist generell von diesem Kraut bedroht. Pferde, Kühe und Schafe kennen dieses giftige Kraut nicht und fressen es notgedrungener Maße. Besonders gefährlich ist es, wenn importiertes Heu verfüttert wird, wo Greiskraut oft vielfach vorhanden ist. Heu wird sehr viel importiert und auch dort lauert die Gefahr. Ziegen sind etwas resistenter, sie können auch sehr giftige Pflanzen fressen. Aber auch über die Milch kann der Giftstoff in die Nahrungskette gelangen. Auch für den Menschen stellt das Kraut eine Gefahr dar, bereits ein Berühren kann gefährlich sein. Deshalb dürfen Kinder niemals die verlockenden gelben Blüten pflücken. Deshalb sind auch Ausreißaktionen mit Kindern zu unterlassen.

Besteht Handlungsbedarf? 

Ja. Mit diesen Pflanzen ist nicht zu scherzen. Mit wenigen Ausnahmen wird in Südtirol nichts gegen diese Ausbreitung unternommen. In anderen Ländern Europas gibt es sogar eine Meldepflicht, um diese Pflanzen rechtzeitig entfernen und vernichten zu können. Wiesen und Weidenflächen werden vor der Mahd oder der Beweidung kontrolliert. Längs der Haupt- und Landesstraßen, beispielsweise entlang der Mebo, oder auf vielen Trockenhängen ist dieses Kraut massenweise verbreitet. Es wäre die Aufgabe des Landesstraßendienstes, zu intervenieren und diese Pflanzen zu entfernen. Mit dem Ausreißen muss man aber sehr vorsichtig umgehen, denn man kann bereits über die Haut diese Alkaloide aufnehmen. Daher sind Schutzanzüge und Handschuhe erforderlich.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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