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„Annehmbarer Preis“

SVP-Arbeitnehmer-Chefin Magdalena Amhof verteidigt die Impf- und Green-Pass-Pflicht und kann sich auch eine Ausweitung vorstellen.

Tageszeitung: Frau Amhof, spaltet die Politik die Gesellschaft?

Magdalena Amhof: Nicht die Politik, sondern das Thema an und für sich spaltet die Gesellschaft. Die Corona-Maßnahmen sind grundsätzlich überall dieselben. Man versucht, Lösungen zu finden, um der Pandemie entgegenzutreten. Es ist der Umgang mit der Pandemie, der die Gesellschaft spaltet. Wenn jemand der Politik die Schuld gibt, könnte man auch der Wissenschaft die Schuld geben, weil viele Maßnahmen auf deren Anleitung hin beschlossen werden.

Die Impfpflicht im Gesundheitswesen etwa hat viel böses Blut in die Gesellschaft gebracht. War die radikale Impfpflicht ein Fehler?

Nein, ich denke, dass es diesen Schritt gebraucht hat, der von sehr vielen Menschen verlangt worden ist – etwa von kranken Menschen in den Krankenhäusern. Die Impfpflicht war kein Fehler, aber man muss gleichzeitig auf gute und transparente Information setzen, wenn man so etwas einführt. Vielleicht hat die Kommunikation nicht so gut funktioniert, aber irgendwann war es einfach notwendig, die Impfpflicht einzuführen. Jetzt sieht man ja, dass viele Länder nachziehen, etwa Frankreich und Griechenland. Und in anderen Staaten wird darüber diskutiert. Ganz so falsch war es also nicht.

Eine Konsequenz der Impfpflicht ist Personalmangel – gerade in Südtirol, wo es besonders viele ungeimpfte Mitarbeiter gibt. Wie geht man mit dieser Situation um, damit das Gesundheitssystem weiterhin funktioniert?

Das ist das große Problem. Die Wartezeiten werden natürlich wieder länger. Gleichzeitig muss das geimpfte Personal, das schon in der Pandemie Überstunden machen musste, jetzt wieder Überstunden machen, um die Dienste aufrechtzuerhalten. Kurzfristig lässt sich das Problem nicht lösen, da Ärzte und Pfleger gut ausgebildet und nicht so einfach ersetzbar sind. Es gibt in diesem Sektor ohnehin schon einen Personalmangel. Also braucht es Strategien.

Wo setzt man also an, um das Problem schnellstmöglich in Griff zu bekommen?

Der Personalmangel schlägt sich auf die Wartezeiten nieder. Bei stationären Aufenthalten wird so lange abgewartet, bis es nicht mehr anders geht. Und man wird versuchen, Betten schnell wieder freizukriegen und Patienten schneller zu entlassen. Das wird die Konsequenz sein. Dasselbe gilt für die Altersheime: Man kann viele Betten nicht mehr belegen, wenn es zu wenig Personal gibt. Das bedeutet, dass die Menschen verstärkt zuhause gepflegt werden müssen. Deshalb werden auch die Kosten für das Pflegegeld steigen.

Eine Neuerung ist die Green-Pass-Pflicht für das Bildungspersonal. Ist das der richtige Weg?

Es ist ein gangbarer Weg. Ich hätte im Moment auch keine andere Lösung. In der Schule können nun einmal Infektionsherde entstehen. Der Gesundheitslandesrat und der Schullandesrat haben mir gesagt, dass mit Schulbeginn vor allem Schüler und auch Lehrer durchgetestet werden sollen, um noch einmal Infizierte herauszufiltern, damit es nicht gleich zu Problemen kommt. Das ist wichtig. Wenn wir einen halbwegs normalen Schulbetrieb haben wollen – und wir wollen nicht wieder Fernunterricht –, wird es die Pflicht für Lehrer brauchen. Ich hätte gehofft, dass es sie nicht braucht, aber leider sind wir bei der Durchimpfung der Lehrer Schlusslicht in Italien.

Die Landesregierung – oder besser gesagt die SVP-Mehrheit in der Landesregierung – hat sich strikt gegen Gratis-Antigentests für nicht-geimpfte Lehrer ausgesprochen. Wie stehen Sie dazu?

Die mit den Apotheken vereinbarten acht Euro für Jugendliche und 15 Euro für Erwachsene sind ein annehmbarer Preis, wenn man bedenkt, dass ein Antigentest bisher zwischen 30 und 35 Euro gekostet hat. Nur braucht es ausreichend Testmöglichkeiten: Eine Lehrperson, die sich nicht impfen lassen will, muss die Möglichkeit haben, in nächster Nähe einen Test zu machen.

Es braucht neben den Apotheken noch weitere Testzentren wie im Frühjahr?

Wenn gewisse Gebiete von den Apotheken unzureichend abgedeckt sind, sollte man für gewisse Stunden und Tage Testzentren einrichten. Wenn man den Green Pass für viele Bereiche verlangt, muss man den Menschen auch die Möglichkeit geben, sich im näheren Umkreis testen zu lassen.

Sind Sie für eine generelle Green-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz?

Überall dort, wo es viel Kundenkontakt gibt, ist eine Pflicht durchaus machbar. Ich denke etwa an ein Hotel, das seinen Gästen einen sicheren Aufenthalt garantieren will und kein Risiko für einen Infektionsherd haben will: Es sollte das Recht dazu haben, von seinen Mitarbeitern den Green Pass zu verlangen.

Ist es für einen impfskeptischen Mitarbeiter zumutbar, dreimal wöchentlich 15 Euro für einen Antigentest zu zahlen?

Das ist viel Geld, absolut! Andererseits werden die Impfungen kostenlos angeboten. Es geht um die Gesundheit der Gesamtgesellschaft. Also muss sich eine Person entscheiden, ob sie Geld für die Tests ausgeben will oder doch den Weg zur Impfung geht. Vielleicht findet man in einigen Fällen auch ein Entgegenkommen der Betriebe, indem diese die Hälfte der Testkosten finanzieren. Ich kann jedenfalls nachvollziehen, wenn gewisse Betriebe den Green Pass vorsehen wollen.

Zusammenfassend: Geht die derzeitige Vorbereitung auf den Herbst in Ordnung oder braucht es weitere Maßnahmen?

Ich glaube nicht, dass wir zusätzliche Maßnahmen brauchen. Die Situation in Südtirol ist relativ stabil. Ich habe keine großen Sorgen, was den Herbst anbelangt. Wir haben einen Patienten auf der Intensivstation und mehrere auf den Normalstationen. Kein Fall ist zu unterschätzen, aber solange die Intensivstationen nicht ans Limit kommen, müssen wir keine Angst haben. Ich rechne kurz- und mittelfristig mit keinen Problemen, denn die Situation ist derzeit gut unter Kontrolle.

Sie gehen davon aus, dass wir relativ gut über den Winter kommen werden?

Ja. Ich denke, dass wir ganz gut über die ersten Schulmonate bis Weihnachten kommen. Dann muss man neu bewerten. Man weiß nie, wie sich das Corona-Geschehen entwickelt und ob neue Varianten aufkommen. Aber momentan ist die Situation dank der Impfungen sehr stabil, sodass ich für September und Oktober mit keinen großen Schwierigkeiten rechne. Wir haben eine gute Durchimpfungsrate, auch wenn noch mehr ginge.

Wie soll man mit den harten Impfgegnern umgehen, von denen es in Südtirol sehr viele gibt?

Ich glaube, die werden wir nicht bekehren können. Sie werden sich halt testen lassen müssen. Es nützt nicht viel, weiß Gott welche Energien zu verschwenden, um diese Menschen zum Impfen zu bewegen. Also sollte man ihnen ein respektvolles Miteinander und Testmöglichkeiten anbieten. Der respektvolle Umgang miteinander ist wichtig. Lassen wir ihnen ihre Meinung, es bringt eh nichts.

Interview: Heinrich Schwarz

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