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Die Partisanin und ihre Tochter

Am Freitag wurde in Bozen des 100. Geburtstags der Partisanin Filomena Dalla Palma gedacht – die Mutter der früheren Rechtsaußen-Gemeinderätin Maria Teresa Tomada.

von Thomas Vikoler

Die Landeshauptstadt hat einen besonderen Gedenk-Eifer, was angesichts von jahrzehntlangem Zudecken während der Nachkriegszeit durchaus nachvollziehbar ist.

Am vergangenen Freitag wurde in Anwesenheit von Bürgermeister Renzo Caramaschi an den 100. Geburtstag einer 2003 verstorbenen Bürgerin erinnert: Filomena Dalla Palma.

Ort des Gedenkens war der nach ihr im Jahre 2014 benannte Filomena-Della-Palma-Durchgang zwischen Mailand- und Parmastraße.

„Als der damalige Gemeinderat Primo Schönsberg den Benennungsvorschlag in der Kulturkommission einbrachte, wusste ich nicht einmal etwas davon. Er hätte es mir vorher sagen können“, erinnert sich die Tochter der Verstorbenen, die langjährige Bozner Gemeinderätin Maria Teresa Tomada.

Ja, genau sie, die Rechtsaußen-Kämpferin, ist die Tochter einer Partisanin, die für ihren Einsatz zur Befreiung von Italien von Faschismus und Nationalsozialismus gewürdigt wird. Tomada hat Bozen vor zwei Jahren verlassen, sie lebt heute im Kaff Crespano in der Nähe von Bassano del Grappa.

Die Ex-Politikerin, der es laut eigener Aussage in Bozen nie gefallen hat („sonst wäre ich nie in die Politik gegangen“), ist von der Gemeinde zur Feier am kommenden Freitag eingeladen worden. Sie wird hingehen, auch wenn er nicht sehr daran gelegen ist, die Partisaninnen-Tochter zu geben.

Im Oktober 2019 ist bei einem kleinen Verlag im Veneto das Buch:

Volti abbronzati e fucili arrugginiti. Il diario di Filomena Dalla Palma, Gina, partigiana sul Grappa“ erschienen. Es ist nicht im Buchhandel erhältlich, auf eine Buchvorstellung in Bozen verzichtete die Tochter. Sie war es, die nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 2003 das Tagebuch aus ihrer Partisanenzeit fand und aufbewahrte.

Filomena Dalla Palama, Gina genannt, war 1921 in Cismon del Grappa geboren worden. Sie arbeitete zunächst als Haushälterin in Rom, Neapel und Genua dann im Lancia-Werk in Cismon, wo sie mit  Partisanen in Kontakt kam. Sie war zunächst Nachrichten-Botin, dann schloss sie sich der Brigade „Antonio Gramsci“ an. Sie ist auf dem Monte Grappa, wo die Nazis im November 1944 den historischen „Rastrellamento“ durchführen. Dalla Palma wird gefangenengenommen und gefoltert, aber vom Prinzen Juno Valerio Borghese.

Sie ist danach weiter im Widerstand aktiv, das Kriegsende verbringt sie in einem Spital in Venedig. 1946 kommt sie als Kriegsversehrte nach Bozen, wo sie im Lancia-Werk arbeitet. Lange war nichts bekannt über die Partisanen-Vergangenheit der Mutter von Maria Teresa Tomada, die bis 2016 im Gemeinderat mehrere italienische Rechtsparteien im Bozner Gemeinderat vertrat.

Für eine Partisaninnen-Tochter eher ungewöhnlich, aber nicht außergewöhnlich.

Bis 1993 war Tomada als Gewerkschafterin aktiv, schwenkte dann aber aus Enttäuschung über den pragmatischen Kurs der Nachfolgeparteien des PCI nach rechts. „Sie haben die Arbeiterschaft verraten, seit dem Tod von Enrico Berlinguer war es Schluss mit dem Kommunismus in Italien“ sagt Tomada, die sich selbst als „Stalinistin“ bezeichnet.

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