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Der Bio-Boom

Foto: Laimburg

Der Anteil der Bioanbauflächen in Südtirol hat sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich erhöht. Doch das Wachstum hat auch Grenzen.

von Raoul Mitterstainer

Vor vier Jahren beschloss der Südtiroler Bauernbund gemeinsam mit der Landesverwaltung, den Bioverbände sowie Beratungs- und Forschungseinrichtungen das „Biokonzept 2025“, das bis 2025 eine Verdoppelung der Südtiroler Bio-Anbauflächen im Vergleich zum Jahr 2015 anstrebt.

Neueste Zahlen des Landesamtes für die biologische Produktion zeigen, dass die ökologisch bewirtschafteten Flächen in Südtirol in den letzten fünf Jahren bereits um über 80 Prozent zugenommen haben.

Den größten Zuwachs an Biofläche gab es mit 89 Prozent im Grünland. Im Weinbau und Obstbau nahmen die biologisch bewirtschafteten Flächen um 83 bzw. 71 Prozent zu, während die Zunahme beim Acker- und Gemüsebau mit 31 Prozent etwas schwächer ausfiel. Die Zahl der Biobetriebe steigerte sich im selben Zeitraum um 66 Prozent und erreichte mit knapp 1.500 Betrieben einen neuen Höchststand.

Obwohl in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht wurden und Südtirol mittlerweile einen Bioflächenanteil von sieben bis acht Prozent in der Landwirtschaft aufweist, sind andere europäische Staaten diesbezüglich bereits weiter: Schwedens, Estlands und Österreichs Bio-Quoten befinden sich bereits jenseits der 20-Prozent-Grenze und in Gesamt-Italien werden immerhin über 15 Prozent der nationalen Anbauflächen biologisch bewirtschaftet.

Der Landesrat für Landwirtschaft, Arnold Schuler, meint diesbezüglich: „Von der politischen Seite ist die Entwicklung gefördert worden, jedoch muss die Entwicklung des Marktes mit dem Ausbau der Bio-Produktion Schritt halten.“ Länder wie Österreich, die sehr viel Biomilch produzieren würden, seien stark auf den Export angewiesen, weil der Absatz im eigenen Land nicht ausreichend vorhanden sei.

Mit den geringeren Erträgen, die die biologische Landwirtschaft im Vergleich zum konventionellen Anbau einfährt, spricht Schuler einen weiteren Aspekt an, der in der Bio-Debatte zu berücksichtigen ist: „Berechnungen der Universität Bozen zufolge liegt der Selbstversorgungsrad Italiens bei unter 80 Prozent. In Zukunft werden wir außerdem deutlich mehr Lebensmittel auf gleichbleibenden Agrarflächen brauchen. Es gilt also, den schwierigen Spagat zwischen hoher Produktion und nachhaltiger Landwirtschaft zu schaffen.“

Gleichzeitig betont der Landesrat, dass die Hauptaufgabe der Bäuerinnen und Bauern die Produktion von Lebensmitteln ist, um die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (7)

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  • yannis

    Das es möglich ist so schnell auf Bioanbau umzusteigen bzw. die Böden zu dekontaminieren, hätte nicht gedacht.
    Scheint aber zu funktionieren, schließlich gibt es bei den Angebots- Prospekten der Lebensmittel Discounter jede Woche auch eine Seite mehr an Bio……..
    Hinweis: Komment kann Ironie enthalten.

  • andreas

    Bio ist auch nicht der Weisheit letzter Schluß, da z.B. im Weinbau Kupfer eingesetzt wird und der Flächenverbrauch durch den niedrigeren Ertrag höher ist.
    Von Kortsch bis Salurn ist das Tal und teilweise die Hänge mit Apfelbäumen oder Weinreben zugepflastert, die einzige Biodiversität, welche sich unsere Landwirte gönnen, sind vielleicht und man sieht es selten, 2 Blumen am Anfang der Reihen.

    • rumer

      @andreas
      Denk doch nicht so kleinkariert. Biodiversität muss nicht auf das Einzelfeld bezogen werden, die Käfer schaffen es bei den Südtiroler Minifeldern leicht 5 Felder weiter. ST hat Wein, Obst, Wiese, Acker, Wald, das Gegenteil einer Monokultur. Vor allem der Obst- und Weinbau lässt viel Platz für Gras, das nur gemulcht und nicht entfernt wird. Das Wort Pflastern trifft wohl eher auf deinen Geweg zu.
      Wir haben auch viel viel mehr BIo als im Artikel angegeben. Die Almen werden biologisch bewirtschaftet, diese Fläche muss auch zählen!

      • andreas

        Sprich mal mit einem Imker wie er die Tallagen sieht und wie sie sich schwer tun, überhaupt noch Honig in Südtirol zu produzieren.
        Der Flächenertrag und die Biodiversität ist nebenbei ein internationales Problem.

        • rumer

          @andreas
          Unsere Imker fahren gerne ins Unterland zum Apfelabstauben. Später dann auch auf die Alm. Jede Gegend hat ihre Zeit und die 7 Milliarden Menschen müssen auch was essen. Somit macht es Sinn, Obst in niederen Tallagen und Wiese auf den Almen zu haben.
          Nach eine großen Hungersnot haben die Niederlande große Teile des Meeres trockengelegt für die Lebensmittelproduktion. Heute läuft es umgekeht….in Europa werden die Bauern mit Auflagen fertiggemacht, die Lebensmittelproduktion wandert in Gegenden, wo noch mal schnell der Regenwald deswegen abgebrannt wird. Das nennt sich unter anderem „Green Deal“.

  • bernhart

    Bio alles gut und recht, jeder soll seine Flächen bewirtschaften wie er will , nur darf sich nicht immer die Politik einmischen und die Bauern mit Vorschriften und Gebote überhäufen.
    Weiters sollte auf Ehrlichkeit gebaut werden, es braucht keine Kontrollen, denn diese verursachen Mehrkosten für den Produzenten. was sind 7% der gesamten Fläche???
    Leider sind nicht alle Bürger bereit für gesunde Lebensmittel mehr Geld auszugeben.
    Solange die Vermarktung nicht passt, ist Bio uninteressant.
    Wo Bio draufsteht ist noch lange nicht Bio drin.

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