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Die Lärmschutz-Tiere

Entlang der Brennerautobahn werden neue Lärmschutzwände errichtet, deren Ästhetik keine Begeisterung auslöst. Und erfüllen sie überhaupt ihren Zweck?

von Erna Egger 

Wortmeldungen zu diesem Thema gab es in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Feldthurns vielzählige. Bürgermeister Konrad Messner präsentierte dem Gremium die geplanten Lärmschutzwände entlang der Autobahn.

Der Inhalt der Debatte: Erfüllen die neuen Lärmschutzwände das, was versprochen wird?

Und auch die Ästhetik dieser Vorrichtungen sorgte für Kritik.

Aber von Anfang an: Die Gemeinden Villnöß und Feldthurns fordern bereits seit über zehn Jahren Schutzmaßnahmen entlang der Autobahn.

Im April dieses Jahres hat der Verwaltungsrat der Brennerautobahngesellschaft eine Investition von sieben Millionen Euro für den Bau einer neuen Lärmschutzwand in den Gemeinden Villnöß und Feldthurns genehmigt.

Die neue Lärmschutzwand an der Südspur der A22 wird insgesamt 1.671 Meter lang und zwischen 4,70, 5,20 und 6,20 Meter hoch. Die Schutzwand schließt südlich an die bestehende Lärmschutzwand Schrambach 2 an und schließt die Lücke zur Schutzwand Villnöß 2, die aktuell saniert wird.

Das Besondere: Bei der Ausarbeitung des Projekt wollte die A22 eine osmotische Beziehung zwischen Natur und Infrastruktur herstellen. Die neuen Schutzwände werden die Umrisse typischer Wildtiere zeigen, die in Südtirol beheimatet sind. Die Silhouetten der Wildtiere werden sich dezent von den transparenten Polymethylmethacrylat-Platten abheben. Dadurch ist es möglich, die Lärmbelästigung einzuschränken, ohne die Schönheit der alpinen Landschaft verbergen zu müssen. Die neue Lärmschutzwand wird die Belästigung in den bewohnten Gebieten an der Autobahn sowohl tagsüber als auch nachts durchschnittlich um 5 dB(A) reduzieren. Es folgt nun die Auftragsvergabe, für die Durchführung der Arbeiten sind 200 Tage vorgesehen.

Der Bürgermeister von Villnöß, Peter Pernthaler, hat das Projekt mit seinem Ausschuss besprochen. Die Mitglieder zeigten sich erfreut, dass nun endlich Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden.

In Feldthurns indes entbrannte in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine ausführliche Debatte.

Vizebürgermeister Patrick Delueg nimmt vorweg: „Es wurde allgemein begrüßt, dass Lärmschutzwände errichtet werden.“

Aber: Zahlreiche Gemeinderäte stehen dieser Art von Lärmschutzwänden mit Skepsis gegenüber. Garantieren sie wirklich für den versprochenen Lärmschutz? „In einigen Bereichen befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite ein Felsen. Es herrscht die Befürchtung, dass der Lärm auf den Felsen prallt und viel stärker zurückhallt. Es wurden absorbierende Maßnahmen angeregt“, schildert Delueg.

Der zweite Diskussionspunkt: die Ästhetik. Auf den Lärmschutzwänden werden hiesige Tiere abgebildet, abwechselnd wird in grell-grüner Schrift das Logo „A22“ angebracht. „Wir haben diese Ausführung auch in der Baukommission diskutiert“, so Delueg. „Es ist dort die Frage aufgetaucht, ob man diese Wände nicht anders gestalten könnte.“

Denn: „Immer wieder wird von Anrainern angemerkt, dass man den Verkehr nicht nur hört, sondern auch sieht. Deswegen die Anregung, diese Abschnitte vollflächiger auszustatten, wie es bei jenen Vorrichtungen in Schrambach Richtung Brixen geschehen ist. Diese wurden mit Holz ausgekleidet und so sieht man die Autos nicht mehr, sondern nur mehr die Lkw, was eine optische Verbesserung darstellt“, so der Vizebürgermeister.

Die grelle Aufschrift „A22“ gefällt dem Gemeinderat hingegen gar nicht. „Jeder weiß, dass es sich um die A22 handelt. Deswegen scheint diese häufige Aufschrift überflüssig“, so Bürgermeister Konrad Messner.

Selbiger Meinung ist Delueg: „Dieser grell-grüne Schriftzug und auch diese Tiere sind meiner Ansicht nicht der große Wurf.“

Der Gemeinderat will in einem klärenden Gespräch diese Themen ansprechen. „Wir werden Techniker in den Gemeinderat einladen, die uns das Projekt ausführlich erklären sollen“, so Messner.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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