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Anklage im Fall OneCoin

Zwölf Südtiroler sind im Betrugsverfahren zur Kryptowährung OneCoin angeklagt. Der Prozess startet am 15. September.

von Thomas Vikoler

Das OneCoin-Fieber grassierte hierzulande besonders in den Jahren 2015 bis 2017. Etliche Südtiroler schwörten auf Investitionen in eine Kryptowährung, die angeblich sagenhafte Renditen und Provisionen versprach.

Wie zumeist trat das finanziell Erhoffte nicht ein.

Die Staatsanwaltschaft nahm vergleichsweise spät Ermittlungen zum Tatverdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zwecke des Anlegerbetrugs auf, 14 Südtiroler wurden unter Ermittlung gestellt, zahlreiche digitale Dateien durch die Finanzwache Bruneck beschlagnahmt und ausgewertet.

Am 15. September startet am Landesgericht der Prozess zu diesem teilweise unglaublichen Betrugsfall. Der Tatverdacht gegen die 14 Angeklagten, davon zwölf Südtiroler und ein Mann aus dem Veneto, lautet nicht mehr auf Bildung einer kriminellen Vereinigung, sondern auf „einfachem“ Betrug und zum Teil rechtswidriger Finanzvermittlung.

Im Zentrum der Ermittlung stand eine Frau aus Bulgarien: Ruja Ignatova, 42, die 2014 in Sofia OneCoin gegründet hatte. Sie ist bereits in mehreren Ländern verurteilt worden, es wurden Haftbefehle erlassen, doch Ignatova befindet sich weiterhin auf freiem Fuß.

Auch in Südtirol hatte Ignatova offensichtlich treue Mitarbeiter, die selbst gut an dem Geschäft mit dem Pyramidensystem verdienten: Wer andere Personen anwarb, die ihr Geld in OneCoin steckten, erhielt zehn Prozent der von dieser Person investierten Mittel.

Unter den Angeklagten befinden sich auch die drei aus Brixen stammenden Brüder Aron, Christian und Stephan Steinkeller, die damals in Dubai wohnten und sich 2017 aus dem Geschäft mit der Kryptowährung zurückzogen.

In Südtirol wurden in jener Zeit – über WhatsApp-Gruppen – OneCoin-Treffen organisiert. In diesem Zusammenhang erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Männer aus Prad, Mühlbach, Natz-Schabs, Vahrn, Klausen und Brixen sowie eine gut 70-Jährige aus Vahrn.

Die Finanzwache Bruneck rekonstruierte, dass für Investitionen in OneCoin von hiesigen Banken elf Millionen Euro ins Ausland flossen, 3.700 Südtiroler überwiesen insgesamt fünf Millionen Euro.

Der von OneCoin-Verantwortlichen weltweit verursachte Schaden beläuft sich auf 1,8 Milliarden Euro.

Der Ausgang des Bozner Verfahrens zeichnet sich angesichts einer Verjährungsfrist von sechs Jahren für einfachen Betrug bereits jetzt ab.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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